Foto: Thinkstock/Stephan Bock
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Glosse über redundanten PR-Sprech

„PR und PK sind Must-haves!“

Kennen Sie Business- und Kommunikations-Sprech mit Mehrwert?* Murtaza Akbar wünscht sich weniger Floskeln und Anglizismen in der PR-Branche.
Murtaza Akbar

„Nach der PK machen wir eine Telko zum Roll-out?“.

„Ja, das setze ich auf meine To-Do-Liste, damit wir das ergebnisoffen diskutieren können.“

„Super, da bin ich ganz bei Ihnen.“

Schon mal so oder ähnlich gehört? Floskeln sind in Business und Kommunikation Alltag, ja schon fast ein Must-have. Okay, das sind jetzt Anglizismen, aber die gehören natürlich auch schon lange dazu. Wie gut kennen Sie sich in der Szene aus?  

Ein Beispiel

Der People-Fotograf der Agentur für Public Relations sollte eigentlich nur einige High-Potentials beim Recruitingevent fotografieren, war aber irritiert: „Alle betonen es hier ständig. Was passiert heute denn nun am Ende des Tages?“. Eine ernstgemeinte Frage. Die Antwort des HR-Managers auch: „Jeder aus dem Talentpool geht dann in seinen Workshop, um die Themen der Agenda lösungsorientiert zu diskutieren.“ „Welche Themen?“ „Work-Life-Balance, Diversity, Change-Prozesse … Anschließend gibt’s eine Feedback-Runde, zu der sollten wir uns kurzschließen, weil ich Fotos von einigen Testimonials brauche.“ Aha.

Content, CSR und Consultants

Wer jetzt sagt, das ist echter Mehrwert – der hat recht und gehört dazu, zur echten Business- und Kommunikationsszene. Von Content Marketing Experten, Communication Consultants oder Spezialisten für Corporate Social Responsibility ganz zu schweigen. Sie arbeiten sowieso an Schnittstellen und könnten sicher von Herausforderungen oder Best-Practice-Beispielen aus B2B oder B2C erzählen, die nichts mit Floskeln zu tun haben, sondern mit Content, Strategy, Response, Monitoring, Trackings, skalierbaren Synergieeffekten und bester Performance.  

Es geht hier auch nicht um den Content, sondern ums Wording und die Tonality. Praktisch den Markenkern der Unternehmens­kommuni­kation, sorry, der Corporate Communications. Wer ein Briefing pro­aktiv ohne Business-Sprech zeitnah erstellt, tut sich keinen Gefallen, weil er sich beim entsprechenden Meeting nicht auf Augenhöhe befindet. Also wirklich, was soll das für ein Briefing sein? Denn urteilen Sie selbst: Wer der drei Projektmanager ist wichtiger? Der erste, der einen Anruf mit mehreren Bedenken­trägern tätigt. Der zweite, der für die Telko mit Multiplikatoren ins Besprechungszimmer geht. Oder derjenige, der einen wichtigen Conference-Call mit Stakeholdern im Konfi hat, um sich zu committen? 

Telefonat, Telko und Timeline

Ob bei den drei Telefonaten was herauskommt, ist natürlich eine ganz andere Frage. Es ist anzunehmen, dass es eher in die nächste Runde des Abstimmungsprozesses geht und eventuell die Zeit­fenster, sprich Timelines, vergrößert werden, damit die Instrumente implementiert werden können, um letztlich die Maßnahmen erfolgreich durchzuführen. Zur Sicherheit gibt es dann noch die Back-up-Lösung am besten aus dem Back-Office, liegt ja nahe. Dann ist alles im grünen Bereich – oder sie müssen ganz neu denken. Ein Brainstorming würde helfen.

Eine weitere Variante ist es, nicht nur die Mails, sondern auch die Clippings nach dem Monitoring zu checken. Wie das effizient und zielorientiert ohne Anglizismen erklärt werden kann? Schwierig, aber ohne englische Begriffe zu agieren, ist sowieso out. Auf den Social-Media-Kanälen klar ein No-Go. Übrigens, auf Instagram gibt es seit einigen Monaten einen richtig coolen Hashtag, der deutsche Wörter aus unserem Alltag, ja, das klingt echt altbacken, ästhetisch in Szene setzt. Einfach mal nachschauen, es lohnt sich. Der Name des Hashtags? #basicgermanwords 

*Für Insider: Dieser Content-Beitrag beinhaltet je nach Auslegung inklusive Redundanzen 108 bis 133 Szenebegriffe.

Mehr zum Thema Sprache in der PR finden Sie in unserer Sprachen-Ausgabe.

 
 

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Kommentare

Was sollen wir machen? Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird. Das denglische PR-Geplapper passt doch prima zum Slang der Managerelite. Ich bin schon lange der Meinung, dass Kommunikation (besonders nach innen) die Achillesferse der meisten Unternehmen ist und habe gelegentlich dazu auch geschrieben. Wie sehr die Unfähigkeit zum klaren, verständlichen Wort gegenüber Öffentlichkeit, Kunden und Mitarbeitern dem Geschäftserfolg schadet, müsste sich eigentlich langsam herumsprechen.

tut mir leid, aber es ist un bleibt unproduktives worthülsengewäsch, dass maximal als sozialer weichspüler funktioniert in einer sozialen gruppe, die längst auf inhalte zu verzichten gelernt hat


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