Cover: Springer VS
Cover: Springer VS
Rezension

Unterhaltsame Texte über Texte

Wirtschaftskommunikation muss nicht ernst und dröge sein. Ein Buch zeigt, wie es anders geht.
Jens Hungermann

Was kommt dabei heraus, wenn eine Psychologin und eine Linguis­tin sich gemeinsam den (Un-)Tiefen zeitgenössischer Textprodukte widmen? In jedem Falle ein interessantes Werk, bestenfalls ein Lesevergnügen. Beide Hoffnungen lösen Susanne Femers-Koch und Stefanie Molthagen-Schnöring in ihrem Buch größtenteils ein.

Schon dessen Titel macht ja neugierig. Textspiele und Wirtschaftskommunikation, das klingt beinahe wie eine Kombination aus Piña Colada und Schwarzbrot. Passt das überhaupt zusammen? Hat nicht Wirtschaftskommunikation in Form von Geschäftsberichten oder Pressemitteilungen per se ernst, gleichsam dröge zu sein angesichts der Schwere des Sujets?

Nein, lauten Antwort und Quintessenz der Herausgeberinnen: „Wir möchten verschiedene Wege aufzeigen, Sprache einzusetzen, mit ihr zu spielen, damit variantenreiche Texte entstehen, die inhaltlich funktionieren und zugleich verschiedene Zielgruppen erreichen.“

Zu den Erkenntnissen gehört, dass es tatsächlich so etwas wie „Textergenerationen“ gibt. Bedeutet, Menschen unterschiedlichen Alters gehen unterschiedlich an Texte heran. Was das für die Ansprache zum Beispiel an die Zielgruppe der instagramisierten Digital Natives zur Folge hat, ist in der Publikation ebenso nachzulesen wie das Plädoyer, wenigstens dann und wann mutig von herkömmlichen Schemata der Wirtschaftskommunikation abzuweichen.

In Kapiteln unter anderem über Jugendsprache („Voll fett!“) und Lyrik seziert das Buch Wirkungsweise und Taktiken von Rede- und Werberhetorik. Das alles eröffnet nicht nur ungewohnte Sichtweisen auf Texte. Es liest sich mitunter auch kurzweilig.

Wer würde etwa ohne Weiteres darauf kommen, Comic Strips in seiner Wirtschaftskommunikation – die von den Herausgeberinnen übrigens explizit nicht mit Unternehmenskommunikation gleichgesetzt wird – als Mittel der Wahl einzusetzen? „Da Comics sich von der Diffamierung als Trivialliteratur zunehmend emanzipieren, können sie als literarisch-künstlerische Erzählung eine Bereicherung, zum Beispiel im Corporate Publishing, darstellen“, lautet eine Empfehlung.

Zu den wenigen Kritikpunkten am Werk zählt, dass das Sprachbild des „Spiels“ auf die Dauer recht bemüht wirkt. Es nutzt sich ab. Ein anderer lautet: Das Thema ein wenig mehr zu verdichten, hätte diesem Buch nicht geschadet. Ergänzt wird der Inhalt um drei Interviews zur Wirkung von Print und Online, über Corporate Publishing sowie „Scrollytelling“.

Fazit: Wer ein Faible für kreative Sprache und sprachliche Innovationen hat, wird an diesem unterhaltsamen Werk seine Freude haben. Mit knapp 350 Seiten ist es allerdings extrem üppig geraten.

Bewertung: Sollte man griffbereit haben (vier von fünf Sternen)

Cover: Textspiele in der Wirtschaftskommunikation (c) Springer VS

Susanne Femers-Koch und Stefanie Molthagen-Schnöring: Textspiele in der Wirtschaftskommunikation, Springer VS: 39,99 Euro

 

 

 
 


randbemerkung

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