Ist die Ignoranz der Medien groß, helfen eigene Medien. (c) Thinkstock/z_wei
Ist die Ignoranz der Medien groß, helfen eigene Medien. (c) Thinkstock/z_wei
sprecherspitze zum angekündigten AfD-Newsroom

Sauber gelöst

Vier Wochen ist es her, seit die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) einen eigenen Newsroom ankündigte. Unsere sprecherspitze zu einem grandiosen Vorhaben.
Anne Hünninghaus

Man kann ja von dem Bundestagsneuzugang AfD halten, was man möchte. Was die Kommunikationsstrategie anbelangt, ist die Partei ganz vorn dabei. Schon im vergangenen Jahr konnte man im Strategiepapier lesen, dass auf lange Sicht ein eigener TV-Kanal geplant ist (kein Scherz), um ohne das Veto der „Lügenpresse“ endlich einmal über das zu berichten, was das Volk wirklich interessiert. Und das alles total neutral.

Nun legte Alice Weidel nach. Einen brandneuen Newsroom wird es bald geben, rund 20 Mitarbeiter sollen dort Informationen „journalistisch sauber für die Öffentlichkeit“ aufbereiten, zitierte Anfang Februar der Focus die Fraktionschefin. „Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit Fake News gezielt schlechtgemacht wird, kann es nur diesen Weg geben.“

Weidel sollte unbedingt ein PR-Handbuch veröffentlichen: „Wie man digitale Filterblasen in die große weite Medienlandschaft exportiert“. Die Medien ignorieren unsere Themen? Dann basteln wir uns eben eigene Medien, kann ja so schwer nicht sein. Für die Verbreitung der hauseigenen News braucht es allerdings Social-Media-Kanäle. Und das Problem mit den Sozialen Netzwerken ist, dass diese nach AfD-Logik selbst Teil der Maas’schen Verschwörung gegen die Partei sind.

Hier der Vorschlag: Weiter denken, weiter gehen! Es braucht eigene „soziale“ AfD-Netzwerke. Gründet ein Innovation-Lab! Sichert euch die URL hatebook.de und bitter.com gleich dazu. Raus aus der massenmedialen Knechtschaft. Das wird ein Imperium des neutralen Berichtens und unabhängigen Denkens! Verwunderlich fast, dass die anderen Parteien noch nicht auf den Zug aufgesprungen sind. Die Verlockung ist süß: nie wieder mit Journalisten herumärgern, PR und Berichterstattung verschmelzen. Hinein in die kommunikative Autarkie! Dass auf diese brillante Idee in den vergangenen Jahrzehnten noch nie jemand gekommen ist! Oh. Moment mal … 

 

 
 

Kommentare

Ist es nicht eher traurig, dass eine von großen Teilen des Volkes gewählte demokratische Partei zu solchen Mitteln greifen muss? Dass die deutschen Medien ihren Neutralitätsanspruch umdeuten in ein selbstgefälliges verspätetes Pseudo-Widerstandskämpfertum? Und das ein Pressesprecher-Magazin sich demonstrativ in vorauseilendem Gehorsam brav auf die "richtige" Seite stellt? Und dass ich hier unter Pseudonym agieren muss, weil die "falsche" Seite heute schon Karriere- oder zumindest Image-gefährdend ist? Die Verlockung ist süß: nie wieder mit störenden Ansichten herumärgern, einfach alle Medien gleichschalten. Hinein in den kommunikativen Einheitschor. Dass auf diese brillante Idee in den vergangenen Jahrzehnten noch nie jemand gekommen ist! Oh. Moment mal …

Moin! Ich finde es interessant, dass die Partei im weiteren Sinne einen eigenen Newsrom vorhält, vorhalten will. Denn so etwas kann die Parteiverwaltung mit ihren einzelnen Sprechern nicht leisten. Die AfD ist inzwischen in 14 Ländern plus Bund vertreten. Die Niedersächsische Fraktion hat gerade am 31. Januar 2018 einen erhalten und der muss sich mit den jüngsten MdL auch erst einmal einarbeiten. Die PR-Arbeit in Form einer Zeitung o. ä. zu bündeln und zentral zu koordinieren ist die logische Konsequenz. Und wie der vorherige Forist schrieb, ist die drittstärkste Partei als Spitze der Oppoition ja nun nicht mehr als Splitterpartei zu sehen. 16,6 Prozent - das waren rund sechs Mio Wähler - die wollen außerhalb FB und anderer Netzwerke bedient werden. Evtl. wird die neue Groko das Pendel wieder ein bisschen zurück schlagen lassen aber die nächsten dreieinhalb Jahre sind nun einmal Fakt. Und für dieses Jahr folgen noch die Landtagswahlen in Hessen sowie im Oktober in Bayern. Und die der Bajuwaren dürfte die eine oder andere Überraschung noch bereit halten. Mit freundlichen Grüßen Gerd Taddicken Ihr/e URL = https://www.pressesprecher.com/nachrichten/sauber-geloest-573855879 XTRCJ_21:50_10.Mär.18_Sa_GT


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Die neue Datenschutzgrundverordnung kann Unternehmen Chancen eröffnen. (c) Crews/Getty Images
Foto: Crews/Getty Images
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

So wird die DSGVO zur Chance

Die DSGVO wird Datenschutz und Datensicherheit nachhaltig verändern. Unternehmen, die die Ängste und Bedürfnisse ihrer Kunden jetzt aufgreifen, können davon profitieren. »weiterlesen
 
Wenn Playmobil-Figuren in einen politischen Kontext gesetzt werden, wird Sprecher Björn Seeger besonders wachsam. (c) Geobra Brandstätter Stiftung
Foto: Geobra Brandstätter Stiftung
Lesezeit 3 Min.
Interview

„Playmobil ist nicht Spiegel der Gesellschaft“

Playmobil ist ein Stück deutscher Spielzeuggeschichte. Für die Unternehmenskommunikation ist das jedoch nicht immer ein Plus. Sprecher Björn Seeger erklärt, warum manchmal ein Spiel-Delfin reicht, um einen Shitstorm auszulösen. Und wie sich Playmobil auch im digitalen Zeitalter behauptet. »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders ist Press Secretary im Weißen Haus. Als Trumps Sprecherin beschränkt sie sich darauf, die Stimme ihres Chefs zu sein. (c) Chris Kleponis/dpa
Foto: Chris Kleponis/dpa
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Ladys first für Trump

Warum der Präsident der Vereinigten Staaten männlichen Sprechern nicht traut und wie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus funktioniert. »weiterlesen
 
Unternehmen können sich von Facebook distanzieren. Doch ist das sinnvoll? (c) Getty Images/Wachiwit
Foto: Getty Images/Wachiwit
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Was vom Skandal um Cambridge Analytica bleibt

Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat Insolvenz angemeldet. Doch das Vertrauen in das soziale Netzwerk Facebook bleibt erschüttert. Kann das Marken egal sein? Ein Kommentar. »weiterlesen
 
Immer mehr Unternehmen beziehen zu gesellschaftlich relevanten Themen Stellung. (c) Getty Images/LoveTheWind
Foto: Getty Images/LoveTheWind
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Wie politisch darf PR sein?

Eine klare Haltung scheint für Unternehmen in der externen Kommunikation wichtiger zu werden. Doch wird sie auch belohnt?   »weiterlesen
 
Jedes zweite deutsche Unternehmen wird Opfer einer Cyberattacke. Wie reagieren, wenn der Schaden da ist? (c) Getty Images/ChakisAtelier
Foto: Getty Images/ChakisAtelier
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Wie man Cyberangriffe (nicht) kommuniziert

Auch aus Angst um ihr Image hängen Unternehmen Cyberangriffe ungern an die große Glocke. Kommunikatoren sehen sich dadurch einer besonders sensiblen Herausforderung gegenüber. »weiterlesen