In ihrem selbstironischen, unwissenschaftlichen Buch schildern die Journalisten ihre Begegnungen mit Verschwörungstheoretikern. (c) Carl Hanser Verlag
In ihrem selbstironischen, unwissenschaftlichen Buch schildern die Journalisten ihre Begegnungen mit Verschwörungstheoretikern. (c) Carl Hanser Verlag
Rezension

Angela Merkel ist Hitlers Tochter!11!!

Verschwörungstheorien boomen. Warum? Und was lässt sich dagegen tun? Zwei Journalisten haben da Ideen.
Jens Hungermann

Die Erde ist in Wahrheit eine Scheibe? Chemtrails sollen uns alle vergiften? Die Bundesrepublik Deutschland existiert gar nicht? Und Angela Merkel ist Hitlers Tochter? Ja, nee, is’ klar. Wer’s glaubt, wird selig – oder Verschwörungstheoretiker. Das Dumme ist: Von denen gibt es eine ganze Menge. Sie sind sogar mitten unter uns.

Einerseits mag das amüsant sein für alle Normaldenkenden. Andererseits ist es hochgradig gefährlich. Für die Medien, für den allgemeinen Diskurs, möglicherweise sogar für unsere Demokratie. Weil sich hinter manch kruder Theorie leider sehr viele Menschen in diesem Lande versammeln.

In ihrem selbstironischen, unwissenschaftlichen Buch schildern die Journalisten Christian Alt und Christian Schiffer ihre Begegnungen mit solchen „Aluhüten“, wie sie sie nennen. Sie entwerfen selbst eine krude Verschwörungstheorie, widmen sich psychologischen Aspekten zum Thema und skizzieren die Historie der Verbreitung von „Fake News“.


(c) Carl Hanser Verlag

Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien.

Christian Alt und Christian Schiffer, 285 Seiten, Carl Hanser Verlag, München, 18,00 Euro


Das ist meistens lustig, in Teilen sehr originell, bisweilen jedoch ermüdet der schnodderige Stil, in dem die „Reise durch ein paranoides Land“ beschrieben ist. Und manche Pointe im Buch wirkt dann doch arg redundant.

Wie man Verschwörungstheoretiker stoppen – oder zumindest deren „größten Bullshit einfangen“ – könnte, versuchen die Autoren in einer abschließenden, 23 Punkte umfassenden Ratgeberliste zu skizzieren (die sie etwas großspurig mit „Manifest“ betiteln).

Die Frage „Cui bono?“ beispielsweise gelte stets auch beim Verdacht einer Verschwörungstheorie, denn: „Die Akasha-Säule gegen Chemtrails für 4450 Euro verkauft sich eben nur, wenn man auch an Chemtrails glaubt“ (Punkt 14). Punkt 1 und 2 des „Manifests“ sind wichtig und absolut legitim. Sie lauten: „Bleib skeptisch!“ und „Bleib verdammt noch mal skeptisch!“

Für den Kauf dieses Buchs gilt das zum Glück nicht gänzlich.

Fazit:

(Empfehlenswert)

Unterhaltsam, kurzweilig, mitunter arg flapsig: Wer bissige Thesen zu einem ersten Thema goutiert, der wird an diesem Reisebericht seine Freude haben.

 

 
 


randbemerkung

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