Talente gesucht (c) Getty Images/iStockphoto/monkeybusinessimages
Talente gesucht (c) Getty Images/iStockphoto/monkeybusinessimages

Talente gesucht!

Branchenverbände haben aufmerksamkeitsstarke Nachwuchskampagnen. Was kann die Unternehmenskommunikation von ihnen lernen?
Christian H. Schuster
Janine Engel

Gut ausgebildeter Nachwuchs wird zunehmend knapp in Deutschland. Das hat zur Folge, dass immer mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze unbesetzt bleiben und zukünftig wichtige Fachkräfte fehlen werden. Doch vielen kleinen und mittleren Unternehmen fehlt es an Zeit und vor allem an entsprechendem Budget, um selbst gezielte PR-Maßnahmen zur Nachwuchsgenerierung zu starten. Hier sind die Branchenverbände gefragt, mit aufmerksamkeitsstarken Kampagnen talentierte junge Menschen in die Betriebe zu ziehen. Was kann die Unternehmenskommunikation von ihnen lernen?

 

Jugendliche durch Jugendliche ansprechen

Eine Nachwuchskampagne muss im ersten Schritt die Zielgruppe erreichen. Aber gerade die Ansprache von Jugendlichen birgt zahlreiche Schwierigkeiten. Natürlich sprechen Jugendliche viel lieber mit anderen Jugendlichen über die Berufswahl, als mit einem potenziellen Ausbilder. Die Ansprache des potenziellen Nachwuchses mit Ihresgleichen kann also der entscheidende Eisbrecher sein und für das nötige Vertrauen sorgen.

Dies macht sich die Kampagne „Elementare Vielfalt“ des Bundesarbeitgeberverbands Chemie e.V. zunutze. Um die Jugendlichen direkt anzusprechen, stellen die Azubis selbst ihre Ausbildungsberufe in der Chemiebranche vor. Interessierte Jugendliche stoßen hier auf junge Menschen etwa gleichen Alters, die in kurzen Videos von ihrer Begeisterung für ihren Beruf erzählen. Einblicke in den Ausbildungsalltag zeigen die Abwechslung und Vielfalt der Aufgaben, die den potenziellen Nachwuchs in der Ausbildung erwarten. Ganz nebenbei erfahren die Jugendlichen auch, welche vielfältigen Berufe es in der Chemiebranche gibt. Vom Verfahrensmechaniker über den Elektroniker bis hin zum Chemikanten und Chemielaboranten werden verschiedenste Berufe vorgestellt. Außerdem erfahren die Jugendlichen, welche Voraussetzungen sie für eine Ausbildung in den jeweiligen Berufen mitbringen müssen. Die interessierten Jugendlichen erhalten die Informationen über die Berufe und die Ausbildung über die Videos mit den Jugendlichen in den Hauptrollen sozusagen aus erster Hand. Das macht die Kampagne für junge Menschen besonders authentisch.

 

Persönlichen Kontakt suchen

Mit der richtigen Ansprache ist schon der erste Schritt zu einer erfolgreichen Nachwuchskampagne getan. Nachdem das Interesse der jungen Menschen an bestimmten Berufen geweckt ist, gilt es im nächsten Schritt, den potenziellen Nachwuchs an die jeweiligen Berufe heranzuführen. Persönlicher Kontakt zu den Jugendlichen ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Eine Möglichkeit ist, einen oder mehrere Verantwortliche im Verband oder in den Mitgliedsunternehmen zu benennen und hinsichtlich der gezielten Nachwuchsgewinnung zu schulen. Das kann beispielsweise eine Art Berufsberatung sein, bei der Jugendliche Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz erhalten.

Wie das funktionieren kann, zeigt der Bundesverband Metall Vereinigung des Deutschen Metallhandwerks e.V. Der Verband bildet im Rahmen der Kampagne „Heavy Metal – Unsere Zukunft im Metallhandwerk“ sogenannte „BerufsOrientierungsBeauftragte“ in den Mitgliedsunternehmen aus, die dann wiederum die Nachwuchswerbung vor Ort vorantreiben. Diese Beauftragten sind in ihren jeweiligen Regionen erste Ansprechpartner für die interessierten Jugendlichen und potenziellen Azubis. Durch Besuche und Sprechtage an Schulen bauen sie einen direkten Kontakt zu den zukünftigen Azubis auf und geben Tipps und Hinweise für den Weg in das Metallhandwerk.

Eine andere Möglichkeit für den persönlichen Kontakt zum Nachwuchs sind Mentoringprogramme der Fachverbände. Dabei bilden Berufserfahrene und Berufseinsteiger oder Azubis Tandems. Letztere werden durch die Berufserfahrenen bei ihrer Karriereplanung unterstützt und lernen durch den gegenseitigen Austausch mehr über die Möglichkeiten, die das jeweilige Berufsfeld bietet. Ein weiterer Vorteil, der dabei für den Verband entsteht: Der Nachwuchs wird frühzeitig auf den Verband aufmerksam gemacht und durch den großen Mehrwert durch das Mentoringprogramm langfristig an den Verband gebunden.

 

Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen

Die bereits erwähnte Kampagne des Bundesarbeitgeberverbands Chemie e.V. besticht nicht nur durch eine authentische Ansprache der Jugendlichen. Der Kampagnenname „Elementare Vielfalt“ zielt auch auf die klare Kommunikation der zahlreichen Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten in der Chemiebranche ab. Denn nach der Ausbildung ist für die Jugendlichen längst nicht Schluss; die frisch gebackenen Gesellen möchten die Karriereleiter erklimmen und sich beruflich weiterentwickeln. Welche Aufstiegs- und Weiterbildungschancen auf die jungen Menschen in der jeweiligen Branche warten, sollte eine Nachwuchskampagne also deutlich vermitteln.

Auf der Kampagnenwebsite www.elementare-vielfalt.de finden sich neben den Kurzvideos zahlreiche Berufssteckbriefe, die die Karriereperspektiven mitsamt Vergütungsaussichten in den verschiedenen Berufen in der Chemiebranche anschaulich präsentieren. Dabei spielt neben der Ausbildung auch das Studium eine Rolle. Ebenso ist der berufliche Aufstieg zum Meister ein ausführlich behandeltes Thema. Auf diese Weise erhalten die interessierten und potenziellen Auszubildenden alle wichtigen Informationen zu den Berufen einer Branche gebündelt auf einen Blick. Sie können sich ohne großen Aufwand umfassend informieren und erhalten hilfreiche Unterstützung bei der Berufswahl.

 

Sorgen ernst nehmen

Jugendliche müssen sich nach ihrem Schulabschluss nicht nur für einen Beruf entscheiden. Sie stellen sich natürlich auch viele Fragen rund um ihre berufliche Zukunft. Immer mehr Menschen möchten in flexiblen Beschäftigungsmodellen arbeiten, statt in starr festgelegten Arbeitszeiten am Arbeitsplatz präsent sein zu müssen. Gleichzeitig legen junge Menschen zunehmend Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit. Auf diese Wünsche und Bedürfnisse sollte eine Nachwuchskampagne eingehen und die Sorgen ernst nehmen.

Die IG Metall schafft es in nur knapp fünfzig Sekunden, sich dieser Fragen anzunehmen. Der bekannte Nachwuchsspot zur Kampagne „Neue Zeiten, neue Fragen.“ zeigt junge Menschen mit Karriereambitionen, die an den hohen Erwartungen der heutigen Arbeitswelt zu scheitern drohen. Mit Fragen, wie „Muss ich immer 150% geben“, „Bin ich nur befristet gut“ oder „Bekommt jeder das, was er verdient“ wird gezielt auf die Unsicherheiten und Bedenken der Jugendlichen eingegangen.

Ergänzend dazu stellen auf der Website www.wasmichbewegt.de junge Menschen ihre Berufs- und Lebenskonzepte vor und zeigen, wie sie ihr Leben gestalten und sich selbst verwirklichen möchten. Der positive Nebeneffekt auch hier: Die jungen Menschen werden recht früh dazu aufgefordert, sich im Verband zu organisieren, um gemeinsam für berufsrechtliche Fragen zu kämpfen.

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Kommunikation ist gerade jetzt wichtig. Aber auf das Wie kommt es an. (c) Getty Images/Picturesque Japan
Foto: Getty Images/Picturesque Japan
Lesezeit 4 Min.
Essay

Bescheidene Krisengewinner

Die Coronakrise ist kein Grund, in Deckung zu gehen. Unternehmen sollten kommunizieren, wofür sie stehen und was sie leisten. Wer zur digitalen Avantgarde gehören möchte, sollte bei Diversität, Familienfreundlichkeit und Klimaschutz nicht rückständig bleiben. »weiterlesen
 
Kolleg:innen helfen einander: eine Hilfe-Community kann die Kommunikationsabteilung entlasten. (c) Getty Images/tutti-frutti
Bild: Getty Images/tutti-frutti
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Bitte wenden Sie sich an die Community

In vielen Unternehmen hat der digitale Arbeitsplatz Einzug gehalten – oft schneller als geplant. Doch woher die Ressourcen nehmen, um die Kolleg:innen umfassend in die Tools einzuführen? Die Lösung: eine Hilfe-Community. »weiterlesen
 
Greenpeace setzt bei seinen Aktionen auf provokante Motive. 2019 demontierte die NGO das "C" aus dem CDU-Schriftzug am Konrad-Adenauer-Haus. (c) picture alliance/Paul Zinken
Foto: picture alliance/Paul Zinken
Lesezeit 4 Min.
Bericht

Laut und provokant

NGOs wie Greenpeace und der WWF müssen zuspitzen, um Öffentlichkeit und Medien zu erreichen. Wie funktioniert ihr Agenda Setting? »weiterlesen
 
Am Arbeitsplatz können sich Frauen Sexismus kaum entziehen. (c) Getty Images/Alan Graf
Foto: Getty Images/Alan Graf
Lesezeit 5 Min.
Essay

Allgegenwärtiges Grundrauschen

Anzügliche Blicke, dumme Sprüche und berufliche Nachteile – Sexismus im Arbeitsalltag ist allgegenwärtig. Er kommt häufig ironisch und subtil daher. Versteckter Sexismus gehört sichtbar gemacht. »weiterlesen
 
Mitarbeiter wollen inspiriert, motiviert und gecoacht werden. (c) nd3000 / Getty Images
Foto: nd3000 / Getty Images
Lesezeit 5 Min.
Interview

Das Team gewinnt

Wie die Digitalisierung die Rolle von Führungskräften verändert, erleben viele Kommunikationsabteilungen aktuell hautnah. Worauf es in der Zusammenarbeit ankommt, erklären Jan Runau von Adidas und Sabia Schwarzer von der Allianz. »weiterlesen
 
Klassische Pressearbeit allein reicht nicht mehr aus, um Vertrauen in politische Entscheidungen zu wecken. (c) Screenshot
Foto: Screenshot
Lesezeit 4 Min.
Essay

Die Politik braucht eine PR-Offensive

Hintergründe zu politischen Entscheidungen und Gesetzen kommen in der Berichterstattung häufig zu kurz. Die Bundesministerien sollten ihre Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Dass das notwendig ist, zeigt nicht zuletzt die Coronakrise. »weiterlesen