Dos and don'ts zum Duzen und Siezen in den Sozialen Kanälen (c) Thinkstock/Robert Churchill
Dos and don'ts zum Duzen und Siezen in den Sozialen Kanälen (c) Thinkstock/Robert Churchill
Wie man seine Zielgruppe am besten anspricht

Siezen Sie noch oder duzt du schon?

Siezen oder duzen? Eine sensible Frage in der Kommunikation. BMW ist 2011 auf Facebook vom „Du“ auf „Sie" umgestiegen. Die Polizei in Essen hat vor wenigen Tagen getwittert, dass sie jetzt aufgrund eines „Erlasses“ alle Follower und Fans siezen muss. Und Sie, wie halten Sie es mit dem Du?
Murtaza Akbar

Darf ich Sie mit du ansprechen? Immerhin ist das hier ein Artikel im Internet, zwar nicht auf einem Social-Media-Kanal, aber zumindest online – oder digital, wie manche gerne sagen. Sie oder du? Keine einfache Frage. Coca-Cola etwa ist sich da uneins. Auf seiner deutschen Webseite, im Blogstil gehalten, werden alle Leser gedutzt, auf der dortigen Karriere-Unterseite aber gesiezt. Kunden duzen, aber Bewerber siezen?

Du bist Führungskraft?

Vermeintlich konservative Unternehmen wie Allianz oder BASF duzen ihre Fans auf Facebook. Allianz auf seiner allgemeinen Facebook- und der -Karriereseite, BASF nur auf der Facebook-Karriereseite. BASF ist hier beim Einsatz des „du“ konsequent, sogar bei möglichen Führungskräften: „Du bist ein HR-Profi … Dann ist die Stelle des Fachgebiets­leiters vielleicht was für dich“. Auf der BASF-Webseite dagegen werden alle gesiezt, auch Azubi-Bewerber „… welche Möglichkeiten Sie mit Ihrem Schulabschluss bei uns haben?“.

Schulabgänger im Teenageralter siezen, Hochschulabsolventen und Führungskräfte duzen? Employer Branding live. Je nach Kanal mal so, mal so? Bei der gleichen Zielgruppe? Eines vorweg: Es gibt kein Richtig oder Falsch – aber für Unternehmen in der Kommunikation doch einige Punkte zu beachten, vor allem, wenn es authentisch und glaubwürdig sein soll.

Wenn sich Mitarbeiter in Unternehmen wie Ikea, Coca-Cola oder Adidas duzen, ist es nachvollziehbar, Bewerber und auch Kunden zu duzen. Bei konservativen Unternehmen wie Banken oder Versicherungen wird es schon schwieriger. Dort siezen sich Mitarbeiter oft unter­einander und Kunden werden ohnehin förmlich mit Sie ange­sprochen.

Vorsicht, Anbiederungsgefahr!

Warum duzen BASF oder Allianz dann auf einmal? Weil es auf Facebook üblich ist? Erreichen sie ihre Zielgruppen so auf lockere Art oder ist es vielleicht doch anbiedernd? Ein schmaler Grat, denn eine Unterscheidung von Zielgruppen auf einem Kanal ist nicht möglich. Geduzt oder gesiezt werden alle, die es lesen. Und müssten Bewerber, wenn sie auf Facebook mit "du" angesprochen werden nicht konsequenterweise auch in Anschreiben und Vorstellungs­gesprächen geduzt werden?

Sie sehen, es ist ein sensibles und komplexes Thema der Kommuni­kation und nicht abschließend zu beurteilen. Aber bitte umgehen Sie eine Anrede nicht mit einem unpersönlichen „man“ oder gar passiver Sprache. Das wäre ein fauler Kompromiss – und das willst Du doch nicht, Pardon, Sie sicher auch nicht.

Tipps

In der Kommunikation: Siezen oder Duzen?

Dos

  • Guidelines für die Ansprache auf jedem Kommunikationskanal festlegen
  • Basis für die Ansprache: Unternehmenskultur und der Umgang mit Bewerbern und Kunden, was ist stimmig für das Unternehmen?
  • Siezen sich Mitarbeiter, werden Kunden gesiezt, muss nachvollziehbar sein, warum auf bestimmten Kanälen geduzt wird
  • Die für einen Kanal gewählte Ansprache einhalten
  • Wording und Tonalität definieren, um den richtigen Ton zu treffen – gerade bei Antworten/Dialogen
  • Möglichen Krisenfall bedenken: Ist das Duzen durchhaltbar, wie sollte dann kommuniziert werden?
  • Immer wertschätzend bleiben – ob du oder Sie

Don’ts

  • Undurchsichtiger Mix der Ansprache auf Unternehmens-, Karriere- und Social-Media-Seiten
  • Anbiederndes oder kumpelhaftes Duzen beziehungsweise Jugendjargon
  • Wording und Tonalität passen zum Kanal, aber nicht zum Unternehmen
  • Wildes Wechseln der Anrede
  • Junge Zielgruppen grundsätzlich duzen
  • Sich von der Ansprache der Fans, Follower, Abonnenten leiten lassen, statt selbst zu entscheiden
  • Anreden vermeiden, passive Sprache verwenden

 

 
 

Kommentare

Ich finde das Sie überholt und im Prinzip gänzlich unnötig. Ich biete Bewerbern beim ersten persönlichen Kontakt das Sie an, der gegenseitige Respekt ist dabei noch nie flöten gegangen. Hier um Haus duzen wir uns alle, vom Vorstand über COO und CFO, mich den Human Resources Manager bis zur Putzfau. Respektlos geht es deshalb dennoch nicht zur Sache, nur ein bisschen lockerer. Wer mir den Spruch sagt "Es ist leichter du Arsch, als Sie Arsch zu sagen" muss ich herzhaft lachen, ich wurde weder per Sie noch per Du leichtfertig gearscht... Alles Blödsinn, weg damit, dann gibt es auch keine unnötigen Barrieren die sowieso nur blockieren.

Grundsätzlich sollte das "Sie" oder "Du" vereinheitlicht werden. Wenn schon, dann nur eine der beiden Möglichkeiten. Auf der Hermes-Seite werden die privaten Kunden geduzt, die Firmenkunden gesiezt. Auf Nachfrage konnte man mir keine klare Auskunft geben (natürlich nicht nachvollziehbar, wer in welcher Position geantwortet hat). IKEA duzt in allen Medien - im Geschäft wird man mit "Sie" angesprochen. Konsequenz ist etwas anderes.


randbemerkung

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