Von der schon fast aufdringlichen Neugierde der Marketingabteilungen kann die interne Kommunikation oft noch etwas lernen. (c) Getty Images/almir1968
Von der schon fast aufdringlichen Neugierde der Marketingabteilungen kann die interne Kommunikation oft noch etwas lernen. (c) Getty Images/almir1968
Mitarbeiterbefragungen

Und, wie war’s für dich?

Die Mitarbeiterbefragung soll Licht ins große Dunkle bringen. Doch der Beziehungsstatus mit der internen Kommunikation ist: kompliziert. Eine neue Folge der Echolot-Kolumne zur digitalen Transformation in der internen Kommunikation.
Carolin Winkelmann

Und, wie war der Einkauf gerade? War die Auswahl groß genug? War der Prozess zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und transparent?

Kaum eine Webseite, die uns nicht nach unserem Kundenerlebnis fragt. Von dieser schon fast aufdringlichen Neugierde der Marketingabteilungen kann die interne Kommunikation oft noch etwas lernen.

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Wer jetzt laut rufen möchte: Wir fragen doch auch! Wir haben ja eine Mitarbeiterbefragung!, der ist herzlich zu einem kleinen Gedankenspiel eingeladen.

Man stelle sich vor, ein großer Online-Versandhandel führe jährlich eine Gesamt-Kundenbefragung durch: Am Tag der Befragung werden alle Kunden weltweit eingeladen, in einer standardisierten Online-Befragung ihre Zufriedenheit der vergangenen zwölf Monate zu bewerten. Monate später liegen dem Unternehmen die akkumulierten Auswertungsdaten vor. Spürbare Auswirkungen dieser Befragung? Überschaubar.

Dabei kann in unserem digitalen Zeitalter schon nahezu jedes Erlebnis umgehend bewertet werden: Offline fragen uns kleine Touchscreens nach der Schnelligkeit der Flughafen-Sicherheitskontrolle und der Sauberkeit von Kino-Toiletten, online gilt, was man buchen oder bezahlen kann, kann man auch bewerten. Profis rezensieren das Restaurant schon auf dem Smartphone, während sie noch auf den Nachtisch warten.

Gefragt wird aus gutem Grund: schnelle Rückmeldung erlaubt zielgerichtete Nachjustierung. Und zwar dann und dort, wenn es nötig ist.

Abgucken bei den Marketing-Kollegen hilft

Derzeit gilt es für die interne Kommunikation zu warten, bis die Ergebnisse der letzten Mitarbeiterbefragung eintrudeln, und diese dann ins Unternehmen zu spielen. Die wenigen Fragen zur Kommunikation können ausgewertet und möglicherweise als Grundlage für zukünftige Verbesserung genutzt werden. Oder auch nicht, denn meist ist die Bewertung von Kommunikation in der Retrospektive ein vages „ist mir nicht aufgefallen“.

Da es unrealistisch scheint, dass sich die Unternehmen dieser Welt demnächst gesammelt von ihren lieb gewonnenen Mammutbefragungen verabschieden, können zumindest die Kommunikationsabteilungen einen ersten Vorstoß in die schöne neue (Digital-)Welt wagen. Anlässe für Kurzbefragungen gibt es in der internen Kommunikation genügend.

Beispiele: Tablets am Ausgang fragen die Teilnehmer einer Town-Hall-Versammlung nach ihrem spontanen Eindruck, die Mitarbeiter-App erlaubt die Blitzumfrage, ob das Thema „Hitzefrei in Deutschland“ auch im September noch einen eigenen Beitrag verdient hat, und jeder Mitarbeiterzeitungsartikel ist mit einem Code versehen, der es erlaubt, ihn im Intranet zu kommentieren oder auch einfach nur Sterne zu vergeben, wie lesenswert der Text war.  

So könnte das Abgucken bei den Marketing-Kollegen in Zukunft helfen, die eigene Arbeit schneller und konkreter bewerten zu lassen. Dies dient der eigenen Priorisierung und Verbesserung, aber auch einem höheren Ziel: es zeigt den Mitarbeitern, dass sie buchstäblich gefragt sind. Dieses spürbare Interesse pflegt die Kundenbeziehung wie die Partnerschaft – und auch die Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern.

 

 
 


randbemerkung

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