Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmtheit im Job steigern die Zufriedenheit. (c) Getty Images/Choreograph
Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmtheit im Job steigern die Zufriedenheit. (c) Getty Images/Choreograph
Studie

So zufrieden sind PR-Profis

Welche Faktoren beeinflussen die Zufriedenheit im Beruf? Und sind PRler heute zufriedener als früher? Antworten liefert Teil 3 unserer Serie zur Studie „Kommunikationsmanagement 2018“.
Günter Bentele

Arbeits- und Berufszufriedenheit sind jedem geläufig, gleichzeitig sind sie jedoch nicht einfach zu definierende Begriffe. Erstens ist Berufszufriedenheit (auch) ein subjektives Gefühl. Zweitens sind es viele Variablen, die dieses Gefühl mitbestimmen. Zu ihnen gehören etwa die Umgebung des Arbeitsplatzes, die hierarchische Position des Befragten, die objektiven und auch subjektiv wahrgenommenen Freiheits- und Entscheidungsfreiheiten der jeweiligen Positionen. Aber auch mehr oder weniger Stress im Beruf bis hin zu Faktoren wie der „Pendelsituation“ der Beschäftigten können eine Rolle spielen. So stellt sich beruflich bedingtes Pendeln als ein „Zufriedenheitshemmnis“ dar.

Die bisherige Forschung zur Arbeits- und Berufszufriedenheit ist recht heterogen. Es gibt unterschiedliche Messverfahren und Skalen, mithin kaum vergleichende Studien über verschiedene Berufe hinweg. Solche Studien wären jedoch eigentlich notwendig, um die Ergebnisse zu einzelnen Berufsfeldern in ihrem Wert wirklich einschätzen und um also beurteilen zu können, ob sich Angehörige des Berufsfelds X oder Y tatsächlich deutlich zufriedener (oder weniger zufrieden) fühlen als solche des Berufsfelds Z.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass in Deutschland die meisten Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Auf einer Skala, die von 0 (= sehr unzufrieden) bis 10 (= sehr zufrieden) reicht, gibt der weit überwiegende Teil der Erwerbstätigen laut aktuellen Umfragen an, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Die Antworten von knapp 60 Prozent der Befragten konzentrieren sich auf die Werte von 7 bis 9. Nur jeder Achte der Befragten gibt einen der Skalenwerte 0 bis 4 an, ist also mit seinem Job unzufrieden. Der von der Deutschen Post seit 2015 herausgegebene „Glücksatlas“ bestätigt, dass Arbeits- und Lebenszufriedenheit eng miteinander zusammenhängen.

Mehr Selbstbestimmung macht zufriedener

Wie sieht das nun unter Kommunikationsmanagern aus? Angehörige dieses Berufsfelds weisen – das lässt sich auch im Vergleich mit anderen Berufsfeldern sagen − sehr hohe Zufriedenheitswerte auf.

Zwar haben wir in unserer Studie „Kommunikationsmanager 2018“ mit einer 5er- und nicht mit einer 10er-Skala gemessen, zudem waren die Antwortmöglichkeiten etwas anders. Doch das Ergebnis spricht für sich: Drei Viertel (76 Prozent) der befragten Kommunikatoren zeigen sich „sehr zufrieden“ (= Wert 5 auf einer 5er-Skala) oder „zufrieden“ (Wert 4) mit ihrer beruflichen Tätigkeit. 17 Prozent haben den Mittelwert (weder „zufrieden“ noch „unzufrieden“) gewählt. Tendenziell unzufrieden (Werte 1 und 2 der Skala) sind nur sieben Prozent der Befragten.


Die Studienreihe „Kommunikationsmanagement“ entsteht in Kooperation von Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP), Quadriga Hochschule Berlin und Universität Leipzig. Seit 2005 werden von Günter Bentele (Universität Leipzig) und René Seidenglanz (Quadriga Hochschule Berlin) regelmäßig die Strukturen des Felds in Deutschland, Karrierewege, Position, Gehälter und Einstellungen der PR-Praktiker sowie Rahmenbedingungen per Online-Befragung erhoben. Die Reihe ist eine der umfassendsten PR-Studien weltweit. 1.553 PR-Manager nahmen teil.


Dass sich Angehörige der höchsten Leitungsebene am zufriedensten zeigen, überrascht nicht wirklich. Im Allgemeinen wachsen schließlich die Identifikation und die Zufriedenheit mit dem Beruf in dem Maße, in dem man Entscheidungsfreiheit hat und in dem man seinen Beruf möglichst selbstbestimmt ausführen kann.

Auf der höchsten Leitungsebene des Kommunikationsmanagements sind es 81 Prozent, die angeben, dass sie „sehr zufrieden“ (33 Prozent) oder „zufrieden“ (48 Prozent) sind. Auf nachgelagerten Hierarchieebenen sind es nur 17 Prozent, die sich „sehr zufrieden“ zeigen, und 42 Prozent, die „zufrieden“ sind (Skalenpunkt 4). Zufriedenheit ist aber auch altersabhängig. Die unter 40-Jährigen zeigen sich geringfügig weniger zufrieden als die 40-Jährigen und Ältere.

Allgemein bekannt ist, dass die berufliche Zufriedenheit linear mit dem beruflichen Status steigt. Ist der Status „sehr niedrig“, geben Kommunikatoren ihre Berufszufriedenheit nur mit einem Mittelwert von 3,6 an. Ist der Status „sehr hoch“, steigt dieser Mittelwert auf 4,4. Auch das Geschlecht der Befragten spielt eine wichtige Rolle: Männer (Mittelwert 4,1) sind offenbar generell etwas zufriedener als Frauen (Mittelwert 3,9). Dieser Unterschied hängt aber auch mit anderen Faktoren wie Status oder Einkommen zusammen.

(c) Quadriga Media Berlin

Die Zufriedenheit von PR- und Kommunikationspraktikern hängt maßgeblich von innerorganisatorischen Faktoren ab. (c) Quadriga Media Berlin

Innerorganisatorische Faktoren sind entscheidend

Welche Faktoren sind es insgesamt, die einen Einfluss auf die Arbeits- und Berufszufriedenheit haben? Eine von uns vorgenommene Regressionsanalyse zeigt, dass vor allem sieben Faktoren die Zufriedenheit beeinflussen (siehe Abb. 1). Es handelt sich dabei allesamt um innerorganisatorische Faktoren.

Positiven Einfluss haben demnach

  1. das subjektive Gefühl, dass man Einfluss mit seinen Ratschlägen hat,

  2. die eher objektiven Faktoren der Position in der Hierarchie oder

  3. des beratenden Einflusses auf die Organisationsspitze.

Negativen Einfluss auf die Zufriedenheit haben

  1. das Gefühl, nur Verlautbarungsstelle der Organisation zu sein,

  2. die Wahrnehmung, dass man unzureichende Einflussmöglichkeiten in der Organisation hat, oder

  3. dass man mangelnde Abstimmungsprozesse in der Organisation wahrnimmt, sowie

  4. der Eindruck, es herrsche fehlendes Verständnis für integrierte Kommunikation vor.

Kommunikatoren sind zufriedener als Personaler

Die Arbeitszufriedenheit im Berufsfeld Personalmanagement scheint im Vergleich zum Berufsfeld Kommunikationsmanagement etwas weniger ausgeprägt. Während sich in der Studie „Kommunikationsmanagement 2018“ insgesamt 76 Prozent der Befragten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ zeigen, sind es im Personalmanagement laut der Studie „Personalmanagement als Beruf 2017“ des Bundesverbands der Personalmanager lediglich 70 Prozent. Ein möglicher Faktor, der dies erklären könnte, ist die hohe Wahrnehmung von beruflichem Stress.

Beide Studien kommen zu einem für die Berufsfelder überraschenden Ergebnis: Die berufliche Zufriedenheit hat im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen. Im Berufsfeld Kommunikationsmanagement (siehe Abb. 2) sind der Prozentsatz der sehr Zufriedenen und der Zufriedenen − 81 Prozent im Jahr 2015 gegenüber 76 Prozent im Jahr 2018 − und ein Rückgang des Durchschnittswertes von 4,1 auf 4,0 auffällig.

Die Ursachen können vielfältig sein. Infrage kommen etwa eine Zunahme an beruflichem Stress, Veränderungen am Arbeitsplatz – zum Beispiel bedingt durch die Digitalisierung – oder das zunehmende Bewusstsein dafür, dass die eigene Work-Life-Balance nicht stimmt.

(c) Quadriga Media Berlin

Berufliche Zufriedenheit unter PR- und Kommunikationsmanagern im Zeitvergleich (c) Quadriga Media Berlin

Dies alles sind auch Faktoren, die Einfluss auf die subjektiv empfundene Arbeitszufriedenheit haben. Dieser Frage kann und muss nachgegangen werden. Für jeden Arbeitgeber wird es wichtig sein, diese Faktoren zu beachten, sie zu analysieren und gegebenenfalls für Verbesserungen zu sorgen.


Dies ist Teil drei der Reihe „Wo steht die Branche?“. Teil vier wird sich mit der Feminisierung des Berufsstands befassen. Hier können Sie Teil eins und zwei der Serie nachlesen.

 

 
 


randbemerkung

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