Studie: Profession Pressesprecher 2015 (c) Getty Images/Purestock
Studie: Profession Pressesprecher 2015 (c) Getty Images/Purestock
Profession Pressesprecher 2015

Aktueller Berufsfeldmonitor: Karrierewege, Positionen und Gehälter der Branche

Wie wird man eigentlich Kommunikator? Welche Rollen hat man dabei? Was verdient man? Und welchen Unterschied gibt es zwischen Männern und Frauen? Teil 1 unserer Serie über die neueste Untersuchung der Branche
Günter Bentele
René Seidenglanz

Pressesprecher sind 2015 durchschnittlich 42 Jahre alt, seit zwölf Jahren im Bereich PR tätig, davon seit sechs Jahren auf der jetzigen Stelle. Sie sind vorwiegend weiblich (57 Prozent), arbeiten in einem größeren Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten. „Die“ Pressesprecher verdienen im Schnitt etwa 80.000 Euro brutto im Jahr („Sie“ allerdings über 20.000 Euro weniger!). Fast alle sind sie hochzufrieden mit dem, was sie beruflich tun. Und vor allem: Sie sind keine reinen Pressesprecher und Pressesprecherinnen mehr, sondern Kommunikationsmanager, die eine Vielzahl von Aufgaben im Management von Informations- und Kommunikationsprozessen zwischen ihren Organisationen und deren  Zielgruppen übernehmen – gegenüber Journalisten, Mitarbeitern, Investoren, Kunden, Politik usw. Das Feld hat sich ausgeweitet und spezialisiert.

Diese Kommunikationsmanager hat „Profession Pressesprecher 2015“ genauer unter die Lupe genommen. Seit inzwischen zehn Jahren vermisst die Studienreihe das Berufsfeld. In diesem Zeitraum hat sich in der PR-Branche einiges bewegt. Die Digitalisierung ist vorangeschritten und inzwischen zu einem Megatrend herangewachsen, ethische Herausforderungen haben zugenommen und die Wirtschaftskrise 2008/09 hat sich deutlich in Budgets und Gehältern niedergeschlagen.

Zunächst aber wollen wir uns mit den deutschen PR-Experten und -Expertinnen selbst befassen, mit deren Ausbildung, Karrierewegen, Position und Gehältern und mit aktuellen Unterschieden zwischen PR-Frauen und -Männern.

Vom Begabungsberuf zur Hochschulausbildung: PR akademisiert sich.

Noch vor zehn Jahren wurde in der Branche und sogar in den Verbänden Diskussionen geführt, ob PR ein Begabungsberuf sei, für den es vor allem Kontaktfreude und Kontaktfreude wichtig sei und sich notwendiges Spezialwissen auch by doing on the job erwerben ließe. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Eine Profession, die insgesamt ernst genommen werden möchte und die einen ernsthaften Beitrag zum Erfolg ihrer Organisation leisten will, braucht gut ausgebildeten Nachwuchs.

Zumindest formal sind deutsche PR-Praktiker heute gut ausgebildet, 91 Prozent von ihnen haben einen Hochschulabschluss, darunter sind sieben Prozent Promovierte. In den vergangen zehn Jahren hat sich gerade der Anteil von PR-Managern mit einschlägigen, publizistischen Abschlüssen auf 32 Prozent verdoppelt. Verantwortlich dafür ist vor allem das stark gewachsene Angebot an einschlägigen PR-Programmen. 15 Prozent der Befragten haben heute ein PR-Studium oder einen PR-Schwerpunkt im Studium absolviert, 15 Prozent haben ein PR-Volontariat, 35 Prozent einschlägige PR-Weiterbildungen abgeschlossen.

 

Anteil der Befragten; Mehrfachnennungen möglich, n = 2.432 (c) Quelle: Studie "Profession Pressesprecher"

Anteil der Befragten; Mehrfachnennungen möglich, n = 2.432 (c) Quelle: Studie "Profession Pressesprecher"

Andere Zugangswege in den Beruf werden seltener, insbesondere der Umstieg aus dem Journalismus verliert an Bedeutung. Heute haben noch 28 Prozent der PR-Praktiker vor ihrer aktuellen Stelle  im Mediensektor gearbeitet, 15 Prozent stammen aus dem Marketingbereich (Werbung, Verkaufsförderung, Vertrieb, etc.), aber 33 Prozent waren schon immer in der PR. Seiteneinsteiger in die PR sind zwar auch 2015 noch typisch unter den Branchenvertretern, aber mit jeder neuen Generation nimmt ihre Zahl ab.

PR-Gehälter erholen sich erst 2015 von der Wirtschaftskrise

Das jährliche (Brutto-) Durchschnittseinkommen von PR-Praktikern beträgt aktuell 67.367 Euro, das ergibt etwa 5.600 Euro im Monat. Dieser Wert wird allerdings auch von sehr hohen Gehältern einzelner Top-Kommunikatoren geprägt. Die meisten Einkommen in der Branche, nämlich 42 Prozent, liegen aber in der Tat im Bereich zwischen 50.000 bis 75.000 Euro. Das ist erstmals wieder das Niveau, das kurz vor Beginn der Wirtschaftskrise 2008/09 schon einmal erreicht war. Zwischenzeitlich waren die Gehälter um bis zu 10 Prozent eingebrochen. Vor allem in der Wirtschaft sind die Einkommen der Kommunikationsexperten konjunkturabhängig. Allerdings wird dort auch am besten verdient. Das Durchschnittgehalt eines PR-Managers oder einer PR-Managerin in einem Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern beträgt etwa 100.000 Euro im Jahr.

 

Jahreseinkommen (brutto), Anteil der Befragten mit dem angegebenen Einkommen; n = 1.998 (c) Quelle: Studie "Profession Pressesprecher"

Jahreseinkommen (brutto), Anteil der Befragten mit dem angegebenen Einkommen; n = 1.998 (c) Quelle: Studie "Profession Pressesprecher"

In der Wirtschaft ist es heute auch mehrheitlich üblich, dass das Gehalt von PR-Praktikern aus variablen, erfolgsabhängigen Komponenten besteht – bei 59 Prozent der Befragten ist dies der Fall. Im Vergleich der verschiedenen Branchen scheinen erfolgsabhängige Gehaltsmodelle besonders im Kredit- und Versicherungsgewerbe (76 Prozent) und in der chemischen Industrie (74 Prozent) verbreitet zu sein. In den Fällen, in denen variable Gehälter gezahlt werden, beträgt dieser Einkommensanteil 13 Prozent.

Der „kleine Unterschied“ zeigt sich in Position, Branche und Gehalt

Der Unterschied in den Einkommen von insgesamt etwa 20.000 Euro zwischen PR-Frauen und Männern ist eines der auffälligsten Kennzeichen dafür, dass im Berufsfeld markante Geschlechterdifferenzen bestehen. Zudem hat sich diese Differenz in den vergangenen zehn Jahren so gut wie nicht verändert. Auch hier zeigt sich somit ein Phänomen, das gesamtgesellschaftlich zu beobachten ist. „One Million Dollar Penalty“ hat die amerikanische Forschung den Gehaltsunterschied zwischen PR-Frauen und -Männern in den 90er Jahren benannt, der sich am Ende eines Berufslebens auf etwa eine Million Dollar summiert.

Frauen werden in der Branche allerdings nicht schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind, gleiche Stellen werden in der Regel auch gleich entlohnt. Die Unterschiede liegen anderswo: Zunächst fällt auf, dass die männlichen Befragten im Durchschnitt 4 bis 5 Jahre älter sind als die weiblichen. Gleichzeitig verfügen Männer im Schnitt über eine um drei Jahre höhere Berufserfahrung. Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Anteil der Frauen in den jüngeren Jahrgängen und bei den Berufseinsteigern deutlich höher als der der Männer ist. In der Gruppe der unter 30-Jährigen sind 80 Prozent weiblich, hingegen sind zwei Drittel der über 50-Jährigen männlich. Das erklärt einen Teil der Gehaltsunterschiede und der Tatsache, dass Männer sehr viel häufiger Top-Positionen besetzen. Stellen, die mit sehr hoher Führungs- und Personalverantwortung verbunden sind, die in großen Unternehmen und in PR-Einheiten mit höchster hierarchischer Verortung arbeiten, werden sehr viel häufiger von Männern besetzt. Elf Prozent der in der Studie befragen Männer haben solche Top-Positionen inne, allerdings nur  drei Prozent der Frauen, demgegenüber arbeiten 20 Prozent der männlichen PR-Manager in eher statusniedrigen Positionen, allerdings 45 Prozent der weiblichen. Zudem werden Teilzeitmodelle vorwiegend von Frauen wahrgenommen.

Solche Unterschiede werden sich allerdings voraussichtlich etwa in dem Maße verringern, wie die heute noch junge und überwiegend weibliche PR-Generation ebenfalls in die Führungsetagen vordringt. In einer früheren Umfrage haben wir allerdings auch andere Gründe identifiziert, die Frauen möglicherweise am beruflichen Aufstieg hindern. Familienplanung wurde von PR-Managern beiderlei Geschlechts dort am häufigsten als Hinderungsgrund genannt. Allerdings vermuteten gerade weibliche Befragte auch „Männerseilschaften“ (52 Prozent). Mögliche Gründe, die direkt auf eventuelle Unterschiede in sozialen Eigenschaften zurückzuführen wären – etwa eine unterschiedlich ausgeprägte Durchsetzungsstärke bei Männern und Frauen – spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

Alles in allem aber herrscht in der Branche große Zufriedenheit. 81 Prozent der Befragten zeigten sich mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden oder sehr zufrieden. Das Gehalt spielt hierfür im Übrigen nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass sich ein Berufsfeldangehöriger akzeptiert und integriert fühlt, dass er das Gefühl hat, Kommunikationspolitik professionell und ganzheitlich umsetzen und so Einfluss auf die Organisationspolitik nehmen zu können.

Zur Studie

Die Studienreihe „Profession Pressesprecher“ entsteht in Kooperation von Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP), Quadriga Hochschule Berlin und Universität Leipzig. Seit 2005 werden  regelmäßig die Strukturen des Feldes in Deutschland, Karrierewege, Position, Gehälter und Einstellungen der PR-Praktiker sowie Rahmenbedingungen im Rahmen einer Online-Befragung erhoben. 2015 haben insgesamt 2.432 Berufsangehörige teilgenommen.

Der pressesprecher veröffentlicht die wichtigsten Ergebnisse im Rahmen einer dreiteiligen Serie zwischen September und Dezember 2015.

Die vollständige Studie ist zum Preis von 19,90 Euro erschienen und kann hier bestellt werden.

 

 
 

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