Wer mit dem klaren Ziel "Kommunikator" startet, hat es mitunter schwerer als ein Quereinsteiger. (c) Thinkstock/~UserGI15633931
Wer mit dem klaren Ziel "Kommunikator" startet, hat es mitunter schwerer als ein Quereinsteiger. (c) Thinkstock/~UserGI15633931
PR-Volontariat

Strategie statt Schreibwerkstatt!

Die Ausbildung von PR-Nachwuchskräften sollte nicht in Schreibwerkstätten und medientheoretischen Seminaren stattfinden, sagt Patricia Schiel. Die frühere Thyssenkrupp-Volontärin fordert ein Umdenken in Hochschulen und Unternehmen.
Patricia Schiel

Während meines Volontariats bei Thyssenkrupp habe ich viel erlebt: den Launch des ersten Corporate Blogs, die Organisation diverser Führungskräftekonferenzen, den Aufbau der Kommunikationsfunktion in verschiedenen Regional Headquarters, die Einführung des ersten Social Intranets, den globalen Markenrelaunch des Konzerns und natürlich das „Around the World“-Projekt, für das ich mit Filmstudenten eine Weltreise unternommen habe.

Ich habe schnell verstanden: Kommunikation ist mehr als Produktion. Als Kommunikator benötigt man einen Rundumblick; ein Verständnis für Wort und Bild, aber auch für Projektmanagement, für Beratung, für Strategien und Märkte. Das Problem: Wenn ich mir die Hochschulwelt anschaue, dann gibt es da die Fachhochschüler, die ihr Glück in „Schreibwerkstätten“ suchen, und die Kommunikationswissenschaftler, die Seminare und Vorlesungen zu „Empirische Methoden“ und „Medienethik“ belegen. Natürlich gibt es viele Quereinsteiger in der Kommunikation, die absolute Asse sind auf dem strategischen Gebiet, aber wer seine Karriere mit dem klaren Ziel „Kommunikator“ startet, sucht den Einstieg an den Hochschulen – zumindest heute noch – eher selten über Unternehmensstrategien oder Market Development.

Ich hatte nach dem Bachelorstudium „Journalismus und PR“ das Gefühl, mir würde genau dieses betriebswirtschaftliche Verständnis fehlen, um in die Kommunikation eines Konzerns einzusteigen. Deswegen habe ich mich im Anschluss für einen Strategie- und Management-Master entschieden, und das war gar nicht so leicht: Aufgrund des konsekutiven Systems in Deutschland ging das nur im Ausland. Als wären betriebswirtschaftliche Zusammenhänge nicht auch in anderen Berufsfeldern hilfreich, verwehrt das deutsche System hier den Zugang zu entsprechenden Masterstudiengängen.

Mir ist bewusst, dass so ein Auslandsstudium nicht allen Absolventen möglich ist. Ich würde mir daher wünschen, dass Unternehmen und Agenturen einspringen und mit ihren Volontariaten auf den Bedarf eingehen. Das Volontariat sollte im Idealfall ein individualisiertes Programm sein, in dem der Berufseinsteiger an die Hand genommen und eben auch mal in andere Unternehmensbereiche geführt wird. Mein Programm war auf 24 Monate ausgelegt und hat genau dies getan. Unterhalte ich mich aber mit ehemaligen Kommilitonen, sehe ich, dass Volontäre oft seit Generationen zu Schreibtrainings geschickt werden, obwohl es doch offensichtlich ganz andere Fähigkeiten sind, die ihnen für die ganzheitliche Kommunikation fehlen.

 

 
 

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Kommentare

Ich studiere Crossmedia-Redaktion/PR an der Hochschule der Medien in Stuttgart und sehe meinen Studiengang in diesem Artikel nicht gut repräsentiert. Neben Schreibwerkstätten, in denen wir journalistische und PR-spezifische Darstellungsformen lernen und trainieren, haben wir auch wirtschaftliche Inhalte wie Planung und Budgetierung, Medienwirtschaft oder Leadership auf dem Modulplan. Im Fach PR-Konzeption lernen wir auch Methoden für Analysen und Projektmanagement kennen. Zusätzlich können wir aus einem fächerübergreifenden Angebot wählen - auch BWL. Ein Auslandssemester gibt es übrigens auch (bei uns ist es das sechste Semester). Was den konsekutiven BWL-Master angeht, so gibt es deutschlandweit MBA-Studiegänge, bei denen kein wirtschaftswissenschaftliches Bachelorstudium vorausgesetzt wird. Allein im Umkreis von 30 km um Stuttgart fallen mir ohne Recherche spontan fünf Hochschulen ein, an denen das möglich ist (u.a. HfTU Nürtingen, Hochschule Reutlingen, HdM). Mit ein bisschen Recherche muss niemand behaupten, einen solchen Master gebe es nur im Ausland. Mir ist schon klar, dass hier vesucht wird, das Volo bei TK anzupreisen, aber das wird doch hoffentlich auch möglich sein ohne die Tatsachen zu verdrehen. Das lernen wir neben ordentlicher Recherche übrigens auch an der HdM.

Mich stört an dem Text, dass er sich überhaupt nicht mit meiner Wahrnehmung deckt. In meinem Studiengang Crossmedia-Redaktion/PR an der Hochschule der Medien in Stuttgart lernen wir (neben Schreibwerkstätten und Ethik) auch PR-Konzeption. Teil des Moduls ist Planung und Budgetierung. Zudem können wir im Wahlbereich BWL-Themen vertiefen. Das Modul Leadership gehört fest zum Lehrplan. Die Aussage über den konsekutiven Master und dass so etwas nur im Ausland möglich sei, ist schlicht falsch. Allein im Umkreis von 30 km um meine Wohnung in Esslingen gibt es drei Hochschulen, die einen berufsbegleitenden MBA für Absolventen ohne BWL-Bachelor anbieten (HfWU, Hochschule Reutlingen und HdM). Ich glaube gerne, dass ein Volo bei TK gut ist, aber wenn ich VGC oder PR-basierte Texte lese, in denen falsche Tatsachen behauptet werden, um etwas anzupreisen, dann wird mir klar, dass die Schreibwerkstatt samt Recherchemethoden dich nicht so verkehrt ist.

Hmmm - da muss ich die Schreibwerkstätten dieser Welt in Schutz nehmen. Auch Blogs, Intranet, Konferenzen, ja selbst ein Markenrelaunch und Filmprojekte brauchen starke Texte. Eigentlich müsste es heißen: Strategie UND Schreibwerkstatt.


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