Anekdotenreicher Behrendt-Style trifft auf Business- und Lebenshilfe-Ratgeber. (c) Springer Fachmedien Wiesbaden
Anekdotenreicher Behrendt-Style trifft auf Business- und Lebenshilfe-Ratgeber. (c) Springer Fachmedien Wiesbaden
Rezension

Lebensweisheiten de luxe

„Von Kindern lernen“ heißt Frank Behrendts und Bertold Ulsamers neues Buch. Es regt dazu an, eine optimistische kindliche Weltsicht für sich selbst zu entdecken.
Volker Thoms

Es ist unmöglich, Frank Behrendt zu übersehen. „Turi 2“ setzte ihn deshalb auf die Liste der 20 Personen, denen die Redaktion 2020 eine Sendepause gönnt. Der 56-Jährige steht hier neben Heidi Klum, Boris Becker, Kai Diekmann, Uli Hoeneß, Jan Fleischhauer, Mark Zuckerberg und Gabor Steingart. Der Kommunikationsexperte darf die Aufnahme in diese Prominenten-Riege vermutlich als Ehre betrachten. Frank Behrendt ist der bekannteste Repräsentant der Branche. Mit seiner stets positiven „Life is great“-Attitüde gibt er ihr ein sympathisches Gesicht.

Der Wahl-Kölner besitzt eine Kolumne bei „stern.de“. Er schreibt für das Magazin „Zaster“. Zusätzlich hat er einen wöchentlichen Podcast: „Freitags Franky“. Behrendt veröffentlicht auf Xing und Linkedin, postet auf Twitter und Instagram. Gefühlt hat er in jedem Podcast getalkt, der etwas mit Kommunikation, Tech, Medien und Gesellschaft zu tun hat. Meist geht es um ihn selbst, Alltagsbeobachtungen und Lebensweisheiten. Behrendt war von 2000 bis 2011 CEO der Agentur Ketchum Pleon – zu der Zeit das Maß der Dinge der PR. Zahlreiche Branchengrößen legten unter ihm den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere. Edelman-Chefin Christiane Schulz bezeichnete Behrendt als Förderer.


(c) Springer Fachmedien Wiesbaden

Von Kindern lernen. Wie uns kindliche Perspektiven gelassener, glücklicher und erfolgreicher machen.

Frank Behrendt, Bertold Ulsamer. Springer. 230 Seiten. E-Book ab € 12,99.


Immer wieder sind seine Kinder Protagonisten in den Geschichten. Insbesondere seine neunjährige Tochter Holly taucht häufig auf – mit Zitaten und Anekdoten. Ihr Kinderzimmer durfte man zuletzt in einem Periscope-Video erkunden. Hollys Handy-Hotel dürfte fast jedem aus der Kommunikationsbranche ein Begriff sein, der schon einmal über Digital Detox nachgedacht hat. Im Internet gezeigt hat Behrendt sie noch nie. Das Zelebrieren seiner Ehe und die zur Schau getragene Lebensfreude wirken auf Dauer etwas schräg. Trotzdem gelingt es ihm immer wieder, lebensnahe Geschichten zu entwickeln, die einen Nerv treffen und manchmal ins Herz gehen. Kürzlich berichtete Behrendt, wie er seine Kinder mit einem eigenen Stundenplan zu Hause unterrichten will. Die Schulen waren da noch nicht geschlossen. Während der Coronakrise zog Holly im Garten in ein Zelt – Ortswechsel.

Anekdoten und Business

Holly spielt eine zentrale Rolle in Behrendts neuem Buch. „Von Kindern lernen. Wie uns kindliche Perspektiven gelassener, glücklicher und erfolgreicher machen“, heißt es. Mitautor ist der Diplom-Psychologe und Business-Coach Bertold Ulsamer. Am Anfang jedes der zehn Kapitel schreibt Behrendt über Holly und wie sie die Welt entdeckt. Dabei stellt der Autor einen Bezug zu seinem eigenen Leben her – überaus persönlich, wie man es aus Behrendts früheren Büchern „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ und „Die Winnetou-Strategie“ kennt. Dann folgt Ulsamer, der Hollys Weltsicht reflektiert und einen Bezug zu Business- und Mentalthemen herstellt. Ulsamer schreibt über Achtsamkeit, Digital Detox, Burnout, berufliche Rollen und Mut – die Zielgruppe sind dabei nicht Kinderanekdoten liebende Mütter oder Väter, sondern Manager und Geschäftsleute, die Orientierung im Beruflichen und Privaten suchen. Es folgen komprimierte Takeaway-Botschaften von Behrendt.

Mit dem Buch verhält es sich wie mit seinen Kolumnen, Podcasts und Social-Media-Geschichten: Man muss nicht jedes Wort verschlingen, doch man tut gut daran, die für sich passenden Perlen herauszufischen.

Fazit:

(sollte man gelesen haben)

Kreative Kombination aus anekdotenreichem Behrendt-Style und Business- und Lebenshilfe-Ratgeber. Podcasts mit Tijen Onaran als Ergänzung.

 

 
 


randbemerkung

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