Die Dinge nehmen immer mehr an der Kommunikation teil - einesTages werden sie vielleicht selbst zu Storytellern. (c) Thinkstock/Kirillm
Die Dinge nehmen immer mehr an der Kommunikation teil - einesTages werden sie vielleicht selbst zu Storytellern. (c) Thinkstock/Kirillm
Tanz mit dem Roboter

Wie das Internet der Dinge Kommunikation verändert

Bots, selbstfahrende Autos, Smart Homes – die Dinge nehmen an der Kommunikation teil und werden dabei nicht nur selbst zum Medium, sondern möglicherweise sogar eines Tages Storyteller. Denkanstöße über die künftige Form von Content und Kommunikation gibt Michael Schmidtke, Director Digital Communications bei Bosch.
Michael Schmidtke

Bereits die erste Vernetzungswelle in der digitalen Kommunikation („Web 1.0“) hat unser Publishing, das heißt die Art, wie wir Texte und Themen veröffentlichen, fundamental verändert. Man muss nur die interaktiven Geschäftsberichte von heute mit denen von vor zehn Jahren vergleichen. In ähnlicher Weise führte die zweite Welle der digitalen Kommunikation mit Social Media („Web 2.0“) in der Kommunikation zahlreiche Veränderungen herbei: Bosch verfügt heute über mehr als 400 offizielle Social-Media-Auftritte. Allein über die Auftritte der Unternehmenskommunikation erhalten wir pro Jahr Dialoganfragen im fünfstelligen Bereich. Die Vernetzung der Menschen über Social Media hat vor allem die Art, wie wir als Unternehmenskommunikation in Dialog treten, fundamental verändert.

Die Herausforderungen und Veränderungen durch die dritte Welle der digitalen Kommunikation („Web 3.0“) sind noch gar nicht abzusehen. Was einmal passieren wird, wenn sich die Dinge vernetzen und Teil der Kommunikation werden, bleibt in der aktuellen Diskussion oftmals noch sehr theoretisch und spekulativ. Deshalb möchte ich an dieser Stelle zwei ganz konkrete Erfahrungen teilen.

1. Neue Content-Formate: Chat mit der Webseite im selbstfahrenden Auto

Während des ersten Bosch-Hackathons im Jahr 2014 saßen wir zusammen mit einigen Programmierern und Bloggern in einem Testfahrzeug und haben Apps für den Fahrzeuginnenraum entwickelt. Ziel des Hackathons war, weitere nützliche Anwendungen für die Zukunft zu finden. Dabei ist uns eines bewusst geworden: Wenn die Autos einmal selbst fahren werden, werden wir künftig viel Zeit für Content und Kommunikation haben.

Deshalb saßen wir 2015 während der „MediaHackDays“ mit den Kollegen von Axel Springer und anderen Content-Experten erneut in unserem Bosch-Testfahrzeug und haben uns gefragt, wie wir selbstfahrende Autos als neue „Touch Points“ speziell für die Kommunikation am besten nutzen können.

Leider eignen sich viele unserer heutigen Content-Formate wie Infografiken oder längere Artikel nicht für dieses Szenario: Die Kommunikation in selbstfahrenden Autos wird sehr viel mehr mit Stimme und Gesten zu tun haben. Entsprechend muss sich der Content an diese Anforderungen anpassen.

Die Kollegen von Daimler haben beispielsweise jüngst ein Angebot geschaffen. Hier werden Beiträge aus dem Daimler-Blog von Alexa direkt vorgelesen. Auch bei Bosch arbeiten wir intensiv an der Weiterentwicklung von Sprachsteuerungen, Chat-Funktionen auf Corporate Websites und anderen Anwendungen, wie wir optimal Content etwa auch für persönliche Assistenten wie den Küchenroboter Mykie, den Home-Roboter Kuri oder eben die selbstfahrenden Autos der Zukunft schaffen.

2. Mehr als ein Medium: Wenn Roboter zum Tanz auffordern

Eine zweite Erfahrung, die mich über die Zukunft der Kommunikation intensiv nachdenken ließ, habe ich im Mai dieses Jahres gemacht. Zu dieser Zeit kamen 250 Kollegen aus 33 Ländern zu den Bosch Digital Communication Days zusammen, wo wir uns zwei Tage mit der Frage beschäftigten, wie sich Content und Kommunikation mit der dritten Welle der digitalen Kommunikation verändern werden. Dabei wollten wir vor allem diese neue Kommunikation selbst erleben, indem wir mit selbstfahrenden Autos fuhren, uns auf 4-D-Flugsimulatoren legten oder eben mit Robotern interagierten.

Mein einstündiger Eröffnungsvortrag fand konsequenterweise ohne mich statt. Er wurde von drei Robotern übernommen: Kuri und Mykie aus dem Hause Bosch sowie Pepper von Softbank. Sie erzählten aus ihrem Alltag im Internet der Dinge und wie es ist, mit Menschen zu kommunizieren. Das war faszinierend und ein wenig befremdlich zugleich. Werden in Zukunft die Roboter unseren Job als Kommunikatoren machen?

Die Zuhörer aus aller Welt haben den Robotern eine Stunde lang jedenfalls gebannt zugehört. Aber ich wusste ja, wie die Vorträge der Roboter zustande kamen. Wir hatten aufwändige Skripte für die Roboter geschrieben und diese über drei Wochen programmiert und eingelernt.

Nachdenklich gemacht hat mich vor allem der Umstand, dass mich einer der Roboter nach seinem Vortrag noch zum Tanz aufgefordert hat. Dabei hat er nicht nur seine „einprogrammierte Tanzshow“ gezeigt. Er hat vielmehr genau beobachtet, wie ich mich bewege und sich sogar auf mich eingestellt. Am Ende haben wir tatsächlich miteinander getanzt. Dieses Erlebnis war emotional noch viel stärker, als mit selbstfahrenden Autos mitzufahren, denn in Gestalt der Roboter kommen die Dinge den Menschen noch sehr viel näher. Die Dinge werden Teil der Kommunikation, und wir Menschen müssen uns darauf vorbereiten, dass sie nicht nur ein Medium sein werden.

Die dritte Welle der digitalen Kommunikation wird nicht nur die Welt, die sich im Internet-Browser abspielt, erfassen, sondern das reale Leben. Ob Bots, selbstfahrende Autos oder Smart Homes: Es gibt heute schon viele Erfahrungsräume, wo wir diese Erlebnisse von neuen Kommunikationsformen machen können. Einige davon sind faszinierend, andere vielleicht noch eher befremdlich. Eines steht aber für mich fest: Die Dinge vernetzen sich mit uns, nehmen an der Kommunikation teil und werden folglich die Möglichkeiten, Content zu denken und zu schaffen, unser Storytelling, erweitern und verändern.
 

Diskutieren Sie mit dem Autor auf dem Kommunikationskongress, wo er am 21. September in seinem Vortrag „Wie das Internet der Dinge Content und Kommunikation verändert“ über konkrete Entwicklungen der Zukunft sprechen wird. Weitere Informationen finden Sie unter www.kommunikationskongress.de.

 

 
 


randbemerkung

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