Thomas Mickeleit über private und öffentliche Nutzerprofile (c) Thinkstock/joruba
Thomas Mickeleit über private und öffentliche Nutzerprofile (c) Thinkstock/joruba

Raus aus dem Versteck!

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. Thomas Mickeleit, Director of Communications und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland, sagt, ein privater Account sei bloßes Versteckspiel. Teil drei unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven".    
Hilkka Zebothsen

Ich lese in Twitter- oder Facebook-Profilen gelegentlich den Hinweis, man habe diese oder jene Funktion, dies aber sei ein „privater Account“. Was soll einem das sagen? Eigentlich sollte ich jene Position vertreten, aber hier leiste ich mir meine eigene Meinung? Ich finde das rührend. Es ist das Wesen von „Social“ als Individuum, aber eben im gesamten Kontext zu agieren und wahrgenommen zu werden. Die private oder berufliche Facette auszublenden, erinnert mich an mein Lesebuch aus der 1. Klasse. Auf einem Bild war ein kleiner Junge dargestellt, der sich beim Versteckspiel eine Decke übergeworfen hatte. Die Bild-Unterschrift: „Hänschen ist dumm. Er versteckt sich unter seiner Decke.“

Pädagogisch nicht auf der Höhe der Zeit, aber der Sache nach zutreffend. Denn nicht anders agieren Zeitgenossen, die glauben, sie könnten sich hinter ihrem privaten Account „verstecken“ und frei von der Leber weg Beiträge posten, ohne dass sie in den Kontext der beruflichen Tätigkeit gesetzt würden. Akzeptiert wird das höchstens, wo eine medizinische Dimension zum Tragen kommt, man nennt das Persönlichkeitsspaltung, und das möchte man nicht haben.
Das erklärt, warum die Einheit von Beruflichem und Privatem sich nicht nur auf Kommunikationsverantwortliche oder Personen des öffentlichen Lebens beschränkt. Tatsache ist, egal, wer sich auf sozialen Plattformen einbringt, die Person wird holistisch wahrgenommen, als Mensch mit privaten Interessen, beruflichen Verantwortlichkeiten, mit allen Stärken und Schwächen.

Bei Microsoft in Deutschland verstehen wir alle 3.000 Kolleginnen und Kollegen als „Ambassadors“ und helfen ihnen, zum Beispiel mit täglichen „Social Advisories“ angemessen auf sozialen Plattformen zu agieren. Als Kommunikationsverantwortliche erfüllen wir damit eine essentielle neue Aufgabe, die gesamte Organisation zu befähigen, am Diskurs teilzuhaben. Im Übrigen ist das alles sehr unspektakulär: Auch in der analogen Welt ist es genauso. Glaubwürdig ist, wer sich konsistent, also einheitlich und widerspruchsfrei, verhält.

 

 
Thomas Mickeleit
Thomas Mickeleit
Microsoft Deutschland
Director of Communications und Mitglied der Geschäftsleitung

Thomas Mickeleit ist seit 2006 Director of Communications und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland. Zuvor war er Leiter Unternehmenskommunikation bei Volkswagen und Director of Communication bei IBM Deutschland. Er twittert unter @TMickeleit.

 

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Kommentare

Ich denke eine solcher Zusatz, wie in meinem Fall "Social Media Manager @ Bundeswehr - personal account; no official statements", hat sehr wohl seine Berechtigung - schon allein aus (dienst-)rechtlichen Gründen. Ein konkretisierendes Beispiel: Ich darf als Staatsbürger in Uniform sehr wohl meine private Meinung veröffentlichen. Als Presseoffizier der Bundeswehr darf/sollte ich ausschließlich die Linie des Verteidigungsministeriums vertreten und bin sogar dazu verpflichtet, eine private Meinung auch als solche zu kennzeichnen. Nicht jede politische Bewertung und Entscheidung im Ministerium muss mir gefallen; erinnern wir uns an das Beispiel von Standortschließungen. Würde ich dies auch so kommunizieren, möchte ich im Zweifel dafür nicht disziplinar belangt werden. Um es klar zu sagen: Es müsste schon ein gravierender politischer Vorgang meinen Missmut hervorrufen, bevor ich mein Missfallen als private Meinung zum Beispiel auf Twitter veröffentlichen würde. Im umgekehrten Fall teile ich jedoch stets und gerne dienstlichen Content auch über mein privates Profil. Eine Trennung beruflicher und privater Netzwerkprofile gibt es bei mir also nicht, sehr wohl jedoch den - wie Sie es formuliert haben - "rührenden" Zusatz im Impressum. Zurecht. Beste Grüße Andreas Jensvold


randbemerkung

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