Was wird sich alles mit dem neuen Facebook-Algorithmus ändern? Gar nichts, sagt unser Gastautor. (c) Thinkstock/Deskcube
Was wird sich alles mit dem neuen Facebook-Algorithmus ändern? Gar nichts, sagt unser Gastautor. (c) Thinkstock/Deskcube
Debatte um neuen Facebook-Algorithmus

Panik. Jetzt!?

Facebook verändert seinen Algorithmus. Unternehmenskommunikatoren zwingt das zum Umdenken. Dabei entsteht dadurch sogar eine Chance, meint Bayer-Stratege Christophe Kampa.
Christophe Kampa

Mark Zuckerbergs Ankündigung, den Facebook-Algorithmus zugunsten privater Nutzermeldungen zu optimieren, hat für aufgeregte Diskussionen in der Medienwelt gesorgt. Die Filterblase werde nun noch stärker die Meinungen diktieren, lautet eine Befürchtung. Kommentatoren sehen das Ende Unternehmenskommunikation auf Social Media nahe. Doch was ändert sich denn wirklich?

Fanseiten haben in den vergangen Jahren bereits erheblich an organischer Reichweite verloren. 2011 konnte man mit einem süßen Katzenbild noch nahezu 50 Prozent seiner Facebook-Fans erreichen. Reichweite frei Haus – eine wunderbare Zeit zum Austoben. Doch die Trial-and-Error-Jahre sind lange vorüber. Facebook zwang uns mit der niedrigeren Reichweite, die Qualität unserer Beiträge zu steigern.

Wenn nicht mehr alles auf den Startseiten der User erscheint, dann müssen wir halt dafür sorgen, dass unser Content so relevant ist, dass echte Menschen, Mitarbeiter, Partner, Kunden, aber auch Kritiker damit interagieren und unseren Content somit in die privaten Timelines der Menschen spülen. Diesen Prozess machen wir nicht erst seit gestern durch. Von daher schockiert uns die Ankündigung von Zuckerberg auch nicht. Nichts ändert sich.

Warum sollte sich ein Follower auch nur 30 Sekunden mit den Inhalten von Bayer auseinandersetzen? Diese Frage steht. Und die Beantwortung ändert sich auch nicht durch eine niedrigere organische Reichweite. Unsere Posts müssen relevant sein. Wir müssen auch mal klare Kante zeigen, uns direkt an unsere Zielgruppen richten. Eindeutig sein in Botschaft und Sprache. Wir glauben jedenfalls fest daran, dass guter Content dem Algorithmus trotzen kann.

Wir sind nicht naiv

Natürlich sind wir keine Social-Romantiker. Uns ist bewusst, dass wir mit einem gezielten Anzeigenbudget unsere Beiträge besser platzieren müssen. Zuckerberg will Facebook nicht nur persönlicher machen, sondern eben auch höhere Werbeeinnahmen durch uns generieren. Angekommen. Wissen wir. Trotzdem kann das nicht die einzige Lösung sein, um wahrgenommen zu werden.

Anstatt noch mehr Zeit, Geld und Aufwand in irgendwelche Werbetools zu stecken, sollten wir unsere Arbeit lieber in das höchste und wichtigste Gut des Unternehmens investieren: in unsere Mitarbeiter.

Wie motivieren wir Mitarbeiter, sich mit unseren Themen auseinanderzusetzen? Welche Anreize können wir schaffen, damit nicht nur sie, sondern auch Partner, Kunden oder auch Kritiker unsere Inhalte teilen und sich bei Diskussionen engagieren? Wie können wir Haltung zeigen und damit tatsächlich relevant sein?

Dies sind für uns die spannenderen Fragen nach Zuckerbergs Ankündigung. Wenn der Newsfeed auf Facebook in Zukunft persönlicher wird, dann braucht Bayer vielleicht mehr Persönlichkeit.

 

 
 

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