Wie man in Teams kommuniziert, die schnell wachsen und unterschiedliche Bedürfnisse haben. (c) Getty Images / Rawpixel
Wie man in Teams kommuniziert, die schnell wachsen und unterschiedliche Bedürfnisse haben. (c) Getty Images / Rawpixel
Agilität

So kommuniziert man in agilen Teams

Aufgrund von Globalisierung und Digitalisierung wechseln in Unternehmen Teams schneller als noch vor ein paar Jahren. Sie sind vielfältiger, kommunizieren anders. Wie kann es gelingen, sich auf unterschiedliche Gesprächspartner einzustellen und ihre Sichtweisen zu erkennen, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen?
Gunda Venus

Infolge der Digitalisierung findet Kommunikation heute häufig nicht mehr bilateral statt, sondern sie folgt den Prinzipien „one-to-many“ oder „many-to-many“, wie per Whatsapp oder Facebook.

Menschen vernetzen sich über Social-Media-Plattformen, setzen zunehmend selbst Inhalte ins Netz: Sie kommentieren, liken oder posten Videos, die dann wiederum geteilt werden. Dadurch verändern sich die Transparenz der Themen, die Beteiligung am Austausch und auch die Verantwortung. Das, was also interessiert, und das, was öffentlich diskutiert wird, wird zunehmend weniger durch die Presse oder von Unternehmen vorgegeben, sondern durch die Resonanz Einzelner auf Informationen.

Zugang zu Wissen verändert sich

„Wissen ist Macht“ – diese Zeiten sind in agilen Organisationen vorbei. Wissen ist heute häufig nur einen Klick weit entfernt. Doch Wissen allein reicht im aktuellen ökonomischen Wettbewerb nicht aus. Es geht darum, es praktisch und innovativ anzuwenden. Dieser Schritt gelingt in unserer komplexen Welt meist nicht allein, sondern gemeinsam, im Team – wenn Experten unterschiedlicher Fachgebiete ihr Wissen zusammentragen und damit ein gemeinsames Ergebnis erarbeiten.

Vor diesem Hintergrund sind alle daran Beteiligten verantwortlich für die Gestaltung dieser Kommunikation: Wie kommt man schnell zu einem fruchtbaren Austausch? Wie kommunizieren Teammitglieder untereinander, wenn sie in Zeiten der Digitalisierung und des Marktdrucks den Spagat zwischen Gegenwarts- und Zukunftsthemen meistern müssen? Und wie stellt man sich auf Gesprächspartner mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Sichtweisen ein?

Informationen interpretieren wir sehr subjektiv

In der Kommunikationspsychologie spricht man davon, dass Missverständnisse der Normalfall und wechselseitiges Verstehen ein Glücksfall sind. Das liegt daran, dass alle Menschen Informationen subjektiv interpretieren und damit ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Jede Generation, Kultur und Persönlichkeit bringt bestimmte Verhaltensweisen, Fähigkeiten und Bedürfnisse sowie Werte mit an den Arbeitsplatz und prägt diesen. Sichtbar wird dies unter anderem in der Sprache (auch Körpersprache), im äußeren Erscheinungsbild (Kleidung, Tattoos), in Umgangsformen (Siezen oder Duzen, Begrüßungsrituale) und in Werten wie Pünktlichkeit oder auch Gleichberechtigung.

Es ist hilfreich, sich der eigenen Sozialisation, der eigenen Werte und Rollenbilder bewusst zu sein und sensibel gegenüber den jeweiligen Unterschieden des Umfelds. Ist man sich der Unterschiede bewusst, kann man sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen der Kollegen einstellen. Wichtig ist es, sich über den Umgang mit Unterschieden auszutauschen.

Kommunikation – ein Wechselspiel

Doch was passiert eigentlich, wenn man kommuniziert? Lange wurde Kommunikation so beschrieben: Es gibt einen Sender und einen Empfänger einer Botschaft. Dann wechselt der Empfänger zum Sender und sendet eine Botschaft zurück.

Inzwischen ist erwiesen, dass persönliche Kommunikation anders abläuft. Der Sender ist immer zeitgleich auch Empfänger – da der Sender die Mimik und Gestik des Gegenübers wahrnimmt. Dies hat wiederum unmittelbar Einfluss auf das, was er sagt. Wenn mich mein Gegenüber mit starkem Stirnrunzeln anschaut, werde ich anders weitersprechen, als wenn er lächelt und nickt. Kommunikation bezieht den ganzen Körper mit ein, sowohl verbal als auch nonverbal, sowohl bewusst als auch unbewusst.

Kommunikation ist also ein Wechselspiel in mehrfacher Hinsicht. Ein Wechselspiel zwischen denjenigen, die miteinander kommunizieren, sowie ein Wechselspiel innerhalb einer Person, also zwischen den Bereichen Gehirn und Körper.

Unser Körper beeinflusst unseren Geist

Die Prozesse zwischen Körper und Geist laufen wechselseitig. Das heißt, sie gehen nicht nur vom Gehirn zum Körper, sondern auch andersherum. Der Körper kann also unser Denken und Fühlen beeinflussen. Wenn man auf eine bestimmte Weise atmet oder sich bewegt, dann beeinflusst das die Stimmung und das Denken. Beim Lächeln beispielsweise werden kleine Muskeln im Gesicht aktiviert, die dem Gehirn signalisieren, dass es einem gutgeht. Der Körper weiß aus Erfahrung, dass man normalerweise dann lächelt, wenn es einem gutgeht. Es geht einem automatisch besser. Das kann man bewusst steuern.

Sprechgewohnheiten ändern

So wie man seinen Körper bewusst einsetzen kann, ist es hilfreich, sich auch über Sprechgewohnheiten bewusst zu sein. Diese bewirken jedoch nicht immer das, was man ausdrücken will. Einige Beispiele:

  • Verneinungen: Das Gehirn verarbeitet Verneinungen anders, als man denkt. Hört man beispielsweise: „Das soll jetzt keine Kritik sein“, dann nimmt das Gehirn das Wort „Kritik“ unmittelbar auf. Das „Nicht“ kommt zu spät. Auch sollte man aus einem „Das ist nichts gegen Sie“ lieber ein „Ich schätze Sie sehr, und an dieser Stelle …“ machen.
  • „Aber“: Jeder kennt die Formel „Lobe erst, bevor du Kritik übst“. Trotzdem gibt es auch hier Formulierungen, mit denen man nicht das erreicht, was beabsichtigt ist, wie zum Beispiel „Das hast du gutgemacht, aber …“. Das „Aber“ wirkt wie eine Delete-Taste. Es löscht alles Positive vor dem „Aber“. Besser ist es, ein „Aber“ durch „und“ zu ersetzen. So stellen wir Aspekte nebeneinander und werten sie nicht ab.
  • „Muss“: Löst im Unterbewusstsein eine Art Widerstand aus und aktiviert das Schmerzzentrum. Sagen Sie stattdessen: „Ich möchte“, „Lasst uns“.
  • Falsche Freunde: Die gibt es auch in der Kommunikation. Gemeint sind Formulierungen, bei denen man etwas in bester Absicht sagt, aber etwas völlig anderes erzeugt. Diese Floskeln, ungebetenen Tipps und Ratschläge sollten Sie vermeiden:
    • Sprüche: „Kommt Zeit, kommt Rat“, „Die Zeit heilt alle Wunden“
    • Voreilige Schlüsse ziehen: „Der will dich doch nur über den Tisch ziehen“
    • Von oben herab nachfragen: „Passiert dir das öfters?“
    • Mit dem anderen vergleichen: „Das ist lange nicht so schlimm wie bei …“
    • Sofort von sich sprechen: „Das habe ich auch schon erlebt“
    • Bewerten: „Du bist einfach zu nett“

 

 
 


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