Ein Fahradhelm, ohne sexistische Anspielung. (c) Getty Images / kwistaqueen
Ein Fahradhelm, ohne sexistische Anspielung. (c) Getty Images / kwistaqueen
Kampagne für Fahrradhelme

[Update] Sexismus vom Bundesverkehrsministerium?

Junge Frauen in Dessous aus Heidi Klums GNTM-Show sollen für Fahrradhelme werben. Die Kampagne des Verkehrsministeriums ruft scharfe Kritik hervor.
Aus der Redaktion

Eine neue Kampagne für Fahrradhelme des von Andreas Scheuer (CSU) geführten Bundesverkehrsministeriums sorgt für Aufregung. Unter dem Motto #HelmeRettenLeben werden unter anderem spärlich gekleidete Kandidatinnen der Pro-Sieben-Sendung „Germany’s Next Topmodel“ gezeigt, die nicht viel mehr als einen Radhelm tragen und denen der Spruch „Looks like shit, but saves my life“ zugeschrieben wird.

Auch Minister Andreas Scheuer selbst ließ sich mit Plakaten der Möchtegern-Models abbilden; ebenso werden Motive aus der Kampagne auf der Webseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gezeigt.

In den sozialen Medien wurde die Kampagne bereits kurz nach ihrem Start scharf kritisiert. So wichtig es sei, das Tragen von Fahrradhelmen insbesondere unter jungen Leuten zu promoten, so unangemessen sei es, dies mit sexistischen Motiven aus einer hochumstrittenen TV-Sendung zu tun.

Die Casting-Show von und mit Heidi Klum wird seit Jahren für das Bild von jungen Frauen kritisiert, welches sie verbreite. Die vom Bundesfamilienministerium geförderte Initiative „Pink Stinks – Not Heidis Girl“ kritisierte die Kampagne des Verkehrsministeriums scharf. Sie hatte 2018 einen der so genannten Smart Hero Awards für soziales Engagement in digitalen Medien erhalten – unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU).

 

Update: Stellungnahmen von Ministerium, Scheuer und Giffey

Das Bundesverkehrsministerium hat sich mittlerweile geäußert. Auch wenn man "die Einwände von verschiedenen Seiten nachvollziehen" könne, stehe man "hinter den entstandenen Motiven".

Minister Scheuer selbst bedankte sich auf seinem Twitter-Account für die "riesen Aufmerksamkeit" und bezeichnete die Aktion als "die erfolgreichste Verkehrssicherheitskampagne". Hierbei bezog sich der CSU-Politiker augenscheinlich auf die Reichweite der Sendung "Germany's Next Topmodel", in der das umstrittene Fotoshooting eine Rolle spielte, nicht jedoch auf etwaige Ergebnisse der Kampagne selbst, die erst gestern anlief.

Auf die von seiner Parteikollegin Bär staatlich prämierte generelle Kritik an der Klum-Sendung ging Scheuer nicht ein. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erläuterte ihrem Kabinettskollegen auf Facebook, das Nutzen eines Fahrradhelms funktioniere auch angezogen.

 

 
 

Kommentare

Hier glaube ich sollte die „der Weg ist das Ziel“Regel angewendet werden die Werbung ist ja nicht einseitig auf Frauen bezogen Hier wird wieder mal nur politische Strategie betrieben ich sage jeder Schwerverletzte weniger ist ein Erfolg wenn blanke Haut nützt

Die alberne Sexismuskeule, die hier ausgepackt wird, deutet eher auf eine Prüderie-Nostalgie hin. Motto: Zurück in die 1950er-Jahre. Was jedoch gar nicht geht: Dass ein deutsches Ministerium eine Kampagne in englisch betreibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein anderer Staat sich dafür einer Fremdsprache bedienen würde. Wenn das Ministerium meint, ein Helm sähe Scheiße aus (wieso eigentlich?), dann kann, soll und muss man das auch auf Deutsch sagen.


randbemerkung

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