Botschaften auf immer gleiche Weise zu verbreiten, geht nicht mehr – heute ist Variation gefragt. (c) Getty Images/zakokor
Botschaften auf immer gleiche Weise zu verbreiten, geht nicht mehr – heute ist Variation gefragt. (c) Getty Images/zakokor
Social-Media-Management

Twitter hat neue Regeln – und jetzt?

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Ende März seine Nutzungsbedingungen geändert. Für viele Social-Media-Manager erfordert dies ein Umdenken, wie unsere Gastautorin erklärt.
Monika Zehmisch

Am 23. März dieses Jahres änderte Twitter seine Nutzungsbedingungen. Dies geschah in Reaktion auf Fake News, Spam und gefälschte Accounts, die überhandgenommen und die Qualität der Plattform beeinträchtigt hatten. Mit den neuen Bedingungen fordert das Netzwerk ein gravierendes Umdenken von seinen Nutzern, die es beim Teilen von Nachrichten und vor allem beim wiederholten Teilen nun stärker reglementieren will.

Das hat sich konkret geändert

Die Änderungen der Twitter-Nutzungsbedingungen werden im Detail von Yoel Roth, Trust and Safety Manager von Twitter, auf dem Developer Blog beschrieben

 

“Posting duplicative or substantially similar content, replies, or mentions over multiple accounts you control, or creating duplicate or substantially similar accounts, with or without the use of automation, is never allowed.”

 

Konkret bedeutet dies:

1. Tweets werden als Spam betrachtet, wenn doppelte oder im Wesentlichen ähnliche Inhalte, Antworten oder Erwähnungen über mehrere Konten veröffentlicht oder Accounts mit gleichem Inhalt erstellt werden.

2. Auch das Posten von gleichen Inhalten auf einem Account ist nicht erlaubt.

3. Simultane Aktionen über mehrere Konten hinweg, wie Likes oder Retweets, sind nicht erlaubt.

4. Retweets sind weiterhin erlaubt. Sie können Ihren Content durch Retweets auf mehrere Twitter-Accounts verteilen. Dies wird auch von Twitter als mögliche Alternative zum Teilen des gleichen Tweets auf einem oder auf mehreren Twitter-Accounts gestattet. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass dies „in Maßen“ erfolgt.

5. Während Twitter weiterhin das Cross-Posting von externen Informationen (zum Beispiel über RSS-Feeds) zu Twitter mittels Automatisierung erlaubt, „sollten Sie eigene Inhalte nur auf einem von Ihnen kontrollierten Konto posten“.

Angesichts einer „Lebensdauer“ von 18 Minuten, die ein Tweet durchschnittlich hat, ist schnell zu verstehen, dass eine Wiederholung von gleichen oder ähnlichen Tweets bis vor Kurzem gang und gäbe war, um mehr Sichtbarkeit zu erzielen. Für Einzelpersonen und Unternehmen, die mehr als einen Twitter-Account betreiben, war es vor den Änderungen durchaus üblich, den gleichen Tweet auch über mehrere Kanäle hinweg zu teilen. Diesem Postingverhalten hat Twitter nun mit seinen neuen Richtlinien einen Riegel vorgeschoben.

So ist es nach den Änderungen der Nutzungsbedingungen eine Herausforderung, die eigene Botschaft weiterhin zu überbringen, wahrgenommen zu werden und den Twitter-Kanal mit hochwertigen Inhalten zu füllen. 

 

Wie gehen Twitter-Nutzer mit den Änderungen um?

Wir bei Adenion haben Experten aus den Bereichen Social-Media-Marketing, Content Marketing und PR nach ihren Empfehlungen und Erfahrungen zu den Änderungen in den Twitter-Nutzungsbedingungen gefragt.


Juliane Benad (@JulianeBenad)
Social-Media-Managerin

„Mein Twitterverhalten wird sich sicherlich verändern und zukünftig gehe ich davon aus, dass ich weniger twittern werde.“


Benjamin Brückner (@BenBrueckner)
Redakteur bei Zielbar

„Content Curation ist ein elementarer Bestandteil meiner Social-Media-Marketing-Strategie, schließlich geht es bei Vernetzung um die Weiterverbreitung starker Inhalte, gegenseitige Unterstützung und sinnstiftende Kommunikation. Daher teile ich auch wesentlich mehr fremde Beiträge, die ich meinen Followern gern empfehle.“


Eduard Andrae (@TrustedBlogs)
Geschäftsführer Trusted Blogs

„Mein Verhalten hat sich durch die neuen Regeln nicht geändert. Ich twittere auch weiterhin zwei bis drei Mal pro Tag. Dabei verzichte ich auf Wiederholungen. Stattdessen bemühe ich mich um einen Mix aus neuen, aktuellen Tweets sowie aus Retweets thematisch passender Tweets von anderen Accounts.“


Melanie Tamblé (@Blog2Social)
Geschäftsführerin Adenion

„Für eine Twitter-Strategie nach den neuen Nutzungsbedingungen setzen wir auf eine stärkere Individualisierung von Texten, Grafiken, Hashtags und Handles für jeden Tweet und jeden Twitter-Kanal.“


Stefan Schütz (@Stivologne)
Content-Enthusiast und PR-Berater

„Mein Postingverhalten auf Twitter hat sich durch die neuen Richtlinien nicht verändert. Tweets leben von ihrer Aktualität und dem entsprechenden Kontext. So gestalte ich auch ‚Wiederholungen‘ von eigenen Inhalten oder geplante respektive gesponserte Beiträge stets individuell. Ein anderer Hashtag, neue Aufhänger oder verschiedene Verweise auf passende beziehungsweise (in)direkt betroffene Accounts Dritter – es gibt viele Möglichkeiten, Evergreens erneut zu teilen, ohne anzuecken.“


Daniela Rorig (@textmatters_org)
Schreibtrainerin und Werbetexterin

„Twitter macht’s genau richtig. Ich habe keine Lust, mich durch eine Timeline voller vorgeplanter Tweets zu scrollen, die ich schon 30 Mal gesehen habe. Twitter ist ein Raum für Gespräche, kein seelenloses Content-Lager. Die neuen Richtlinien legen den Fokus wieder auf Echtzeit-Dialog – und mit 280 Zeichen haben wir genug Platz dafür.“

 

Das ändert sich für die Social-Media-Kommunikation

Trotz der umfangreichen Änderungen gibt es nach wie vor viele Optionen auf Twitter, um Inhalte regelkonform zu teilen und zu planen. Auch wenn es die Änderungen in den Twitter-Nutzungsbedingungen nicht mehr erlauben, gleiche oder ähnliche Tweets zu posten beziehungsweise den gleichen Content über mehrere Twitter-Kanäle zu verbreiten, können Sie dennoch für Ihre Follower sichtbar bleiben.

So können beispielsweise auch weiterhin ähnliche Inhalte veröffentlicht werden, indem die Tweets mit unterschiedlichen Texten, Grafiken, Handles (der Nutzername, beginnend mit einem @) und Hashtags oder Postingformaten individualisiert werden. Auch das Veröffentlichen über mehrere Twitter-Konten ist zukünftig möglich, indem Retweets und individuell angepasste Tweets und Kommentare für die verschiedenen Twitter-Accounts verwendet werden.

Zudem kann der eigene Content durch kuratierte Beiträge ergänzt werden. Damit positionieren Sie sich als Aggregator für Ihre Twitter-Gemeinde und setzen außerdem den Grundstein für Influencer-Marketing.

Hochwertige, nutzerorientierte und abwechslungsreiche Inhalte werden sich auch in Zukunft durchsetzen. Die Änderungen der Twitter-Richtlinien können also auch als Chance gesehen werden, durch Diversifizierung der Inhalte insgesamt eine höhere Attraktivität für die eigenen Tweets und damit auch mehr Reichweite, Sichtbarkeit und Interaktion auf den Netzwerken zu erzielen.

Bei der Wahl von Social-Media-Automatisierungs-Tools sollte zukünftig aber darauf geachtet werden, dass Individualisierung von Inhalten, Grafiken und Postingformaten für jeden Tweet und jeden Twitter-Account möglich sind sowie die Planung und Veröffentlichung von Retweets sowie RSS-Feeds unterstützt werden.

 

Zehn Tipps für Twitter

  1. Nutzen Sie Retweets, um Inhalte in mehreren Twitter-Accounts zu „recyceln“.
  2. Wecken Sie das Interesse Ihrer Community mit abwechslungsreichen Tweet-Texten.
  3. Bringen Sie Variation in Ihre Tweets durch unterschiedliche visuelle Elemente.
  4. Nutzen Sie Hashtags und Hashflags, um besser gefunden zu werden.
  5. Markieren Sie Personen und Twitter-Accounts mit Handles für Ihr Influencer-Marketing.
  6. Machen Sie Tweets mit Emojis persönlicher (auch im Business).
  7. Variieren Sie zwischen den Formaten Linkpost und Bildpost.
  8. Tweeten Sie zu den besten Zeiten Ihrer Communitys und variieren Sie Wochentage und Uhrzeiten.
  9. Bringen Sie mit Content Curation Abwechslung in Ihren Twitter-Kanal.
  10. Nutzen Sie Social-Media-Automatisierungs-Tools, die konform zu den neuen Richtlinien sind und mit denen Sie Tweets individualisieren können. 

 

 

 
 

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