Mehr als eine Dekade lang hatte Tommy Hilfiger mit den Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen (c) flickr/kunstakademiets Designskole
Mehr als eine Dekade lang hatte Tommy Hilfiger mit den Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen (c) flickr/kunstakademiets Designskole

Stille Post

Wie der Ruf ganz ohne eigenes Verschulden großen Schaden nehmen kann, zeigt das Beispiel von Modedesigner Tommy Hilfiger.
Anne Hünninghaus

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Tommy Hilfiger (c) flickr/kunstakademiets Designskole

Tommy Hilfiger (c) flickr/kunstakademiets Designskole

1996 taucht in einer philippinischen Boulevardzeitung ein vermeintliches Zitat von Modedesigner Tommy Hilfiger auf: „Hätte ich gewusst, dass meine Mode von Afroamerikanern, Südamerikanern, Juden und Asiaten gekauft wird, hätte ich sie nicht so schön entworfen. Ich wünschte, diese Leute würden nicht meine Kleidung kaufen, ist sie doch für die bessere weiße Gesellschaft gemacht.“ Ein Skandal! Doch: Hilfiger hat etwas Derartiges nie gesagt.

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Oprah Winfrey (c) flickr/Atory Accents
Oprah Winfrey (c) flickr/Atory Accents

Über das Internet findet das Gerücht seinen Weg in die USA. Mit einer noch pikanteren Modifikation: Plötzlich heißt es, der Satz sei in der Sendung von Talkmasterin Oprah Winfrey gefallen, die Hilfiger daraufhin aus der Show geworfen habe. Das Gerücht verbreitet sich rasend schnell – und das, obwohl Hilfiger zu diesem Zeitpunkt noch nie bei Winfrey zu Gast war.

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Im Januar 1999 versichert Talkmasterin Winfrey zum wiederholten Mal: „Lest es mir von den Lippen ab, Tommy Hilfiger war niemals in dieser Show!“

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Tommy Hilfiger dementiert das Gerücht auf seiner Webseite. Das Dementi bleibt ungehört, Hilfigers Aktie sackt in kurzer Zeit von 40 auf sechs Dollar ab. Im Internet kursieren Anfeindungen und Boykott-Aufrufe.

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2004: Die „Welt am Sonntag“ greift das falsche Zitat wieder auf. Fünf Jahre nach der Richtigstellung wird dasselbe Gerücht um den angeblichen Talkshow-Besuch erneut gestreut. Wieder macht es eine Runde durch verschiedenste Foren, auch im deutschsprachigen Raum. Hilfigers Pressesprecherin Caren Bell stellt sich auch weiterhin den entsprechenden Nachfragen.

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Hilfiger bei Oprah Winfrey (c) youtube/screenshot

Hilfiger bei Oprah Winfrey (c) youtube/screenshot

2007: Nachdem das Gerücht seit mehr als einer Dekade im Umlauf ist, lädt Winfrey Hilfiger zum ersten Mal in ihre Show ein. Gemeinsam stellen sie erneut klar, dass es nie zu dem Vorfall gekommen ist. „Das Gerücht hat meine Integrität verletzt, und letzten Endes ist diese doch alles, was zählt“, sagt Hilfiger in der Sendung.

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2011: Auf der Plattform „icorrect.com“ sieht sich Tommy Hilfiger erneut gezwungen, das sich noch immer hartnäckig haltende Gerücht zu entkräften: „Diese Gerüchte sind unwahr. Ich war nur ein einziges Mal bei Oprah, um darüber aufzuklären. Oprah sagte selbst, es sei eine 'fette Lüge’!!! Ich stamme aus bescheidenen Verhältnissen und habe hart gearbeitet, um eine demokratische Marke zu schaffen für Menschen aller Glaubensrichtungen und Hintergründe. Tommy Hilfiger“

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 Screenshot: google.de

Heute: Noch immer wird das Zitat vereinzelt in Foren genannt, wenn es um den Designer geht. In der Google-Suche wird nach wie vor der Vorschlag „Rassist“ ergänzt, tippt man „Tommy Hilfiger“ in das Suchfeld.

 
 

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