Redenschreiberverband hat die Wahlkampfauftritte zur Europawahl ausgewertet
Redenschreiberverband hat die Wahlkampfauftritte zur Europawahl ausgewertet

Politik im Plauderton

Martin Schulz (SPD) und David McAllister (CDU) bewiesen in Ihren Wahlkampfreden rhetorisches Können und brachten, laut Redenschreiberverband, ihre Idee von Europa besonders glaubwürdig und leidenschaftlich herüber.
Jeanne Wellnitz

Martin Schulz (SPD) hat die besten Wahlreden zur kommenden Europawahl gehalten. Das ist das Ergebnis der Wahlredenanalyse des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Schulz argumentierte äußerst stringent und entschied das Kopf-an-Kopf-Rennen mit David McAllister (CDU) letztlich für sich. Dafür habe McAllister die Zuhörer mit sehr persönlichen Geschichten unterhalten, so der Verband.

Laut VRdS haben Schulz und McAllister ihre Reden mit sprachlichen Stilmitteln aufgelockert und den Weg für einen verständlicheren Redestil in der Politik geebnet. Rebecca Harms (Grüne), Markus Ferber (CSU) und Alexander Graf Lambsdorff (FDP) haben ebenfalls wie die Erst- und Zweitplatzierten auf sperrigen Satzkonstruktionen und Substantivierungen verzichtet und sogar Humor gezeigt.

AfD und Linke hielten die schlechtesten Reden

Bernd Lucke (AfD) und Gabi Zimmer (Linke) nutzten hingegen kaum rhetorische Stilmittel und bilden das Schlusslicht der Auswertung. Luckes „Habitus des Dozierens“, wie der Verband es formuliert, habe das Publikum unnötig gefordert, ohne es emotional zu erreichen. Zimmers Nominalstil und bildlose Sprache sei weit entfernt von der Lebenswelt ihrer Zuhörer gewesen. Trotzdem wirkten Zimmer und Lucke fachlich kompetent.

Zur Analyse

Der VRdS analysierte CDU- und SPD-Kandidaten und Redner von CSU, Grünen, FDP, der Linken und der AfD. Der Verband besuchte die Wahlauftritte der Spitzenkandidaten verschiedener Parteien und bewerteten die Reden nach neun Kriterien (Aufbau der Reden, Sprache, Stil, schlüssige Argumentation, Vortrag, Selbstdarstellung, Inszenierung der Veranstaltung, Wirkung auf das Publikum und Gesamteindruck).

Insgesamt stellte der Verband fest, dass zunehmend erzählerische Elemente eingeflochten wurden. Es ging dabei ausschließlich um rednerische Qualität, nicht um politische Inhalte.

 
 

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