In Hannover gingen am Samstag rund 7.000 Menschen für die Pressefreiheit auf die Straße. (c) Getty Images / wellphoto
In Hannover gingen am Samstag rund 7.000 Menschen für die Pressefreiheit auf die Straße. (c) Getty Images / wellphoto
Gegen NPD-Kundgebung

Tausende demonstrieren für die Pressefreiheit

Rund 7.000 Menschen gingen am Samstag in Hannover für die Freiheit der Presse auf die Straße. Anlass war eine Kundgebung der NDP.
Aus der Redaktion

Am vergangenen Samstag haben in Hannover rund 7.000 Menschen gegen die Bedrohung von Journalisten und für die Pressefreiheit demonstriert. Unter dem Motto „bunt statt braun“ stellten sie sich einem NPD-Aufmarsch entgegen, der mit rund 100 Teilnehmern deutlich kleiner ausfiel.

Der Aufmarsch richtete sich speziell gegen Journalisten, die kritisch über Rechtsextremismus in Deutschland berichten. Drei freie Journalisten wurden dabei ursprünglich namentlich erwähnt; zum Schluss führte die NPD sogar die Namen von zehn Schreibern auf ihrer Webseite auf. Zahlreiche Kollegen, Verbände und Redaktionen solidarisierten sich daraufhin mit den Genannten und mahnten in einem Aufruf den Schutz der Pressefreiheit an.

Diesem Aufruf schlossen sich am Samstag tausende Menschen an. Die Botschaft: „Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus haben in Hannover keinen Platz“, wie Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) in seiner Rede klarstellte. „Das Wichtigste ist: Wir sind mehr“.

Neben Onay nahmen auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sowie der Innenminister Niedersachsens, Boris Pistorius (beide SPD) an der Demonstration teil. Es sei wunderbar, dass „wir alle zusammenstehen gegen die rechten Hetzer und Verfassungsfeinde“, sagte Pistorius. Die Gefahr sei, dass Demokratie von unten sterbe, wenn Journalisten an den Pranger gestellt und bedroht werden.

Unterstützung gab es auch von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) via Twitter: In Hannover lasse sich sehen, was deutschlandweit gelte: „Die Neonazis und Angstmacher, die gegen Journalisten hetzen, sind in der Minderheit.“ Sein Dank gehe an alle, die friedlich gegen diesen „unwürdigen Aufmarsch“ protestierten.

In der vergangenen Woche schien es zunächst, als würde die geplante NPD-Kundgebung ins Wasser fallen: Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass die Polizei die Demonstration verboten hatte. Grund seien „öffentliche Quellen“ gewesen, die „eine unmittelbare Gefährdung für die öffentliche Sicherheit“ durch die Versammlung belegten.

Die NPD reichte Klage ein – mit Erfolg: Am Freitag kippte das Verwaltungsgericht Hannover das Verbot. Durch die Versammlung würden die öffentliche Sicherheit und die Pressefreiheit an sich nicht gefährdet, so die Richter.

 

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Die WPK fordert einen besseren Zugang zu Informationen für Journalist:innen. (c) Getty Images / Kkolosov
Foto: Getty Images / Kkolosov
Meldung

Corona: WPK kritisiert Wissenschafts-Pressestellen

In einem offenen Brief fordert die WPK, Journalist:innen verlässlichen Zugang zu relevanten Informationen zu gewähren – auch in der Corona-Krise. »weiterlesen
 
Google unterstützt Faktenchecker mit 6,5 Millionen Dollar. (c) Getty Images / Tick-Tock
Foto: Getty Images / Tick-Tock
Meldung

Corona-Krise: Google unterstützt Faktenchecker

Falschinformationen und Propaganda sind auch in der Corona-Krise gang und gäbe. Nun will Google Faktenchecker im Kampf gegen Fake News unterstützen. »weiterlesen
 
In einigen Branchen sorgt die vermeintliche "Corona-Krise" für Aufwind. (c) Getty Images / Mauricio Graiki
Foto: Getty Images / Mauricio Graiki
Kolumne

Corona-Krise? Kommunikation im Aufwind

Derzeit wird überall von der „Corona-Krise“ gesprochen. Dabei gibt es Branchen, in denen das Virus sogar für ein Plus sorgt. »weiterlesen
 
Corona-Experte Christian Drosten empört sich über eine Stern-Meldung. / Corona: (c) Getty Images/ChakisAtelier
Corona: (c) Getty Images/ChakisAtelier
Meldung

Stern-News: Corona-Experte Drosten ist „schockiert“

Christian Drosten, Chef-Virologe der Charité, gab dem Stern ein Interview. Das Ergebnis schockt ihn. »weiterlesen
 
Seit genau sechs Monaten sind Silke und Holger Friedrich Eigentümer des Berliner Verlags. (c) Getty Images / artisteer
Foto: Getty Images / artisteer
Analyse

Sechs Monate, neun Peinlichkeiten, ein Verlag

Vor genau sechs Monaten kaufte das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich den Berliner Verlag. Pleiten, Pech und Pannen folgten. »weiterlesen
 
Sind die Journalisten schuld an der Corona-Panik? (c) Getty Images / Agustin Vai
Foto: Getty Images / Agustin Vai
Kolumne

Coronavirus: Sind die Journalisten schuld?

In der Bevölkerung greift die Corona-Panik um sich. Wer ist schuld? »weiterlesen