Nur Mut: Das Top-Management sollte sich nicht scheuen, im Social Intranet aktiv zu sein. (c) Getty Images/marchmeena29
Nur Mut: Das Top-Management sollte sich nicht scheuen, im Social Intranet aktiv zu sein. (c) Getty Images/marchmeena29
Chefs im Intranet

Die Devise lautet Mitmachen

Schon mit kleinen Gesten können Führungskräfte im Intranet einen guten Eindruck machen. Warum es sich für sie lohnt, im Unternehmensnetzwerk mitzumischen.
Oliver Chaudhuri

Es ist eine Binsenweisheit: Menschen interessieren sich für Menschen, nicht für Funktionsträger. Will heißen: Mitarbeitende möchten von ihrem Führungspersonal auch wissen, was es denkt und fühlt, wie seine ganz persönliche Meinung zu Entwicklungen und Themen der Organisation aussieht. Ein Social Intranet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zur Vernetzung und für Interaktion und Dialog bietet dafür die Gelegenheit.

- Anzeige -

Anzeige: Quadriga Media Berlin

 

Es klingt ja auch zu verlockend: Distanz abbauen und anschließend eine Brücke zu aktuellen Issues aus dem Unternehmensalltag schlagen. Schnell mal ein Selfie während der Wartezeit am Flughafen hochladen. Das aktuelle Buch auf dem Nachttisch verraten. Duzen statt siezen. Und los geht’s mit der neuen Welle der Nahbarkeit und Sympathie!

Oder auch nicht. Denn so platt und plump lassen sich Mitarbeiter nicht beeindrucken. Der Versuch, auf diese Weise lässig zu wirken, kann schnell mehr schaden als nutzen. Und auch vorgeschriebene Posts und „Ghostwriting“ der Kommunikationsabteilung erweisen sich als Bumerang, wenn es darum geht, die neue Top-Währung der virtuellen Netzwerke zu mehren: Authentizität.

Authentizität ist die neue „Währung“

Doch wie kann Authentizität durch Vorstände, Geschäftsführer oder andere Top-Manager erzeugt werden? Und warum soll das überhaupt nötig sein? Das Social Intranet ist doch die Plattform von den Mitarbeitern für die Mitarbeiter – was braucht es dafür die Häuptlinge? Ist die Gefahr, sich durch eine einzige unbedachte Äußerung oder Veröffentlichung zu blamieren, nicht viel zu hoch im Vergleich zum erwartbaren Nutzen?

Wegbleiben und das Thema „Dialog mit den Mitarbeitern“ delegieren zu wollen, ist keine Option mehr. Das bloße Verkünden, höchstens noch emotionalisiert durch eine Videobotschaft, reicht schlicht nicht mehr aus, um Menschen zu erreichen und zu bewegen. Dazu gehört heute stattdessen die Fähigkeit, zuhören und sich auf sein virtuelles Gegenüber einstellen zu können. Und nicht zuletzt ist das Intranet für alle da – auch Führungskräfte sind schließlich Mitarbeiter.

Wie aber können Kommunikationsmanager ihre oberste Führungsriege dabei unterstützen, im Social Intranet erfolgreich aufzutreten und als glaubwürdig wahrgenommen zu werden?

  • Vollständiges Nutzerprofil
    Trotz dichtem Terminkalender oder fehlender Affinität zum Schreiben und Posten: Was jede Top-Führungskraft beitragen kann, ist ein gepflegtes und ausgefülltes Mitarbeiterprofil – inklusive Profilfoto, Kontaktdaten, Angaben zu Expertise oder auch aktuellen Projekten. Dies ist der erste Schritt, um Nähe und Interesse an einer vitalen Plattform zu signalisieren.
  • Regelmäßig sichtbar sein
    Ob ein kurzer Ausblick auf die anstehenden Termine zu Wochenbeginn, ein längerer Post als Wochenrückblick oder sogar ein selbst gedrehtes Videostatement – jeder Top-Manager kann seinen eigenen Weg finden, um ein Social Intranet für sich und seine Themen und Botschaften sinnstiftend zu nutzen. Bei der Auswahl der Instrumente gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ und verordnen lässt sich die Nutzung natürlich nicht. Aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten, in den Austausch auf Augenhöhe zu treten. Nicht jeder muss alles machen, nicht jeder im gleichen Umfang oder in der gleichen Detailtiefe. Wichtig ist nur: Es sollte regelmäßig und gerne aus eigenem Antrieb heraus geschehen, dann wird es von den Nutzern auch goutiert.
  • Kleine Gesten, große Wirkung
    Der kurze Glückwunsch zum Dienstjubiläum oder an das erfolgreiche Messeteam, öffentliche Anerkennung zu „100 Tage unfallfrei“ oder ein knapper Verabschiedungsgruß an Kolleginnen oder Kollegen, die in Elternzeit gehen – alle diese vermeintlich kleinen Dinge stoßen häufig auf die größte und beste Resonanz beim Publikum.
  • Schmerzpunkte ansprechen
    Wer sagt eigentlich, dass eine Top-Führungskraft die Unternehmenswelt nur pastellfarben zeichnen darf? Oftmals beginnen produktive und intensive Dialoge, wenn Missstände und Fehler sachlich und konstruktiv angesprochen werden. „Wie gelingt es uns gemeinsam, die Fehlzeiten zu reduzieren?“, „Wie schaffen wir es, dass unsere neue Strategie verständlicher vermittelt wird?“, „Warum traut sich niemand bei unseren Townhalls, Fragen zu stellen?“ Wer derartige Themen adressiert, erhält oftmals erstaunlich offenherzige Antworten der Intranet-Community – hart in der Sache und nicht verletzend im Ton.

Kontrollverlust durch Nicht-Beteiligung

Der viel herbeigeredete Kontrollverlust für das Top-Management in einem Social Intranet entsteht nicht durch Mitmachen, sondern durch das Nicht-Mitmachen. Die Chancen überwiegen die Risiken, wenn die Kommunikationsaktivitäten zur Affinität und den Wünschen der Absender passen. Jede Spitzenführungskraft kann ihren eigenen Stil zur partizipativen Kommunikation finden. Nur Mut! Die Community honoriert diesen ernstgemeinten Willen und hält die, die sich hierüber lustig machen, gemeinsam im Zaum.


Lesen Sie mehr Berichte und Interviews vom Kommunikationskongress 2018 in unserem Dossier (hier klicken).

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Der DJV hat ein Problem mit seiner PR./ DJV-Logo: (c) DJV
DJV-Logo: DJV
Bericht

Journalistenverband DJV hat ein großes PR-Problem

Der DJV hat Nachholbedarf bei interner und externer Kommunikation. Das zeigt nicht nur der Fall Rezo. »weiterlesen
 
Unternehmen sollten wissen, wofür sie stehen. (c) Getty Images / 3D_generator
Foto: Getty Images / 3D_generator
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Ohne Sinn bleibt nur Unsinn

Der Begriff „Purpose" wird vielerorts bereits als Buzzword verschrien. Künftig wird das Thema jedoch eher noch an Bedeutung gewinnen. Unternehmen sollten sich also klar darüber werden, welche Werte sie vertreten. »weiterlesen
 
Andreas Möller fordert Unternehmen auf, sich politisch zu positionieren./ Andreas Möller: (c) Andreas Möller
Foto: Andreas Möller
Interview

Warum Unternehmen politisch sein müssen

Firmen sollten sich zu politischen Debatten positionieren, meint Andreas Möller, Redner beim Kommunikationskongress 2019. »weiterlesen
 
Continental nutzt Elvis für interne Videotutorials. / Continental-Zentral in Hannover: (c) Continental AG
Continental-Zentral in Hannover. Foto: Continental AG
Gastbeitrag

Elvis kommunziert intern für Continental

Tutorials in Videoform mit einer Zeichentrickfigur namens Elvis – damit hat Continental in der internen Kommunikation so gute Erfahrungen gemacht, dass die Ausweitung bereits geplant ist. »weiterlesen
 
Agenturchefin Andrea Montua spricht im Interview über die Zukunft der internen Kommunikation. (c) Montua Partner
Andrea Montua (c) Montua Partner
Lesezeit 6 Min.
Interview

"Sich gegen Veränderung sträuben, ist menschlich"

In ihrem Podcast „Auf einen Tee“ tauscht sich Agenturchefin Andrea Montua seit Kurzem regelmäßig mit Branchenexperten zu Themen rund um die interne Kommunikation aus. Warum sie vielen – aber nicht allen – Unternehmen zum Podcast rät, verriet sie uns im Interview. Außerdem: Wie es die interne Kommunikation künftig mit der künstlichen Intelligenz halten sollte und warum auch die klassische Mitarbeiterzeitung immer noch ihre Vorzüge hat. »weiterlesen
 
Dieses Jahr dreht sich beim Kommunikationskongress alles um die Zeit. / Zeit: (c) Screenshot pressesprecher
Kommunikationskongress 2019. Foto: Screenshot pressesprecher
Bericht

15 Jahre Kommunikationskongress: die Highlights

In 15 Jahren Kommunikationskongress ist einiges passiert. Lesen Sie hier die interessantesten Fakten. »weiterlesen