3.387 Kommunikationsmanager beteiligten sich am diesjährigen ECM (c)Thinktsock/foto-ruhrgebiet
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Studie

PR-Branche hat Nachholbedarf in visueller Kommunikation

Kommunikationsmanager bestätigen: Der Siegeszug der visuellen Kommunikation ist in vollem Gange. Doch viele Kommunikatoren verfügen nur über geringe Kompetenzen in diesem Bereich. Das sind die Ergebnisse des diesjährigen European Communication Monitor (ECM). 
Judit Cech

Der European Communication Monitor (ECM) vermisst die europäische PR-Branche seit über zehn Jahren. Die Branchenumfrage behandelt aktuelle Herausforderungen und künftige Trends der strategischen Kommunikation. Den Autoren zufolge stellt die diesjährige Ausgabe mit einer Rekordbeteiligung von 3.387 Kommunikationsmanagern aus 50 Ländern die größte jemals durchgeführte Studie zur strategischen Kommunikation von Unternehmen, Nichtregierungs- und anderen Organisationen dar.

Im Bereich visueller Kommunikation fehlen Kompetenzen

Visuelle Kommunikation ist für Organisationen aller Größenordnungen von zentraler Bedeutung. Das bestätigen 94,4 Prozent der Befragten. Jedoch gibt mehr als die Hälfte aller Kommunikatoren (53,3 Prozent) an, nur über geringe Kompetenzen in diesem Bereich zu verfügen. Ähnlich verhält es sich für die Organisationen und Unternehmen selbst: Während mehr als 80 Prozent über standardisierte Corporate-Design-Richtlinien verfügen, haben lediglich 36,7 Prozent umfangreiche visuelle Richtlinien zum Beispiel für Videoclips oder Animationen implementiert. Weniger als fünf Prozent haben bereits einen umfassenden Managementprozess für visuelle Kommunikation.

(c) European Communication Monitor 2017

Jeder zweite Kommunikationsmanager in Europa hat geringe Kompetenzen im Bereich der visuellen Kommunikation © European Communication Monitor 2017

Social Bots werden als Gefahr bewertet

Die Studie belegt einerseits eine kritische Haltung, andererseits aber auch Ahnungslosigkeit der Kommunikationsbranche in Bezug auf Social Bots. Nur ein Drittel der Befragten hat demnach die Debatte um die Meinungsroboter verfolgt und 15,9 Prozent gaben gar an, nichts mit dem Begriff anfangen zu können. Die deutschen Kommunikatoren sind da bereits weiter. Hier haben sich bereits zwei Drittel der Befragten mit dem Thema auseinandergesetzt.

(c) European Communication Monitor 2017

Deutsche Kommunikationsprofis verfolgen die Debatte um Social Bots besonders aufmerksam © European Communication Monitor 2017

Insgesamt sind die Befragten mehrheitlich der Meinung, dass Social Bots eine Gefahr für die Gesellschaft und die Reputation von Organisationen darstellen. 73,2 Prozent aller Kommunikatoren in Europa und 84,4 Prozent in Deutschland sehen neue ethische Herausforderungen. Lediglich vier von zehn Befragte betrachten den Einsatz von Social Bots als Chance für die Branche und ihre eigene Kommunikationsarbeit. 

(c) European Communication Monitor 2017

Social Bots werden primär als Bedrohung wahrgenommen © European Communication Monitor 2017

Hypermoderne hat Einfluss auf öffentliche Kommunikation

71,5 Prozent der befragten Kommunikatoren bestätigen in ihren Ländern eine Entwicklung hin zur hypermodernen Kultur. Die Hypermoderne ist charakterisiert durch übersteigertes Konsumdenken in vielen Bereichen auch jenseits von Produktmärkten, einen ständigen Wandel sowie eine überzogene Individualisierung. Organisationsintern macht sich dieser Wandel vor allem in Agenturen (57,2 Prozent) und eigentümergeführten Unternehmen (51,8 Prozent) bemerkbar. Organisationen, die sich in der Übergangsphase von der Post- zur Hypermoderne befinden, haben die Kommunikation mit ihren Stakeholdern bereits stark verändert. Sie beteiligen sich unter anderem stärker als andere aktiv an öffentlichen Debatten zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.

Die Ergebnisse im Video

 

 

Über den European Communication Monitor

Die am 29. Juni in Brüssel vorgestellte Studie wurde von einem internationalen Forscherteam unter Leitung von Ansgar Zerfaß, Professor für Strategische Kommunikation an der Universität Leipzig, durchgeführt. Organisiert wird die jährliche Studie von der European Association of Communication Directors (EACD) und der Euprera, dem europäischen Wissenschaftsverband für Kommunikationsmanagement und Public Relations, unterstützt von Prime Research, einem globalen Dienstleister für strategische Medienbeobachtung und Kommunikationsanalysen. Die Communication-Monitor-Reihe deckt weltweit über 80 Länder ab. Die europäische Befragung wird durch Vergleichsstudien in den Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika ergänzt.

Den vollständigen Ergebnisbericht mit allen Ergebnissen finden Sie hier.

 

 
 

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Kommentare

Ich finde besonders den Teil über visuelle Kommunikation sehr spannend. Die Konsumenten werden täglich mit Informationen und Reizen überhäuft. Eine gute Kommunikationsstrategie kann hier den Unterschied machen und die gewünschte Aufmerksamkeit erzielen. Diese Strategie geht über die CI hinaus und braucht für die Umsetzung besondere Kompetenzen, besonders für Videoclips und Animationen müssen die entwickelt und ausgebaut werden. Diese Medien spielen in der Zeit der Digitalisierung eine verstärkte Rolle. Aber auch klassische Medien wie Plakate oder Mailings können visuell ansprechend gestaltet werden, natürlich angelehnt an die CI. Wir gehen mittlerweile nach einer zweigeteilten Kommunikationsstrategie vor, digital und analog. Für den analogen Teil verwenden wir beispielsweise visuell anregende Briefkuverts unseres Partners (https://www.brief-huellen.de/). Derzeit ist es noch ein Experiment, aber über besondere visuelle Reize versprechen wir uns die nötige Aufmerksamkeit zu erzielen und unsere Message transportieren zu können.


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