Ist ein Volotausch in der Ausbildung sinnvoll? (c) Thinkstock/Rdomino
Ist ein Volotausch in der Ausbildung sinnvoll? (c) Thinkstock/Rdomino
PR-Ausbildung

Suche Volo, biete Volo

Zu einem gelungenen PR-Volontariat gehört ein passgenauer Ausbildungsplan. Externe Stationen sind wertvoll. Warum es sich lohnen könnte, mehr Möglichkeiten für einen Volontärstausch zu schaffen.
Jens Hungermann

Der Satz stammt von Norbert Blüm, an seiner Gültigkeit hat er bis heute nichts eingebüßt. „Wenn der Zug auf dem falschen Gleis steht“, sagte der heute 82-Jährige einmal, „erübrigt sich jede Diskussion über den Fahrplan.“ Dass Blüm 16 Jahre lang Bundesminister ausgerechnet für Arbeit war, passt umso besser.

Umgemünzt auf PR-Volontariate könnte das Bonmot lauten: Ein Ausbildungsplan kann noch so gut sein – wenn er nicht zu Unternehmen, Agentur, vor allem aber zum Volontär selbst und zu dessen Fähigkeiten passt, dann wird das Ziel nicht erreicht werden. Oder allenfalls auf Umwegen.

Eine Umfrage des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) in diesem Jahr ergab, dass 60 Prozent der teilnehmenden Verbandsmitglieder zumindest gelegentlich ein Volontariat anbieten. 85 Prozent strukturieren die Volontärausbildung durch einen festen Ausbildungsplan – mit der Einschränkung, dass aktuelle Ereignisse regelmäßig zu einer Abweichung davon führen.

„Es gibt bereits in erheblichem Maße Angebote von Unternehmen für Volontäre, und die letzte Umfrage des BdP hat ergeben, dass dieser Bereich noch ausgebaut wird“, sagt der Bildungsbeauftragte des Verbands, Ulrich Kirsch. „Das erfüllt mich mit großer Freude. Ein PR-Volontariat ist ein ganz zentrales Angebot, das Anfängern den Einstieg in den Beruf ermöglicht.“

Zwei Drittel der Anfänger haben in Deutschland schließlich nicht berufsorientiert studiert. Auch vor diesem Hintergrund sei – neben einer anständigen Bezahlung („Der Korridor liegt bei 1.500 bis 2.000 Euro brutto monatlich“) − ein „glasklarer Ausbildungsplan“ unbedingt empfehlenswert, meint Kirsch.

Formale und inhaltliche Standards schaffen

Über die Qualität der Ausbildung hierzulande sagt Thomas Mickeleit, Director of Communications bei Microsoft Deutschland: „Es gibt weiterhin eine große Spannbreite, angefangen bei einer exzellenten systematischen Ausbildung bis hin zu kaum verkappter Ausbeutung. Ich finde es deshalb wichtig, für das PR-Volontariat bestimmte formale und inhaltliche Standards einzuziehen.“ Die Deutsche Akademie für Public Relations (DAPR) begleite dies neuerdings mit einer Zertifizierung. Microsoft erwarb sie problemlos.

In seinem Unternehmen sei ein „schriftlich niedergelegtes Ausbildungsprogramm, das die Ausbildungsziele und den Weg dahin verbindlich beschreibt“, selbstverständlich, sagt Mickeleit. Eine Ausbildungsbeauftragte sorge für die Qualitätssicherung und stehe den Volontären zur Seite. An den verschiedenen Ausbildungsstationen gebe es darüber hinaus jeweils fachliche Betreuer. Jedoch: „Auch die Volontäre sind nicht frei von Verantwortung. Es nützt ja nichts, am Ende der Ausbildung zu beklagen, was man gerne gemacht hätte“, findet Mickeleit.

Patrick Piecha, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim international agierenden E-Commerce-Unternehmen Onlineprinters aus Bayern, hat die Erfahrung gemacht: „Volontariat ist zwar kein geschützter Begriff. Aber vielfach hat es seinen Namen nicht verdient. Jedes Unternehmen, das einen Volo ausbildet, muss sich bewusst sein, dass es keine billige Arbeitskraft beschäftigt, sondern eine Ausbildungsverpflichtung hat“, appelliert er.

Zu einer gelungenen Ausbildung, da sind sich Kommunikationschefs einig, gehören wertvolle Einblicke an externen Stationen. Zwei Volontärinnen profitierten dazu im vergangenen Sommer von einer ungewöhnlichen, hierzulande noch selten praktizierten Form der Know-how-Erweiterung. Dank persönlicher Kontakte auf der Führungsebene tauschten Erika Lehn von Onlineprinters und Marion Fischer von der auf Finanzkommunikation spezialisierten Agentur Ira Wülfing Kommunikation (IWK) für zwei Wochen Plätze und Rollen. Beide waren hinterher begeistert.

„Bei IWK habe ich völlig andere Themen kennengelernt, als ich sie aus meinem Alltag kannte. Ich finde, je mehr man sich mit Dingen auseinandersetzt, mit denen man sonst keine Berührungspunkte hat, desto mehr kann man gewinnen“, meint Lehn (26). Bei Onlineprinters lerne sie klassisch Unternehmenskommunikation. „Auch deshalb fand ich es spannend, die Arbeit in einer Agentur mit all ihren Facetten kennenzulernen.“ Darunter bis dato unbekannte Strukturen und ein völlig anderes Klientel.

Fischer wiederum sagt: „Für mich war der Tausch mit Erika Lehn die Möglichkeit, einmal direkt in ein Unternehmen zu schauen, mehr über Hierarchien und Abläufe zu erfahren und darüber, wie Entscheidungen in einem Unternehmen getroffen werden.“ Wie interne  Abstimmungen mit diversen Fachbereichen zur Durchführung großer Projekte ablaufen, war der 28-Jährigen beispielsweise nicht bewusst gewesen. Empfehlen würde Fischer ebenso wie Lehn einen solchen Tausch grundsätzlich jedem PR-Volontär – „weil er einen Blick für andere Aspekte von Kommunikation schafft, den Horizont erweitert“. Zwei Wochen mindestens seien empfehlenswert, ein Monat ideal. Leistungsdruck habe sie im neuen Umfeld keinen verspürt, sagt Lehn. „Ich habe es wie ein Projekt empfunden.“

Fischer merkt an: „Damit es gut funktioniert, müssen beide Seiten einander vertrauen. Wenn ein Grundvertrauen vorhanden ist, kann fast nichts schiefgehen.“ Die beiden jungen Frauen tauschten während der zwei Wochen sogar die Wohnungen.

Ein Tausch als Incentive für Volontäre

Für Onlineprinters sei der Tausch nahezu kostenneutral gewesen, sagt Patrick Piecha. „Meiner Meinung nach sollte ein Austausch von Volontären im Rahmen der Ausbildung viel mehr gefördert werden. Firmen müssen den Nutzen erkennen. Sie erhalten nach einem Tausch einen Mitarbeiter zurück, der viel mehr kann und weiß als vorher.“

Piecha sieht einen fest im Ausbildungsplan verankerten Volontärstausch durchaus auch als Incentive für Volontäre. Und für Pressesprecher, die ja allesamt bestens vernetzt seien, „sollte es in der Regel ein Leichtes sein, einen solchen Tausch zu organisieren – auch wenn das mehr Arbeit macht, als eine Fortbildung für 2.000 Euro zu buchen, klar“.

60 Prozent der befragten Mitglieder des Bundesverbands deutscher Pressesprecher bieten zumindest gelegentlich ein Volontariat an. (c) Quadriga Media Berlin

60 Prozent der 218 befragten Mitglieder des Bundesverbands deutscher Pressesprecher bieten zumindest gelegentlich ein Volontariat an. (c) Quadriga Media Berlin

BdP-Bildungsfachmann Ulrich Kirsch will zwar nicht ausschließen, „dass ein Tausch im Einzelfall für beide Seiten befruchtend sein kann“. Zum Beispiel wenn in kleineren oder mittelgroßen Organisationen nicht alle Ausbildungsfelder abgedeckt werden können. Doch bei beispielsweise zwölf Monaten Ausbildung, in der man eine Person mit gutem Studienabschluss fit für das eigene Unternehmen machen wolle, sei eigentlich keine Zeit zu verschenken. Der Ausbildungsplan sei in dem Falle sehr eng getaktet. Also: Volontärstausch durchaus – aber nicht notwendigerweise institutionalisiert.

Und die PR-Studiumsabsolventen?

Grundsätzlich ist ein PR-Volontariat weniger interessant für solche Einsteiger, die bereits ein PR-bezogenes anstelle eines allgemeinen Studiums wie Medien- und Kommunikationswissenschaften absolviert haben. Mit Blick auf die Agenturlandschaft in Deutschland sagt Annika Schach, Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover: „Ein Volontariat kann eine gute Ergänzung zum Studium sein, besonders bei Quereinsteigern. Einige Agenturen gehen das Thema aber viel zu unstrukturiert an.“ Besonders die Möglichkeiten eines Netzwerks, wie etwa Ausbildungsstationen im Ausland oder bei Partneragenturen, werden noch zu wenig genutzt. „Hier sollten sich die Agenturvolontariate eher an den Angeboten in Medienhäusern oder den Traineeships in Unternehmen orientieren.“

Schachs Meinung nach sollte ein PR-Volontariat Aspekte enthalten, die im Studium nicht erlernt werden können. Zum Beispiel längerfristiges Projektmanagement, Kundenkontakt und spezifische Branchen- oder Fachexpertise.

Thomas Mickeleit sagt, sein Unternehmen suche Uni-Absolventen nicht in der Erwartung, dass diese schon alles können würden. Das Volontariat sei geradezu ideal, um in einer „geschützten Zone“ Dinge auszuprobieren, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen und dabei schnell eigene Verantwortung zu übernehmen. Eine Volontärin entsandte Microsoft Deutschland kürzlich für drei Wochen nach Singapur. „Das fand sie klasse.“

Kein Wunder. Wer würde da wohl nicht tauschen wollen?

 

 
 

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