Sheepworld-Gründer Tobias Hiltl bezeichnet Carola Rackete als Menschenhändlerin./ Sheepworld: (c) Sheepworld AG
Sheepworld-Gründer Tobias Hiltl bezeichnet Carola Rackete als Menschenhändlerin./ Sheepworld: (c) Sheepworld AG
Human Blood beendet Kooperation

Sheepworld-Chef hetzt gegen Flüchtlinge

Sheepworld-Gründer Tobias Hiltl hetzt auf Facebook gegen Flüchtlinge. Die Firma „Human Blood“ zieht daraus Konsequenzen und beendet die Zusammenarbeit.
Toni Spangenberg

Das Modelabel Human Blood beendet die Kooperation mit Sheepworld mit sofortiger Wirkung. Benjamin Hartmann, Gründer von Human Blood, zieht damit Konsequenzen aus Äußerungen Tobias Hiltls, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Sheepworld. Auf Facebook hetzte er gegen Flüchtlinge. Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete habe er als „Schlepperin und Menschenhändlerin“ bezeichnet. Gegenüber jetzt sagte Hartmann: „Das passt gar nicht zu uns, das geht gar nicht.“ Human Blood beschreibt sich als Label, dass durch Kleidung ein klares Statement gegen Rassismus setzen wolle.

Hiltl habe daraufhin Druck auf ihn ausgeübt. Er, Hartmann, sei Schuld daran, wenn Jobs auf dem Spiel stünden. „Dazu kann ich nur sagen: Man sollte sich überlegen, wie man sich politisch äußert.“ Das bisher durch die Zusammenarbeit verdiente Geld wolle Human Blood an die Seenotrettung spenden.

„Unsere Werte sind uns wichtiger“

Human Blood kritisiert die Äußerungen Hiltls und bedauert gleichzeitig das Ende der Kooperation mit Sheepworld. Auf Ihrer Website schreibt das Modelabel: „Wir waren stolz, eine Firma die auf eine so lange und erfolgreiche Geschichte zurückblicken kann als Partner für unsere Marke gewonnen zu haben. Leider haben wir nicht gründlich recherchiert und nun durch aufmerksame Fans unserer Marke erfahren, dass der Gründer und Vorstand der Sheepworld AG Tobias Hiltl, auf seinem privaten Facebook-Profil gegen Flüchtlinge hetzt.“ Dies sei „absolut unvereinbar“ mit Marke und Philosophie von Human Blood. Durch den Bruch mit Sheepworld verzichte man auf „sehr viel“ Umsatz, „aber unsere Werte sind uns wichtiger“.

„Ich bin kein Rassist“

Hiltl selbst sieht sich als Opfer. In der Amberger Zeitung erklärt er: „Heute darf man seine Meinung nur mehr äußern, wenn sie dem Mainstream entspricht. Und der ist links-grün.“ Auf der Facebookseite von Sheepworld hat Hiltl mittlerweile offiziell Stellung bezogen und bittet um Entschuldigung, „sollte die Wahl meiner Worte oder die Art der Formulierungen die Gefühle Einzelner verletzt haben.“ Den Vorwurf des Rassismus und Rechtsextremismus weist er „ganz entschieden“ zurück.

Die Sheepworld AG versucht den Image-Schaden in Grenzen zu halten und distanziert sich vom Unternehmensgründer. Mehrfach betont die Firma in einer Stellungnahme, das Hiltl als Privatmann agiert habe. „Wir möchten klarstellen, dass es sich um die privaten Meinungsäußerungen von Tobias Hiltl handelt und dies nicht die Position der Sheepworld AG ist. Wir stehen für Fairness und Vielfalt. Dabei lassen wir uns keinem politischen Lager zuordnen und das ist auch gut so.“

Vor einiger Zeit hat sich auch Siemens-CEO Joe Kaeser politisch geäußert, aber anders als Hiltl Partei für Carola Rackete ergriffen. In einem Kommentar widmete sich pressesprecher der Frage, ob sich ein CEO politisch zurückhalten muss oder Stellung beziehen darf.

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Juul-CEO Kevin Burns tut es leid, das Jugendliche sein Produkt nutzen. / E-Zigarette: (c) Getty Images / Sergey Nazarov
Juul verfolgt dieselben Strategien wie die Tabakindustrie. Foto: Getty Images / Sergey Nazarov
Meldung

Juul-CEO über abhängige Teenager: „I’m sorry“

Juul-CEO Kevin Burns entschuldigt sich bei Eltern, deren Kinder die E-Zigaretten des Unternehmens nutzen. Diese seien nicht für Teenager gedacht. »weiterlesen
 
Wie glaubwürdig sind Journalisten, die PR-Events moderieren?/ Moderatoren: (c) Getty Images/ kasto80
Freie Journalisten sind auf jeden Auftrag angewiesen. Foto: Getty Images/ kasto80
Bericht

Sind Journalisten käuflich?

Wenn Journalisten sich von Unternehmen oder Verbänden als Moderatoren engagieren lassen, kann das Aufmerksamkeit entfachen. Doch gilt es, genau abzuwägen – auf beiden Seiten. »weiterlesen
 
Donald Trump veranstaltet einen Social-Media-Gipfel ohne soziale Medien./ Social-Media-Summit: (c) Twitter/@realDonaldTrump
Trump empfängt rechte Hetzer zum Social-Media-Gipfel. Foto: Twitter/@realDonaldTrump
Meldung

Trump lädt rechte Trolle zum Social-Media-Gipfel

Donald Trump empfängt rechte Trolle und Verschwörungstheoretiker zum Social-Media-Gipfel. Facebook, Twitter und Co. wurden nicht eingeladen.
 
Diesel verabschiedet sich von 14.000 Followern. / Diesel: (c) Diesel / pixabay.com
Diesel wirbt für Toleranz. Foto: (c) Diesel / pixabay.com
Meldung

Diesel feiert den Verlust von 14.000 Followern

Die Jeans-Marke Diesel feiert den Verlust von 14.000 Followern auf Instagram. Sie störten sich an der offenen Haltung von Diesel gegenüber LGBTQ+. »weiterlesen
 
Politiker blockieren kritische User gern auf Twitter./ Blocked: (c) Getty Images/ gustavofrazao / Twitter
Das Blockieren verstößt gegen Grundrechte. Foto: Getty Images/ gustavofrazao / Twitter
Bericht

Warum Politiker Follower nicht blockieren dürfen

Nur ein Klick. Der kritische Twitter-Follower ist blockiert und nervt nie wieder. Auch Politiker nutzen diese Social-Media-Funktion. Dürfen sie das? »weiterlesen
 
Jede Redaktion tickt anders. Beim Versand von Pressemitteilungen muss man das beachten./ Pressemitteilungen: (c) Getty Images/ fivepointsix
Claudius Kroker gibt Tipps für den Versand von Pressemitteilungen. Foto: Getty Images/ fivepointsix
Kolumne

Wie Pressemitteilungen in die Medien finden

Die optimale Pressemitteilung ist verfasst. Doch wie schaffen Sie es, Journalisten auf sie aufmerksam zu machen? Unser Kolumnist erklärt, worauf es beim Siegeszug Ihrer Pressemitteilung in die Redaktionen ankommt. »weiterlesen