Mit Emotionen erreicht man Menschen – auch beim Podcast. / Symbolbild (c) Getty Images/Patrick Daxenbichler
Mit Emotionen erreicht man Menschen – auch beim Podcast. / Symbolbild (c) Getty Images/Patrick Daxenbichler
Interne Kommunikation

Podcasts mit Pfeffer

Sandoz-Kommunikator Hans Wolfgang Friede setzt bei Podcasts auf Emotionen. Seit Kurzem nutzt er für die Audioproduktion deshalb eine App für Videokonferenzen.
Carola Hug

Als Fernsehjournalist hat Hans Wolfgang Friede eines gelernt: Emotionen sind der Köder, der Zuschauer*innen vor den Bildschirm lockt. Vor einigen Jahren hat er die Seiten gewechselt und ist heute zuständig für die deutschlandweite Kommunikation beim Pharmaunternehmen Sandoz. Seine Zielgruppe sitzt nicht mehr mit der Fernbedienung auf dem Sofa – doch Emotionen hält Hans Wolfgang Friede immer noch für wichtig, wenn er Menschen erreichen will.

Stimme macht Stimmung

Deswegen setzt er in der Mitarbeiter*innenkommunikation vermehrt auf Podcasts: „Stimme, Tonlage und Sprechtempo transportieren viel mehr Gefühl und Begeisterung, als das zum Beispiel ein Blog oder ein Newsletter kann. Die Bandbreite ist also größer.“ Einmal im Monat lädt Friede einen der Vorstände zum Gespräch ein. Als Moderator achtet er sehr genau darauf, dass der Podcast nicht zur reinen Infoveranstaltung wird. „Mehr als ein oder zwei Zahlen kann man sich als Hörer*in ohnehin nicht merken. Da funktioniert Geschriebenes besser, da kann man immer wieder nachlesen. In unserem Podcast geht es mehr um Menschen und was sie mit unserem Unternehmen verbindet.“

Hans Wolfgang Friede ist der Wiedererkennungswert wichtig. In einer regelmäßigen Rubrik stellt der interne Podcast eine Abteilung von Sandoz Deutschland vor. Im Mittelpunkt stehen besondere Leistungen der Kolleg*innen: „Die Mitarbeiter*innen fühlen sich wahrgenommen und bestätigt. Wir haben das früher schon im Blog getan, stellen aber fest, dass es im Podcast wesentlich emotionaler rüberkommt. Wenn Lob und Anerkennung persönlich ausgesprochen werden, hat das nochmal einen ganz anderen Stellenwert.“  Für die Mitarbeiter*innen ist das natürlich ein Ansporn, regelmäßig in den Podcast reinzuhören.


Praxistipps für Mitarbeiter*innen-Podcasts

  1. Suchen Sie einen Menschen, der gerne moderiert und eine angenehme Stimme hat. Das ist ausschlaggebend, ob der Podcast gut ankommt.
  2. Die moderierende Person sollte ein wenig Spaß an der Technik haben. Dann sind Aufnahme und Schnitt kein Problem und können alleine bewältigt werden.
  3. Bei der Moderation sollte darauf geachtet werden, dass ein Gespräch entsteht und nicht nur Fragen abgearbeitet werden.
  4. Suchen Sie Geschichten in den Abteilungen Ihres Unternehmens, die Sie im Podcast erzählen können.
  5. Führen Sie feste Rubriken ein, die den Wiedererkennungswert steigern.
  6. Falls die Personen während des Gesprächs nicht in einem Raum sitzen können, nutzen Sie ruhig eine App für Videokonferenzen. Aber achten Sie auf professionelle Mikrofone.
  7. Überfrachten Sie den Podcast nicht mit Zahlen oder Fakten. Dafür sind andere Kanäle geeigneter.
  8. Lassen Sie den Podcast nicht zu lange werden. Lieber dafür öfter eine Ausgabe einplanen.

Die Chemie zwischen den Gesprächspartner*innen ist wichtig, um eine gewisse Leichtigkeit herzustellen. Schließlich braucht es auch ein wenig Entertainment, damit die Hörer*innen nicht abschalten.  Durch die Corona-Pandemie können Friede und seine Gäste bei der Aufnahme nicht mehr im selben Raum sitzen. „Wir haben es dann mit einer Audio-App versucht, aber schnell gemerkt, dass dann der Funke nicht überspringt. Die Gespräche waren wesentlich steifer.“ Deswegen greifen sie seit einiger Zeit auf eine Videokonferenz-App zurück und schneiden nur den Ton mit. „Wenn du dein Gegenüber nicht sehen kannst, geht ganz viel nonverbale Kommunikation verloren. Dem Gespräch fehlt es dann an Pfeffer.“

Kommunikation „to go“

Stellt sich die Frage: Warum den Mitarbeiter*innen nicht gleich ein Video anbieten? Schließlich ist Friede die Arbeit mit der Kamera nicht fremd. „Videobotschaften sind in unserer internen Kommunikation wichtig. Da haben wir gute Formate entwickelt. Aber die meisten Mitarbeiter*innen – vor allem im Außendienst – haben oft nicht die Zeit, sich die Filme während der Arbeitszeit in Ruhe anzuschauen.“ Podcast funktioniert da einfacher: Schnell mit der internen App aufs Smartphone laden und im Auto zum Beispiel auf der Heimfahrt anhören. Die durchschnittliche Länge eines monatlichen Podcasts ist mit 20 bis 30 Minuten ideal für kürzere Fahrten. Die Download-Zahlen bei Sandoz Deutschland zeigen, dass die Idee ankommt. Rund 70 Prozent der Mitarbeiter*innen laden sich die jeweiligen Folgen runter oder hören sie online.

Ein weiteres Argument für Podcasts in der internen Kommunikation ist natürlich der geringe Zeit- und Kostenaufwand. Niemand muss für die Aufnahmen vor Ort sein. Podcast kostet nur einen Bruchteil von Videos, denn aufwändiges Licht oder Hintergrundgestaltung entfallen. Auch die Nachbearbeitung hält sich meistens in Grenzen. „Wenn wir Video einsetzen, muss es hochwertig wirken. Das ist ein immenser Aufwand. Wir engagieren dazu oft ein professionelles Team. Wenn sich die Mitarbeiter*innen die Zeit nehmen, konzentriert vor dem Monitor zu sitzen, wollen wir auch was fürs Auge bieten.“ Man merkt, dass das Herz des TV-Menschen Friede noch immer für die Arbeit mit der Kamera schlägt – aber Podcasts sind seine neue Liebe.

 

 
 


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