Kommentierung und Färbung von Sachtexten nehmen zu, beobachtet Kristin Breuer vom VfA. (c) Getty Images/metamorworks
Kommentierung und Färbung von Sachtexten nehmen zu, beobachtet Kristin Breuer vom VfA. (c) Getty Images/metamorworks
Kommunikationsprofis bewerten Journalismus

Substanzlose Schnellschüsse

Clickbaiting, Quatsch-Geschichte, zu viel Meinung – wie Kristin Breuer vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) die Berichterstattung in deutschen Leitmedien wahrnimmt.
Kristin Breuer

Die Schere geht immer weiter auf: Es gibt weiterhin herausragende Reportagen, anregende Kommentare, präzise Beobachtungen und Herleitungen. Es gibt aber auch oberflächliche, kurz gedachte und nur der Auflage oder Klickzahlen geschuldete Quatsch-Geschichten. Letzte nehmen leider überhand.

Dabei fallen mir zwei Phänomene besonders auf: Immer weniger Journalist:innen behalten eine kritische Distanz zu ihren eigenen Geschichten. Die gleichzeitige Kommentierung und Färbung eines eigentlichen Sachtextes nimmt zu. Sie wird potenziert durch wilde Debatten in den Sozialen Medien. Oftmals steht nicht mehr der Gegenstand der Berichterstattung im Vordergrund, sondern die Journalist:innen und ihre Meinung.

Die Überlastung der Redaktionen steigt beständig. Es fehlen Zeit und Ressourcen, um Geschichten zu hinterfragen, zu überprüfen und – noch wichtiger – in Ruhe zu überdenken. So häufen sich substanzlose Schnellschüsse.

Eigene Kommunikation intensivieren

Für Kommunikationsverantwortliche folgt daraus zweierlei: Die direkte Kommunikation mit den eigenen Zielgruppen wird immer wichtiger. Ein gut performender eigener Social-Media-Beitrag ist mehr wert als eine unsauber recherchierte Geschichte in einem beliebigen Medium mit ohnehin sinkender Auflage und Reichweite. Wir müssen den Journalist:innen so viel Arbeit abnehmen wie möglich: Je hochwertiger unser eigenes Angebot an sie ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Geschichten eins zu eins übernommen werden. Dabei dürfen wir nicht den Meinungsfehler kopieren. Sprich: Es geht an dieser Stelle weniger um Werbung als um Sachinformation. Diese Entwicklungen sind bitter – auch für mich als ehemalige Journalistin, die sich vielen Ex-Kolleginnen und -Kollegen verbunden fühlt.


Kristin Breuer ist seit April Geschäftsführerin Kommunikation beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA). Zum Zeitpunkt der Erstellung des Beitrags war sie als Chief Communications Officer bei der Stiftung Deutsche Knochenmarkspenderdatei tätig.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Thomas Möller leitet ab sofort die Unternehmenskommunikation von Merck. (c) Merck
Thomas Möller (c) Merck
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Möller übernimmt für Birnstiel

Thomas Möller war 2017 zu Merck gekommen und zuletzt für den Bereich Corporate Communications verantwortlich. »weiterlesen
 
picture alliance / Winfried Rothermel
Zu viel Junk-Food als eine Ursache von Übergewicht (c) picture alliance / Winfried Rothermel
Lesezeit 4 Min.
Meldung

Großbritannien startet Kampagne zur Reduzierung von Übergewicht

Übergewicht erhöht das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs. Die britische Regierung will Werbung für ungesunde Lebensmittel verbieten. Die Grünen fordern in Deutschland einen ähnlichen Weg. »weiterlesen
 
Susan Hölling und Björn-Christian Hasse
Co_CEOs: Susan Hölling und Björn-Christian Hasse (c) BCW
Lesezeit 3 Min.
Meldung

BCW ab sofort mit Doppelspitze

Susan Hölling und Björn-Christian Hasse werden Co-CEOs bei BCW Deutschland und damit Nachfolger von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach. »weiterlesen
 
Es ist besser, transparent zu kommunizieren, als gar nicht. (c) Getty Images/by-studio
Foto: Getty Images/by-studio
Lesezeit 1 Min.
Gastbeitrag

„Auch bei Unsicherheiten kommunizieren“

Jede:r Kommunikationsverantwortliche erlebt die Coronakrise anders. Wie haben sich PR und Öffentlichkeitsarbeit verändert? Was ist wichtiger und was weniger relevant geworden? Vier PR-Profis geben Antworten. Diesmal: Katrin Lauterbach, Head of Communications und Marketing, von Jenoptik. »weiterlesen
 
Personality-Expertin Tina Schürmann fordert mehr Verständnis für berufstätige Mütter. (c) Mirjam Knickriem
Foto: Mirjam Knickriem
Lesezeit 2 Min.
Interview

„Warum Kinder leugnen?“

In der Coronakrise wurde deutlich: Frauen kümmern sich um die Kinder, Männer machen Karriere. Im Interview erklärt Personality-Expertin Tina Schürmann, warum sie Frauen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen will und wieso Kinder dabei eine Rolle spielen sollten. »weiterlesen
 
Die digitale Live-Kommunikation kann global agierenden Unternehmen große Chancen bieten, meint PR-Profi Nils Haupt. (c) Getty Images/AndreyPopov
Foto: Getty Images/AndreyPopov
Lesezeit 1 Min.
Gastbeitrag

„Live-Formate werden bleiben“

Jede:r Kommunikationsverantwortliche erlebt die Coronakrise anders. Wie haben sich PR und Öffentlichkeitsarbeit verändert? Was ist wichtiger und was weniger relevant geworden? Vier PR-Profis geben Antworten. Diesmal: Nils Haupt, Kommunikationschef von Hapag-Lloyd. »weiterlesen