Foto: Getty Images/sorbetto
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sprecherspitze

Kalter Entzug?

Neben allerlei anderen Retro-Trends gibt es auch eine Bewegung zurück zum guten, alten Handy ohne jede Internetfunktion: Keine Datenkraken, die Infos abgreifen und keine Zeitverschwendung mehr bei der Suche nach irgendwas auf Pinterest. Unsere sprecherspitze zum "kalten Entzug". 
Jeanne Wellnitz

„Hat jemand ein Ladekabel für ein altes Nokia-Handy?“ Unsere Kollegin schaut sachlich in unsere verdutzten Gesichter. „Ich verschenke mein Smartphone. Ich steige wieder um.“ Sie nutzt ab sofort wieder ein Prepaid-Handy, hat sich ein Navi und eine Spiegelreflexkamera gekauft, um im Urlaub Fotos schießen zu können und den Weg ins Hotel zu finden. Ihr Hauptanliegen: das eigene Googlemail-Konto löschen. Wir reagieren verwundert und erstaunt darüber, wie sie als Journalistin so in der sekundengetakteten Internet-Welt bestehen will. Woher kommt dieser Wagemut?

Vielleicht hat sie Schlecky Silberstein gelesen. Der renommierte Blogger proklamiert mittlerweile in seinem neuen Buch: Das Internet muss weg. Zumindest die aktuelle datenkapitalistische Version davon. Er wundert sich, weshalb allerorten von Datenskandalen gesprochen wird. Mittlerweile öffentlich gemachte Datenräuberei sei längst etabliertes Vorgehen im  Online-Marketing.

Vielleicht brauchen wir die Aufregung einfach, um die latente Ohnmacht auszuhalten, der wir unterliegen: Wir wissen, dass wir getrackt, benutzt und manipuliert werden – dennoch können wir nicht anders und nutzen Facebook, Whatsapp, Amazon und Co. Während einige wenige aussteigen, tüfteln Unternehmen im Silicon Valley längst am nächsten neuen Ding, um Nutzer zu fangen: Das Look and Feel von Online-Services soll nach den Methoden der Spielautomatenprogrammierung gestaltet werden. Stichwort: Addictive Design.

Da ist noch ein weiteres Gefühl, als unsere Kollegin ihr altes Handy auf den Tisch legt. Wehmut, ja leise Bewunderung. Das ist wahrlich Entgiftung. Doch nachahmen werden es sicherlich die wenigsten. Wir spüren das Dilemma – und scheuen uns am Ende doch vor diesem allzu harschen Eingriff in die eigene Bequemlichkeit.  

 

 
 

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