Edeka ist Schlusslicht im Oxfam-Supermarkt-Ranking./ Supermarkt: (c) Getty Images/ sergeyryzhov
Edeka ist Schlusslicht im Oxfam-Supermarkt-Ranking./ Supermarkt: (c) Getty Images/ sergeyryzhov
Supermarkt-Check 2019

Oxfam-Studie: Supermärkte missachten Menschenrechte

Oxfam hat Supermarktketten bei der Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten. Die Ergebnisse der deutschen Konzerne sind besser als noch 2018 aber dennoch nur mangelhaft und ungenügend.
Toni Spangenberg

Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam will Supermärkte bei der Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten in ihren Lieferketten zum Umdenken bringen und veröffentlicht daher seit 2018 einen internationalen Supermarkt-Check. Deutsche Märkte haben sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert, erreichen aber dennoch nur hintere Plätze. Internationales Schlusslicht ist Edeka, das nur einen von 100 möglichen Punkten erreicht. Deutscher Spitzenreiter ist Aldi Süd mit 19 Prozent. Dahinter folgen Rewe (13 Prozent), Lidl (9 Prozent) und Aldi Nord (5 Prozent). Für den Supermarkt-Check hat Oxfam Unternehmen in vier Kategorien untersucht: Transparenz und Unternehmensführung, Frauenrechte, Arbeiterrechte und Umgang mit Kleinbauern.

So ermittelte Oxfam beispielsweise, ob sich die Firma zu den UN-Leitprinzipien bekennt, Berichte über die Einhaltung dieser veröffentlicht, sich zu den UN-Grundsätzen zur Stärkung von Frauen in Unternehmen bekennt oder Fair-Trade-Produkte in mindestens drei verschiedenen Kategorien einkauft. 2018 erreichten die deutschen Supermärkte Aldi Süd, Aldi Nord, Edeka und Rewe nur ein Prozent, Lidl landete bei fünf Prozent. Dieses Abschneiden habe die Konzerne – mit Ausnahme von Edeka – wachgerüttelt.

Aldi Süd ist in Deutschland führend

Die meisten Fortschritte erzielte Aldi Süd im Oxfam-Ranking. Nach dem ersten Check sei das Unternehmen genauso wie Rewe auf die Organisation zugegangen, um konkrete Maßnahmen zu diskutieren. Besonders im Bereich Transparenz und Unternehmensführung habe Aldi Süd gehandelt und erreicht hier nun 31 Punkte.

Das Unternehmen verpflichtet sich zur Einhaltung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Es hat einen Menschenrechtsbeauftragten auf Führungsebene eingesetzt und eine menschenrechtliche Risikoanalyse seiner Produkte veröffentlicht. Einige Maßnahmen von Aldi Süd dürften wohl auf den britischen „Modern Slavery Act“ zurückzuführen sein, der Firmen unter anderem dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel und Zwangsarbeit in der Lieferkette offenzulegen. Anders als Aldi Süd ist Aldi Nord nicht in Großbritannien vertreten, weshalb es dem Gesetz nicht unterliegt. Dies sieht Oxfam als mögliche Ursache für das schlechtere Abschneiden im Check. Bei Rewe und Lidl hat sich Ähnliches getan. Beide erreichen in dieser Kategorie je 25 und 21 Prozent.

„Die Supermärkte bewegen sich zu langsam“

Insgesamt kommt allerdings kein deutscher Supermarkt auf 20 Prozent. Laut Oxfam fehlten bisher Fortschritte in vielen Bereichen. So gebe es keine Rückverfolgbarkeit und Offenlegung von Lieferanten sowie Informationen zu bei diesen herrschenden Arbeitsbedingungen. Die Zahlung existenzsichernder Löhne, Schaffung von Anreizen für Lieferanten mit guten Arbeitsbedingungen werde vernachlässigt. Und die Konzerne verpflichteten sich nicht zur Vermeidung unlauterer Handelspraktiken gegenüber Lieferanten und zur Zusammenarbeit mit Gewerkschaften auf internationaler und lokaler Ebene. Besonders schlecht schnitten sie in der Kategorie Frauenrechte ab. Nur Aldi Süd erzielte hier zehn Prozent, alle anderen null. Oxfam meint, „Ja, die Supermärkte bewegen sich. Allerdings viel zu langsam.“

International liegen die Briten mit Tesco und Sainsbury’s vorn. Im Gegensatz zu deutschen Ketten arbeitet Tesco beispielsweise mit Gewerkschaften zusammen, hat Maßnahmen zur Zahlung existenzsichernder Löhne ergriffen und sich zur Vermeidung unlauterer Handelspraktiken verpflichtet.

Sainsbury’s legt beim Thema Frauenrechte vor, indem es unter anderem spezifische Probleme für Arbeiterinnen und Kleinbäuerinnen in der Lieferkette identifiziert, um sie zusammen mit Frauenorganisationen zu lösen. Tesco und die US-Kette Ahold haben sich als einzige zur Einhaltung der UN-Grundsätze zur Stärkung von Frauen in Unternehmen verpflichtet. International belegt Tesco den 1. Platz, erreicht allerdings auch nur 38 von 100 Prozent. Daher fordert Oxfam die Märkte auf, zu handeln, damit künftig „nicht andere die Rechnung für unseren Einkauf zahlen.“

 

 

 
 


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