Zurückziehen gilt nicht: Auch Aufsichtsräte sollten laut einer Studie im Krisenfall öffentlich kommunizieren. (c) Getty Images/Martin Barraud
Zurückziehen gilt nicht: Auch Aufsichtsräte sollten laut einer Studie im Krisenfall öffentlich kommunizieren. (c) Getty Images/Martin Barraud
Krisenkommunikation

Auch der Aufsichtsrat sollte sich äußern

Eine Studie zeigt: Die Erwartungen an die Kommunikation von Aufsichtsräten sind gestiegen. Dazu gehört, im Krisenfall Stellung zu nehmen – selbst dann, wenn es rechtlich schwierig ist.
Katrina Geske

Im Krisenfall soll nicht nur die Unternehmensführung kommunizieren, sondern auch der Aufsichtsrat. Dabei sei es unerheblich, ob diesem Außenkommunikation durch das Aktienrecht untersagt sei. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsam vorgelegte Studie der Kanzlei Noerr, der Kommunikationsberatung Hering Schuppener Consulting und des Wirtschaftsprofessors Axel von Werder von der Technischen Universität Berlin.

- Anzeige -

Anzeige: Quadriga Media Berlin

 

Die Autoren führten persönliche Gespräche mit Aufsichtsratsvorsitzenden und werteten Interviews mit Aufsichtsratschefs aus, die in den vergangenen Jahren in deutschen Wirtschaftsmedien erschienen sind.

Daraus ging hervor: Die Erwartungen von Stakeholdern, Mitarbeitern, Öffentlichkeit und Medien an die Kommunikation von Aufsichtsräten sind gestiegen. Auch an die persönliche Kommunikationsfähigkeit der einzelnen Mitglieder würden höhere Anforderungen gestellt.

Doch die Studie zeigt auch: Die Mehrheit der Aufsichtsräte scheint grundsätzlich zur Kommunikation bereit, und das auch im Krisenfall.

Beträchtliche rechtliche Grauzone

Neben der persönlichen Bereitschaft bestimmt die Ausprägung der jeweiligen Krise die Kommunikation des Aufsichtsrats. Entscheidend ist laut Studie, ob sich Vorstand und Aufsichtsrat einig sind. Ist dies nicht der Fall, halten die meisten Befragten Zurückhaltung für sinnvoll.  

Wichtig ist den Befragten eine richtige Vorbereitung. Entscheidend sei etwa die unternehmensinterne Krisenkommunikation. Zudem sollten möglichst klare Regelungen innerhalb des Gremiums etabliert werden, beispielsweise durch eine Kommunikationsordnung, empfehlen die Autoren.

Die rechtliche Grundlage ist dabei keineswegs geklärt: Bei der Kommunikation von Aufsichtsratsmitgliedern gibt es eine beträchtliche rechtliche Grauzone. Ein Aufsichtsratsvorsitzender sollte daher den Autoren zufolge immer sorgfältig prüfen, ob ein Thema in seine Sachkompetenz fällt, bevor er sich dazu äußert.

Über die Studie

Die interdisziplinäre Studie „Rolle des Aufsichtsrats in der Krisenkommunikation“ wurde gemeinsam von der Wirtschaftskanzlei Noerr, der Kommunikationsberatung Hering Schuppener Consulting und Axel von Werder, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Berlin, vorgelegt. Die Ergebnisse basieren auf persönlichen Gesprächen mit ausgewählten Aufsichtsratsvorsitzenden von insgesamt 15 Dax-, Mdax- und Sdax-Unternehmen. Ergänzend wurden Interviews mit Aufsichtsratsvorsitzenden börsennotierter Unternehmen, die in den Jahren 2016 und 2017 in deutschen Wirtschaftsmedien erschienen sind, ausgewertet. Eine Zusammenfassung der Studie kann hier (als PDF) heruntergeladen werden.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 1 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (1)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil eins: Otto versus Amazon. »weiterlesen
 
Unternehmen sind nicht länger auf externe Medien angewiesen. Aber auf sie verzichten wollen sie auch nicht. (c) Getty Images/Svetlana-Cherruty
Foto: Getty Images/Svetlana-Cherruty
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Hauptsache Pressearbeit?

Earned Media vs. Owned Media: Statt auf das Wohlwollen und Interesse externer Medien zu hoffen, bespielen Unternehmen eigene Kanäle mit Content. Die Vorteile liegen auf der Hand. Und doch wollen viele Unternehmen nicht auf die klassische Pressearbeit verzichten. »weiterlesen
 
Der Nutzen von Kommunikation bei Großprojekten ist oft höher als ihre Kosten. (c) Getty Images/WangAnQi
Foto: Getty Images/WangAnQi
Lesezeit 1 Min.
Studie

Kommunikation steigert Akzeptanz von Großprojekten

Ist Kommunikation bei großen Bau- und Infrastrukturprojekten sinnvoll? Ja, wie eine Studie nun festgestellt hat. »weiterlesen
 
Künftig muss auch das dritte Geschlecht in Stellenausschreibungen berücksichtigt werden. (c) Getty Images/BCFC
Foto: Getty Images/BCFC
Lesezeit 2 Min.
Ratgeber

Gesucht: das dritte Geschlecht

Personen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, müssen zukünftig in Stellenanzeigen angesprochen werden. Ignorieren Unternehmen dieses Gebot, könnten Klagen durch Scheinbewerber drohen. »weiterlesen
 
Neun von zehn PR-Managern sind der Ansicht, dass PR eine Führungsfunktion im Unternehmen besitzen sollte. (c) Getty Images/LuckyTD
Foto: Getty Images/LuckyTD
Lesezeit 4 Min.
Studie

Die PR wird selbstbewusster

Sämtliche Kommunikationsprozesse steuern im Sinne einer echten Corporate Communication – das ist Wunsch und Anspruch der Branche. Doch die Wirklichkeit zeigt: In Konkurrenz mit anderen Unternehmensfunktionen hinkt PR nach wie vor oft hinterher.  »weiterlesen
 
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat als erstes Ministerium einen Newsroom eingeführt.
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Grüße aus dem „Neuigkeitenzimmer“

Nach dem Vorbild von Unternehmen richten inzwischen auch erste Ministerien und Landesbehörden Newsrooms ein. Damit einher geht ein neues Verständnis von Kommunikation. »weiterlesen