(c) Thinkstock/Afanasia
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Zuckerbrot und ­Peitsche

Schnauze!

In unserer Kolumne "Zuckerbrot und Peitsche" berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Dieses Mal: Peter „Bulo“ Böhling mit zehn Lektionen über Herz und – genau – Schnauze.
Peter Böhling
 

Bulo? ... Bulo? ... Was’n das für’n Vogel?! – wird sich jetzt der eine oder die andere fragen. Womit wir mitten in Lektion eins wären. Denn etwas Nutzwert (so wurde mir geheißen) soll die Lektüre dieser Zeilen bitte bieten. Lektion eins also: Informationen sind keine Bringschuld Ihres Gesprächspartners, sondern eine Holschuld von Ihnen. Besser gesagt: Eine Holfreude sollte es sein! Denn ich unterstelle Kommunikatoren einfach mal ein Interesse an den Dingen und Menschen, die sie umgeben. Die Neugierigen unter Ihnen werden nachher vermutlich suchmaschinieren und entdecken: Bulo gibt nicht nur Magazine heraus. Er konzipiert, produziert, publiziert und klemmt sich auch hinters Zeichenbrett, um zu illustrieren, karikieren, interpretieren.

 

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Comicstrip der „Herr Scheffe“-Reihe (c) DerBulo

Vor mehr als 15 Jahren entstand im Rahmen meiner „Herr Scheffe“-Reihe ein Strip (s. oben), für den ich nicht mehr tun musste, als ein Telefonat mit dem Sprecher eines Kölner Außen­werbers zu visualisieren. Kein Flachs: Genau so hatte sich das damals zugetragen. Okay, fast. Monate später erzählte ich Jörg, ach, nennen wir ihn lieber Rigobert oder Waldemar ... ein paar Monate später erzählte ich Waldemar von seiner unverhofften Musen-Tätigkeit, woraufhin sich ein humorvolles Vertrauensverhältnis aufbaute.

Sehen Sie, schon sind wir mit den Lektionen zwei und drei durch: Lernen Sie Vertrauen in die richtigen Partner – es wird mit Sicherheit erwidert und nicht enttäuscht werden; und entwickeln Sie die Fähigkeit, über sich und „Ihre“ Sache zu lachen. Wer weiß, vielleicht ist sie das ja ohnehin nicht mehr lang. (Das Beherrschen von Lektion zwei erleichtert übrigens ungemein das Praktizieren der drei und umgekehrt.)
Haben Sie trotz extremer Durchtaktung noch etwas Zeit für Lektion fünf? Ja, fünf! Denn Nummer vier lautet: Begründen Sie ausbleibende Rückrufe später nie mit „Sorry, ich hatte wenig Zeit“. Letztere haben wir Pressefuzzis oft auch nicht und melden uns trotzdem bei Ihnen. Was Sie und uns verbindet, sind meistens zwar völlig unterschiedliche Interessen – Sie wollen nicht viel sagen, wir aber möglichst viel schreiben oder andersrum –, allerdings lässt sich diese kommunikative Herausforderung nur mit einem augenhohen Verhältnis in den Griff bekommen.

Was, schon mehr als 2.000 Zeichen verbraten und noch kein einziges Bashing vom Stapel gelassen?! Geht gar nicht! Darauf haben Sie doch gewartet, oder? Bitte schön: zum Beispiel ­Cordelia Wagner (IP), Jörg E. Allgäuer (Ex-Sky), Antje Jungmann (VDZ), Christian Garrels (ADAC) oder Marc Sausen (Ströer). Moooment! Nicht, was Sie meinen. Ich droppe ­diese Namen, weil jene Herr- und Damschaften ihr Handwerk verstehen. Und zwar von den Lektionen eins bis vier, bis hin zum verbindlichen Bemühen, Dinge möglich zu machen, und nicht, sie zu verhindern (Lektion fünf!). Außerdem halten sie – und so was spricht sich positiv herum – den Kontakt zu Journalisten, auch wenn diese gerade vermeintlich von der Branchenbildfläche verschwunden sind. Wagner & Co. wissen eben auch um Lek­tion sechs: Man liest sich immer zweimal im Leben. Mindestens.

Etwas, das Frau – sagen wir mal – Fuchs von der Agentur – sagen wir mal – Serviceblablan offenbar noch pauken muss, nämlich Lektion sieben: Die Frage „Macht ihr denn auch was drüber?“ kann ein seriöser Journalist erst nach einer Veranstaltung beantworten, zu der man ihn anscheinend jedoch nur akkreditieren will, wenn er die Frage vorher ­beantwortet. ­Übrigens: Nein, liebe Eva K., ­Journalisten ­kommen nicht „sowieso bloß wegen des ­Buffets“ zu ­Presseterminen. Aber wenn sie schon geregelte Mittag- und Abendessen für Ihre Themen opfern, freuen sie sich nun mal auch über was Substanzielles zum Draufrumbeißen. Zum fett Unterstreichen hier also Lektion acht: Doofe Spitzen gegen uns selbst können wir schon lang. Im Zweifelsfall sogar pointierter formulieren als Sie. Ätsch!

Womit wir bei Lektion neun wären: Nehmen Sie nicht alles so ernst. Lektion zehn: auch nicht die egozentrischen Auslassungen dieses ... dieses ... Bulos.

 

 


randbemerkung

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