John Kornsblums Galarede zur deutsch-amerikanischen Freundschaft (c) Thinkstock
John Kornsblums Galarede zur deutsch-amerikanischen Freundschaft (c) Thinkstock

Orientierungslos im Wind des Zeitgeists - John Kornblums Speakersnight-Rede

Die Partnerschaft zwischen Amerika und Deutschland sei faktisch gut, dennoch stolperten wir in der Kommunikation immer noch über unsere Vergangenheit, sagt der ehemalige US-Botschafter John Kornblum. Eindrücke seiner Galarede auf der Speakersnight 2014

„Communication Management, was ist das eigentlich?“, fragt John Kornblum sein Publikum auf der diesjährigen Speakersnight. Er antwortet darauf einige Sätze später mit einem Zitat: „Wie heißt es so schön: Diplomaten bekommen viel Geld, um für ihr Land zu lügen.“ Doch das sei gelogen! „So viel Geld verdienen wir gar nicht“, scherzt der ehemalige US-Diplomat und Applaus geht durch den Saal.

„Es gibt Lügen, verdammte Lügen, und dann gibt es die Statistik“, geht John Kornblum übergangslos ins nächste Zitat über. In die heutige Zeit überträgt, lautet dieser Aphorismus für den 71-Jährigen wie folgt: „Es gibt Lügen, verdammte Lügen und die Demoskopie.“ Er habe sich kürzlich ein Tablet gekauft, und die Apps fragten immer wieder nach seinen persönlichen Daten. Das ständige Messen und Erheben habe Vorteile, sei aber auch problematisch, bleibt John Kornblum ungewiss. Datenjagd ist heutiger Zeitgeist. Um seine Einstellung zu illustrieren, zieht Kornblum einen „großen deutschen Philosophen" zurate: „Der Wind des Zeitgeistes weht heute da und morgen da. Und wer sich danach richtet, der wird vom Winde verweht.“

Dieser „Philosoph“ war Altkanzler Helmut Kohl. „Wir fühlen uns wohl alle vom Winde verweht“, schlussfolgert John Kornblum. Er überlässt die Zuhörer ihren eigenen Gedanken dazu und widmet sich seiner zentralen Frage. Wie steht es um die deutsch-amerikanische Beziehung? „Die Partnerschaft zu Amerika ist faktisch in Ordnung!“, stellt er fest. An einer guten Kommunikationsstrategie zwischen Deutschland und den USA hätten sich die Regierungen jedoch fruchtlos abgearbeitet.

Jeder Deutsche habe sein eigenes Amerikabild, aufgeben wolle das niemand ohne weiteres. Barack Obama, Peacemaker oder Drohnenkapitän? „43 Prozent der Deutschen wollen nichts mehr mit Amerika zu tun haben“, bringt er Zahlen ins Spiel. Doch wie soll Amerika die Ansprüche der Deutschen erfüllen? Einerseits solle das Land die Zukunft sein, andererseits werde es als Bedrohung empfunden. Dabei seien unsere Kulturen vermischt, sagt Kornblum und verweist auf die jüngst eingeweihte „Mall of Berlin“, die keineswegs mehr nur „Einkaufszentrum“ heiße.

Am Abend des 25. September wendet sich der frühere US-Botschafter mit einer Aufgabe an die Kommunikatoren im Saal. Wir, Deutschland und Amerika, brauchen ein neues Vokabular, um zu verstehen, was los ist. „Das ist Ihre Aufgabe, liebe Pressesprecher.“ Wir müssen auf einen grünen Zweig kommen und aufhören, immer wieder über die eigene Vergangenheit zu stolpern.

 

 
John Kornblum
Ehemaliger US-Botschafter in Deutschland

John Christian Kornblum war US-Botschafter in Deutschland und wechselte 2001 vom diplomatischen Dienst in die Wirtschaft und lebt seitdem in Berlin.

 

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