Der deutsche Fußball hat Rassisten in den eigenen Reihen. / Fußball: (c) Getty Images/ Pixfly
Der deutsche Fußball hat Rassisten in den eigenen Reihen. / Fußball: (c) Getty Images/ Pixfly
Schalke, Dortmund und Chemnitz

S04, BVB, CFC – das Rassismus-Problem des Fußballs

Neben Clemens Tönnies von Schalke 04 machen der BVB und der Chemnitzer FC derzeit Negativ-Schlagzeilen.
Toni Spangenberg

Um dem fortschreitenden Klimawandel zu begegnen, müsse man lieber 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren als höhere Steuern einführen. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist Kinder zu produzieren", sagte Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke, bei einer Veranstaltung der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Tönnies, der ebenfalls Miteigentümer des zweitgrößten europäischen Schweine-Schlachters ist, hielt einen Festvortrag zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelindustrie". Mit seiner Äußerung sorgte er für einen Skandal und muss sich nun vor dem Schalker Ehrenrat verantworten. Möglich, dass Tönnies eine Verwarnung erhält, auf Dauer oder auf Zeit von seinem Amt enthoben wird. Theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich: ein Vereinsausschluss.

Chemnitz schmeißt Frahn raus

Im Fall Daniel Frahn ist das letzte Wort gesprochen. Der Drittligist Chemnitzer FC hat seinen ehemaligen Stürmer und Mannschaftskapitän wegen dessen Nähe zur rechtsradikalen Szene rausgeschmissen. Vergangenen Samstag verfolgte der das Spiel des CFC gegen den Halleschen FC im Publikum inmitten der rechtsextremen Fan-Gruppe „Kaotic Chemnitz" und der „NS Boys".

Der Verein reagierte mit scharfen Worten: „Mit Entsetzen haben wir erkennen müssen, dass sich unser – nunmehr ehemaliger – Mannschaftskapitän Daniel Frahn als großer Sympathisant der rechtsradikalen und menschenverachtenden Gruppierung ,Kaotic Chemnitz‘ herausgestellt hat und damit großen Schaden für den Verein anrichtete. Es gibt Null Toleranz für dieses Verhalten."

Falsche Reue

Frahn war schon im März gesperrt worden. Beim Heimspiel gegen die VSG Altglienicke hielt er nach einem Tor ein Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools" hoch. Der ehemalige Kicker von Rasenballsport Leipzig versicherte, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass „dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi-Szene verankert ist." Das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes in der Regionalliga Nordost belegte ihn mit einer Sperre für vier Spiele und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3000 Euro.

„Seine Reue damals war eine Farce. Er konnte und wollte die Verantwortung als Spieler und Mannschaftskapitän im Fußballclub nicht umsetzen, denn dazu gehört eines mehr, als nur Tore zu schießen und sich bejubeln zu lassen: Haltung", schreibt die Gesellschafterversammlung des Vereins in einem Statement. „Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr."

Rassismus-Witze beim BVB

Zuletzt sorgte auch Borussia Dortmund für Rassismus-Schlagzeilen. Die beiden Ex-Profis Patrick Owomoyela und Norbert Dickel kommentierten ein Testspiel des BVB gegen Udinese Calcio vom 27. Juli. Dabei bezeichneten sie die Italiener als „Itaker", was laut Dickel – seit fast dreißig Jahren Stadionsprecher des BVB – „ja auch keine Beleidigung" sei. Ex-Nationalspieler Owomoyela bemühte sich dabei, wie Adolf Hitler zu klingen. Der BVB reagierte prompt. Den beiden sei verdeutlicht worden, dass „ihr Versuch, witzig zu sein vollkommen schiefgelaufen ist, absolut deplatziert war und derlei Äußerungen bei uns keinen Platz haben."

Owomoyela und Dickel seien direkt nach der Übertragung auf die Geschäftsführung zugegangen und „haben ihr Fehlverhalten bereits vor einer Woche öffentlich eingestanden und versprochen, dass sich derlei nicht wiederholen wird. Sie haben selbst während der nächsten Übertragung betont, dass sie 'neben der Spur waren'. Dem ist nichts hinzuzufügen." Das Skurrile an dem Fall: Beide engagieren sich seit Jahren in der Anti-Rassismus-Arbeit. Owomoyela wurde sogar 2006 für seinen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit mit dem Udo-Lindenberg-Preis ausgezeichnet.

Die DFB-Ethikkommission ermittelt

Der Fall Tönnies von Schalke 04 spielt allerdings in einer anderen Liga. Hier glänzte nicht etwa ein Ex-Spieler mit rassistischen Äußerungen, sondern der Chef des Aufsichtsrats. Kein Wunder also, dass die Angelegenheit nicht nur vereinsintern behandelt wird. Auch die Ethikkommission des DFB hat sich eingeschaltet. Bisher haben weder der Schalker Ehrenrat noch die DFB-Ethikkommission eine Entscheidung getroffen. Letztere will sich bei ihrer nächsten Sitzung am 15. August mit dem Fall beschäftigen.

Via Twitter hat sich Tönnies von seinen Äußerungen distanziert. „Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im Inhalt und Form unangebracht."


UPDATE: Der fünfköpfige Schalker Ehrenrat bezeichnete die Rassismus-Vorwürfe gegen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach einer mehrstündigen Sitzung am Dienstagabend als unbegründet. Dennoch habe Tönnies mit seiner Äußerung gegen das Diskriminierungsverbot des Vereins verstoßen. In der Folge werde er seine Mitgliedschaft und seinen Vorsitz im Aufsichtsrat für drei Monate ruhen lassen.

 

 
 

Kommentare

Vieles davon sehr schade - und traurig. "So ist Fußball", sagen ja viele Spieler nach einer Begegnung, wenn es nicht so gelaufen ist wie geplant. Leider ist es das bei diesem Thema oft auch nicht so gelaufen wie es sollte. Als Frankfurter kann ich von Glück reden, dass sich "unser" Eintracht-Präsident Peter Fischer klar zu einem Anti-AFD-Kurs bekennt - und zwar wiederholt. Als Einziger übrigens in der ganzen ersten und zweiten Fußball-Bundesliga ...


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