Cover (c) Finanzbuchverlag
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Rezension

Quoten-Bashing: sachlich, fachlich, polemisch

Die Frauenquote in Unternehmensvorständen und Verwaltungen ist beschlossen, doch die Debatte hält an. Ein Beitrag der Contra-Seite ist vor Kurzem im Finanzbuchverlag erschienen.
Gunnar Leue

Vor rund 20 Jahren tobte eine heftige Debatte über die Forderung deutschsprachiger Musiker nach einer Deutschpopquote im Radio. Sie kam nicht, trotzdem sind heute aus allen Kanälen die Tim Bendzkos und Andreas Bouranis auf Deutsch zu hören. Auch wenn das in die „Die Quotenfalle“ keine Erwähnung findet – die zahlreichen Autoren dürfte das Beispiel unisono als Vorbild für die Frauenquotenfrage sehen: Selbstregulation statt gesetzlicher Quote in Unternehmensvorständen und Verwaltungen. Die Quote ist beschlossen, aber die Debatte damit keineswegs beendet.

Quotengegner werden dieses Buch mögen, bestätigt es doch ihre Ansichten. Dass zum Beispiel die „Gläserne Decke“ ein Mythos ist. Laut einer Studie der TU München setzen Frauen einfach andere Prioritäten.

Die als Wissenschaftler und Publizisten versierten Autoren erörtern die Thematik weitgehend sachlich – was einigen auch schwerfällt. Ihre Argumente lauten zusammengefasst: Die Quote ist ein Elitenprojekt, demokratie- und leistungsfeindlich, im Prinzip frauenverachtend, sexistisch und männerdiskriminierend. Was noch? Ach ja, geprüft und für untauglich befunden in Norwegen, wo das Phänomen „Goldröcke“ auftrat. Dort erhielten wenige Frauen wegen der Quote mehrere Aufsichtsratsposten.

Viele Autoren geißeln die Quote vor allem als Hemmnis für die Wirtschaft. Ein schwammiges Argument, denn das gilt auch für einen begrenzten Waffenverkauf. Will eine Gesellschaft Prioritäten setzen und vernünftig handeln, nimmt die jedoch in Kauf. Warum also nicht auch mit einer Quote Gerechtigkeit im Geschlechterverhältnis befördern? Weil dahinter ein Dilemma lauert: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Das begründen alle Buchautoren sehr schlüssig. Wirklich alle, wodurch Redundanz aufkommt.

Es hätte den Erkenntnisgewinn größer gemacht, wäre wenigstens ein kluger Pro-Quoten-Beitrag aufgenommen worden. So entsteht der Anschein, als gäbe es überhaupt keinen Grund für die Genderdebatte und als sei gesetzliche Frauenförderung ein handstreichartiger Putsch gegen die Vernunft. Leider gehen auch Sätze wie der der Volkswirtin Sabine Beppler-Spahl unter: „Das Grundübel liegt in der Struktur und Wirtschaftsordnung unserer Gesellschaft.“ Die Feministin Laurie Penny hat das einmal so formuliert. „Öffentliche Karrierefeministinnen sind damit beschäftigt, mehr Frauen in die Vorstände zu bringen, dabei besteht das Hauptproblem darin, dass es schon viel zu viele Vorstandszimmer gibt und keines von ihnen brennt.“ Aber das steht in einem anderen Buch. 

Fazit: Die Beiträge geben eine tiefgründige, aber leicht redundante Zusammenfassung der Anti-Quoten-Argumente. Eine Ergänzung durch einen klugen Gastbeitrag der Pro-Fraktion hätte der Publikation gutgetan.

Bewertung: Sollte man griffbereit haben (vier von fünf möglichen Sternen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cover (c) Finanzbuchverlag

Harald Schulze-Eisentraut Et Al.: Die Qoutenfalle - Warum Genderpolitik in die irre führt. Finanzbuchverlag: 19,99 Euro

 

 
 


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