Der Hauptsitz von RWE in Essen. (c) RWE
Der Hauptsitz von RWE in Essen. (c) RWE
Media Relations

Pressefragen veröffentlicht: scharfe Kritik an RWE

RWE sieht keine rechtlichen Möglichkeiten, gegen Mitarbeiter vorzugehen, die auf Facebook drastische Hasskommentare und Drohungen verbreiten.
Aus der Redaktion

Die Kommunikationsabteilung des Energiekonzerns RWE sieht sich wegen der Veröffentlichung von Presseanfragen scharfer Kritik ausgesetzt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Essen hatte jüngst in zwei Fällen nicht-öffentliche E-Mails von Journalisten auf Twitter verbreitet.

Aktuell betroffen war die Berliner Tageszeitung taz. Ihre Redaktion recherchierte Hintergründe zu diversen Facebook-Gruppen im Umfeld von RWE, in denen regelmäßig Hasskommentare veröffentlicht worden sein sollen – hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Streit um den Hambacher Forst. Hierzu sandte die taz auch eine entsprechende Anfrage an RWE mit der Bitte um Stellungnahme.

Etwa 24 Stunden später veröffentlichte die Kommunikationsabteilung des Konzerns auf ihrem offiziellen Twitter-Kanal sowohl ihre kurz zuvor an die taz geschickte Antwort als auch die Fragen der Zeitung. Das sei „offen und transparent“.
 

Diese Selbsteinschätzung stieß auf erheblichen Widerspruch. Martin Kaul, Redakteur bei der taz, bezeichnete das Veröffentlichen von Journalistenanfragen von RWE als „unzulässigen Eingriff in die Freiheit des Journalisten“ und „schlechten Stil“. Dies gälte erst recht, solange der entsprechende Beitrag noch nicht veröffentlicht worden sei.
 

Weitere Journalisten-Reaktionen auf das Vorgehen von RWE lauteten beispielsweis „absolut unprofessionell“, „von der Pressestelle eines großen Konzerns inakzeptabel“ sowie „Eine absolute Frechheit als ‚transparente Pressearbeit‘ verkauft“.
 

Das Unternehmen versuche offensichtlich – so die Kritiker –  eine unangenehme Recherche zu seinen Gunsten zu beeinflussen. RWE müsse sich fragen lassen, wie zukünftig die Zusammenarbeit mit Journalisten aussehen solle, wenn diese befürchten müssten, dass Rechercheanfragen sofort öffentlich gemacht würden.

ARD-Korrespondent Arnd Henze wies zudem darauf hin, dass die unerlaubte Veröffentlichung von E-Mails auch urheberrechtlich bedenklich sein dürfte und rief die taz auf, dagegen rechtlich vorzugehen.
 

Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Frank Überall, kritisierte RWE scharf. Das Verhalten des Unternehmens sei schlicht und ergreifend unprofessionell und entspreche nicht den Branchenstandards.

RWE hat mittlerweile eingeräumt, sich nicht korrekt verhalten zu haben: „Wir haben einen Fehler gemacht, das tut uns leid. Wir haben uns bei dem Journalisten entschuldigt“, hieß es in einem weiteren Tweet. Er sei „versehentlich“ veröffentlicht worden, erklärte Lothar Lambertz, Leiter der Konzernpressestelle von RWE, auf Anfrage von Meedia.
 

Erst Mitte Februar war die Kommunikationsabteilung des Konzerns ganz ähnlich vorgegangen. Sie hatte Rechercheanfragen des WDR auf Twitter veröffentlicht, in diesem Fall jedoch erst kurz nach Veröffentlichung des entsprechenden Beitrags.
 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Twitter sponsert ein Team, das einen "offenen und dezentralisierten" Social-Media-Standard entwickeln soll. (c) Getty Images / Valeriy_G
Foto: Getty Images / Valeriy_G
Meldung

Twitter will „offenen Standard“ für Social Media

Ein von Twitter gesponsertes Team von unabhängigen IT-Experten soll einen „offenen und dezentralisierten“ Standard für Social Media entwickeln.
 
Ein Tweet über ihre Sneaker brachte Saskia Esken einigen Ärger ein. (c) Getty Images / chiewr
Foto: Getty Images / chiewr
Meldung

Esken erntet Shitstorm wegen Schuh-Tweet

Die neue SPD-Vorsitzende war offenbar so stolz auf ihre Schuhe, dass sie ihnen einen eigenen Tweet widmete. Die Reaktionen: wenig begeistert. »weiterlesen
 
Will man sich online mit Journalisten, Experten und Politikern vernetzen, kommt man an Twitter kaum vorbei. (c) Getty Images / royyimzy
Foto: Getty Images / royyimzy
Gastbeitrag

Wie man die richtigen Stakeholder findet

Unternehmen, die sich online mit Journalisten, Experten und Politikern vernetzen wollen, kommen an Twitter kaum vorbei. Wie baut man eine Community strategisch auf? »weiterlesen
 
Twitter launcht ein Privacy Center./ Hashtag: (c) Getty Images/Art24hr
Foto: Getty Images/Art24hr
Meldung

Twitter Privacy Center für Datenschutz gestartet

Twitter bündelt seine Datenschutzaktivitäten in einem Privacy Center für Datenschutz. »weiterlesen
 
Werbung, die Themen und nicht etwa Personen in den Vordergrund stellt, soll auch künftig erlaubt bleiben. / Hashtag: (c) Getty Images/FarAway
Twitter. Foto: Getty Images/FarAway
Meldung

Twitter schränkt Verbot politischer Werbung ein

Twitter will politische Werbung verbieten. Dafür überarbeitet das Unternehmen seine Regeln und rudert teilweise zurück. »weiterlesen
 
Ulf Poschardt verlässt Twitter. (c) Getty Images / zoff-photo
Foto: Getty Images / zoff-photo
Meldung

„Das klingt heulsusig“: Poschardt verlässt Twitter

Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“, verlässt Twitter. In seinem Blatt erklärt er, was ihn dazu bewogen hat. »weiterlesen