Robert Birnecker ließ seine PR-Karriere hinter sich und wurde Whiskeybrenner in den USA. (c) Getty Images, Ozzie Ramsay Photography
Robert Birnecker ließ seine PR-Karriere hinter sich und wurde Whiskeybrenner in den USA. (c) Getty Images, Ozzie Ramsay Photography
PR-Aussteiger erzählen

„Ich lebe den amerikanischen Traum“

Drei Kommunikatoren erzählen, warum sie dem Beruf den Rücken gekehrt haben – und es nicht bereuen. In Teil zwei berichtet Robert Birnecker von seinem Weg zum Whiskeybrenner.
Aus der Redaktion

Bis 2007 habe ich für die österreichische Botschaft in Washington, D.C. im Presse-Department gearbeitet. Zu meinen Aufgaben gehörte nicht nur, klassische Statements zu veröffentlichen. Wir haben auch Events organisiert, die die österreichisch-israelischen Beziehungen in den Staaten stärken sollten, und ein Magazin für im Ausland lebende Österreicher verantwortet.

Es war ein sehr abwechslungsreicher Job, der mir auch deswegen gefallen hat, weil ich viel Verantwortung übernehmen und mitgestalten konnte. Einmal war ich bei einem Treffen mit der amerikanischen Außenministerin dabei. Kurz: Mein Arbeitsumfeld war wirklich spannend. Trotzdem musste man sich in den veröffentlichten Formulierungen natürlich an bestimmte Richtlinien und Vorgaben halten und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen und umgesetzt wurden, empfand ich als ziemlich schleppend.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meine amerikanische Frau kennengelernt. Wir stellten fest, dass wir beide das Gefühl hatten, in unserem jeweiligen beruflichen Umfeld an Grenzen gestoßen zu sein, dass wir uns nicht weiterentwickelten. Wir überlegten also, was wir Neues tun konnten – und waren dabei völlig offen für komplett andere Arbeitsumfelder.

Ein Restaurant mit deutschen Produkten? Ein Kaffeehaus im Wiener Stil, mitten in Chicago? Vor allem authentisch sollte es sein. Da erinnerte ich mich daran, dass ich meinen österreichischen Großeltern als Kind immer bei der Herstellung von Fruchtsäften, Most und Spirituosen geholfen hatte.

So kam eins zum anderen. Amerikanische Freunde zeigten sich begeistert vom Birnenschnaps, den ich ihnen aus meiner österreichischen Heimat mitgebracht hatte. Wir lasen Artikel, die ein „Whiskey-Revival“ heraufbeschworen, und stellten zugleich fest, dass es im amerikanischen Destillerie-Business erstaunlich viel Raum für Neugründungen gab. Lediglich etwa 30 Brennereien waren insgesamt in den USA gelistet.

Meine Frau und ich empfanden das als regelrechte Marktlücke. Und so war uns plötzlich ganz klar: Eine Brennerei soll es sein! Ab 2008 steckten wir dann all unsere Energie in unsere Geschäftsidee. Wir investierten unser komplettes Erspartes, zogen – um Geld einzusparen – sogar zu meinen Schwiegereltern und arbeiteten uns Step by Step in die neue Branche ein.

Das Unternehmerische machte mir von Anfang an Spaß, ich genoss die Freiheit, Dinge selbst entscheiden zu können und am Ende ein handfestes Produkt in den Händen halten zu können. Etwas pathetisch ausgedrückt: Wir leben den American Dream. Zwar haben wir uns nicht ganz „vom Tellerwäscher zum Millionär“ hochgearbeitet. Aber: Heute beschäftigen wir 53 Angestellte und sind stolz auf unsere „Koval Distillery“.

Protokoll: Simone Dettelbacher

 

 
Robert Birnecker mit Frau Sonat (c) Ozzie Ramsay Photography
Robert Birnecker
Koval Distillery
Geschäftsführer

Als Vize-Presseattaché der österreichischen Botschaft zog Robert Birnecker in den 2000er-Jahren nach Washington, D.C. Vor zehn Jahren gründete der heute 36-Jährige mit seiner Frau Sonat eine Brennerei in Chicago, wo beide heute Geschäftsführer sind.

 


randbemerkung

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