Corona-Experte Christian Drosten empört sich über eine Stern-Meldung. / Corona: (c) Getty Images/ChakisAtelier
Corona-Experte Christian Drosten empört sich über eine Stern-Meldung. / Corona: (c) Getty Images/ChakisAtelier
Kritik an Zuspitzung

Stern-News: Corona-Experte Drosten ist „schockiert“

Christian Drosten, Chef-Virologe der Charité, gab dem Stern ein Interview. Das Ergebnis schockt ihn.
Aus der Redaktion

Christian Drosten, Leiter der Virologie der Charité in Berlin, zeigt sich empört über die Berichterstattung des Stern. Dieser hat den Experten zu den Auswirkungen der aktuellen Coronakrise auf das gesellschaftliche Leben in Deutschland interviewt. 

Das Magazin titelte: Virologe Christian Drosten: "Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit wieder Fußballstadien voll machen“. Ergänzend veröffentlichte der Stern auf Basis der im Interview gemachten Aussagen Drostens eine Meldung, die die Meinung des Experten zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Profifussball wiedergibt. Hier lautet die Überschrift: Christian Drosten im stern: Keine vollen Fußballstadien in den nächsten zwölf Monaten.

„Ich bin schockiert“

„Diese Zuspitzung und Selbstverkürzung durch den Stern ist mir peinlich und entspricht nicht dem Zusammenhang des Interviews. Ich bin schockiert“, schreibt Drosten auf Twitter. Der Stern zeigt sich in seiner Reaktion auf den Drosten-Tweet überrascht von der Kritik. „Können Sie etwas genauer sagen, was Sie mit ,Zuspitzung und Selbstverkürzung’ meinen? Wir haben aus einer autorisierten Aussage von Ihnen eine Nachricht gemacht.“ Auch einige Twitter-User:innen können die Aufregung nicht nachvollziehen. Eine Antwort bleibt der Virologe dem Magazin schuldig.

Sein Tweet löste einen Shitstorm gegen den Stern aus. Das Magazin werde „seiner Verantwortung nicht gerecht“. Einzelne User:innen nutzten die Gelegenheit auch zur Pauschalkritik an Journalist:innen, die nicht besser als Anwält:innen seien. Besonders brisant: Das Interview befindet sich hinter einer Paywall. Einige User:innen twitterten jedoch einen Screenshot der Aussage Drostens, die der Stern zuspitzte. 

 

 
 

Kommentare

Hört Euch den heutigen NDR-Podcast mit Drosten an, wo er sich dazu äußert

„Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten“, meinte Drosten, der Leiter der Virologie der Charite in Berlin kürzlich auf https://foxilla.ch/?qa=9540 Lediglich bei Maßnahmen wie Schulschließungen werde vermutlich in näherer Zukunft zu prüfen sein, ob diese wirklich den gewünschten Effekt erzielt hätten. Da hat er ja offensichtlich unrecht. Wie schon so oft! Wieso lässt man nicht vermehrt richtige Corona-Experten wie z.B.Prof. Dr. med. Hendrik Streeck oder Prof. Dr. med. Bertram Häussler zu Wort kommen?


randbemerkung

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