Elisabeth Hahn (Mitte) mit mit Jürgen Gemke (rechts), Leiter der Currenta-Unternehmenskommunikation, und Daniel Wauben, Geschäftsführer ChemCologne (c) ChemCologne/CURRENTA
Elisabeth Hahn (Mitte) mit mit Jürgen Gemke (rechts), Leiter der Currenta-Unternehmenskommunikation, und Daniel Wauben, Geschäftsführer ChemCologne (c) ChemCologne/CURRENTA
Chef für einen Tag

Schülerin übernimmt Currenta-Unternehmenskommunikation

Schülerin Elisabeth Hahn übernahm für einen Tag die Leitung der Unternehmenskommunikation des Chempark-Betreibers Currenta. Wir sprachen mit der Interim-Kommunikationschefin  und ihrem "Vorgänger" Jürgen Gemke über das Hineinschnuppern in den PR-Beruf, bohrende Fragen von Journalisten und warum ein Pressesprecher nicht mit dem Oberkörper schwanken sollte.

Elisabeth Hahn ist 17. Nach den Sommerferien startet die Schülerin in die zwölfte Klasse. Am 3. August übernahm sie, im Rahmen der Aktion "Meine Position ist spitze!" der Brancheninitiative ChemCologne, für einen Tag die Leitung der Unternehmenskommunikation des Chempark-Betreibers Currenta. Kurz vor ihrem Feierabend sprachen wir mit der neuen Currenta-Kommunikationschefin und ihrem "Vorgänger" Jürgen Gemke über das Hineinschnuppern in den PR-Beruf, bohrende Fragen von Journalisten und warum ein Pressesprecher nicht mit dem Oberkörper schwanken sollte.

Frau Hahn, Ihr Arbeitstag als Kommunikationschefin für einen Tag bei Currenta neigt sich dem Ende entgegen. Erzählen Sie mal, wie war es?

Elisabeth Hahn: Es war ein sehr interessanter, aber auch fordernder und anstrengender Tag mit vielen neuen Eindrücken. Ich hatte keine wirkliche Vorstellung, was Unternehmenskommunikation eigentlich ist. Und bin wirklich überrascht, wie vielseitig der Beruf eigentlich ist. 

Wenn Sie gar keine genaue Vorstellung von dem Beruf des Kommunikators hatten: Was hatten Sie sich dann von diesem Tag erhofft?

Ich habe versucht, keine Erwartungen zu haben, weil man dann auch nicht enttäuscht werden kann. Für den Beruf des Kommunikators hatte ich mir schon vorgestellt, dass man viel mit Journalisten und Medien zu tun hat und das Unternehmen nach innen sowie außen repräsentiert. Aber erst in dem Nachbarschaftsbüro, das Currenta für den direkten Austausch in der Leverkusener Innenstadt betreibt, ist mir klar geworden, dass es auch um Kontakt mit den Anwohnern oder Schülern geht. Das hat mich begeistert.

Und welche Aufgaben oder Termine standen dann heute auf dem Plan?

Am Vormittag standen ein Medientraining und im Anschluss eine Redaktionsbesprechung der Nachbarschaftszeitung Chempunkt auf dem Programm. Nach dem Mittag ging es zu einem Besuch im Chempunkt-Nachbarschaftsbüro und schließlich musste ich noch eine Pressemeldung schreiben für die anschließende Pressekonferenz mit Lokalmedien. 

Das klingt nach einem straffen Zeitplan. Was war für Sie heute die größte Herausforderung?

Das war tatsächlich das Medientraining. Wir haben verschiedene Situationen von Ereigniskommunikation geübt, wobei ich von einem Kamera-Team gefilmt wurde und die Fragen der „Journalisten“ wurden auch von Wiederholung zu Wiederholung fieser. Ich wurde da ziemlich ins kalte Wasser geschmissen, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. 

Ereigniskommunikation bei einem Unternehmen, das drei Chemieparks betreibt, klingt nach Krisenkommunikation. Welche Szenarien mussten beim Medientraining kommuniziert werden?

Jürgen Gemke: Wir haben einen Verkehrsunfall mit einer Schülerpraktikantin simuliert. Dieses Szenario wurde dann in verschiedenen Eskalationsstufen durchgespielt, um zu zeigen, wie weite Kreise so ein Ereignis auch kommunikativ ziehen kann. Dass beispielsweise nicht einfach nur eine Pressemitteilung zu texten ist, sondern plötzlich auch ein Kamera-Team vor der Tür stehen kann und ein Statement oder Interview braucht. 

Dann war der restliche Tag wahrscheinlich ein Kinderspiel, oder?

Elisabeth Hahn: Der Redaktionsbesprechung im Anschluss hat mir sehr gut gefallen, weil ich viele meiner Ideen einbringen konnte und das Team auch sehr interessiert daran war, welche Themen mich als Leser interessieren würden. Die eine oder andere Anregung hat die Redaktion auch überrascht. Ich bin jetzt gespannt, was davon umgesetzt wird.

 

Sie kommen nun gerade von der eben angesprochenen Pressekonferenz mit Vertretern der Lokalpresse. Was ist ihr Eindruck, kann man mit Journalisten arbeiten?

Das war schon eine Situation, die mich ordentlich gefordert hat. Ich musste sehr viele Fragen beantworten. Und nach meinen Antworten wurde auch immer wieder nachgehakt.  Ich wusste dann oftmals nicht, was ich sagen sollte. An der einen oder anderen Stelle kam es mir fast ein wenig penetrant vor. Sie haben nicht locker gelassen.

Hat Ihnen das Medientraining vom Vormittag während der Pressekonferenz geholfen?

Auf jeden Fall. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man vor der Kamera nicht nervös wirkt. Immer dem Gegenüber in die Augen schauen, möglichst gerade stehen und bloß nicht mit dem Oberkörper hin- und herschwanken.

Herr Gemke, Sie waren den Tag über ja quasi "arbeitslos", aber was nehmen Sie aus dem Besuch von Frau Hahn in der Currenta-Unternehmenskommunikation mit?

Jürgen Gemke: Glauben Sie bloß nicht, ich hätte heute am Baggersee gelegen, das war bei der Wetterlage leider nicht möglich. Aber Spaß bei Seite. Es war eine tolle Erfahrung, eine jungen Menschen in unserem schönen Berufsfeld schnuppern zu lassen. Für meine Kollegen und mich war der Tag sehr spannend, da wir Fragen und Ideen aus einer Perspektive erhalten haben, die man doch nicht immer mitdenkt. Wir schauen mal, was wir wie umsetzen können.

Sie würden sich also auch noch einmal für einen Tag rausschmeißen lassen. 

Immer wieder und wenn Frau Hahn wiederkommen würde, dann kennt sie jetzt auch schon die Abläufe. Allerdings haben wir uns für diesen Tag stark auf die externe Kommunikation fokussiert. Den großen, wichtigen Part der internen  oder Mitarbeiter-Kommunikation haben wir ausgeklammert. Für diesen Bereich lohnt sich definitiv noch ein zweiter Tag.  

Und Sie Frau Hahn, können Sie sich nach diesem Tag vorstellen, den Beruf eines Pressesprechers zu ergreifen? 

Eigentlich wollte ich nach dem Abitur etwas Richtung Naturwissenschaften machen, aber mir hat die Vielfältigkeit gefallen. Und, dass dieser Beruf auch immer die Möglichkeit eines Quereinstiegs bietet. Ich war zuvor davon ausgegangen, dass die meisten Pressesprecher Journalismus studiert haben. Ich behalte die Möglichkeit definitiv im Hinterkopf und wer weiß, vielleicht arbeite ich dann eines Tages doch noch in der Unternehmenskommunikation.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Erstmals zählen mehr Frauen als Männer zu den einflussreichsten Kommunikator:innen der Welt. (c) Getty Images/belchonock
Foto: Getty Images/belchonock
Lesezeit 1 Min.
Studie

Top-100-PR-Profis: Erstmals 54 Prozent Frauen

Außerdem schaffen es acht deutschsprachige Kommunikationsprofis auf die Liste der 100 wichtigsten Kommunikator:innen der Welt. »weiterlesen
 
Wechselt nach rund 20 Jahren in Führungspositionen bei Hering Schuppener auf die Position der Chairwoman: Tina Mentner. (c) Hering Schuppener
Foto: Hering Schuppener
Lesezeit 3 Min.
Meldung

Mentner wird Chairwoman, Bertram Managing Partner

Christoph Bertram folgt Tina Mentner in der Geschäftsleitung. Er ist seit 2010 bei Hering Schuppener und verantwortet seit 2018 den Berliner Standort der Firma. »weiterlesen
 
Bei Bundesligaspielen war das App-Logo auf den Eckfahnen zu sehen. Zuschauer im Stadion waren keine. (c) picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Foto: picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Lesezeit 4 Min.
Meldung

Kleine Erfolgsgeschichte

Die Bundesregierung gab bisher 7,8 Millionen Euro für Werbung und PR rund um die Corona-Warn-App aus. Trotz 18 Millionen Downloads ist von der Anfangseuphorie wenig geblieben. »weiterlesen
 
Firmensitz von BMW in München. (c) www.stadlerphoto.com, BMW Group
Foto: www.stadlerphoto.com, BMW Group
Lesezeit 5 Min.
Meldung

Genug von schlechter Presse

Die BMW Group baut ein Corporate Media House auf. Die Münchener wollen damit ihre Position stärker über ihre eigenen digitalen Kanäle vermitteln. »weiterlesen
 
Recherchieren ist wie Puzzeln – am Ende passt vieles zusammen. (c) Getty Images/Elizaveta Elesina
Foto: Getty Images/Elizaveta Elesina
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Am Anfang aller guten Texte steht die Recherche

Unser Kolumnist hält ein Loblied auf die Recherche. Denn ohne sie könne ein Text selten gut werden. »weiterlesen
 
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (c) BMG
Rund 12.500 Follower: Jens Spahn. (c) BMG
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Jens Spahn verdoppelt Follower-Zahl

Mit rund 21.000 Followern liegt Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei den aktiven und ehemaligen Politiker:innen auf Linkedin an der Spitze. »weiterlesen