Annabelle Atchison spricht sich gegen die Trennung von privaten und beruflichen Online-Profilen aus (c) Thinkstock/MariaTkach
Annabelle Atchison spricht sich gegen die Trennung von privaten und beruflichen Online-Profilen aus (c) Thinkstock/MariaTkach

Online ist genauso Öffentlichkeit wie offline

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. Kommunikationsberaterin Annabelle Atchison will gar nicht erst mit jemandem verbunden sein, der nur seine glattgestriegelte Business-Seite zeigt. Teil eins unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven".
Hilkka Zebothsen

Für alle, die nicht an Multipler Persönlichkeitsstörung leiden, gibt es heutzu­tage meiner Meinung nach eigentlich keine annehmbare Ausrede mehr für den Social-Media-Maskentanz. Trotzdem gilt gerade auf deutschen Konferenzen immer noch Vorsicht, wenn man sich vernetzen will. „Nutzen Sie Facebook auch beruflich?“, muss man da fragen. Und oft bekommt man ein „Nein“ zu hören – Berufliches bitte nur über XING. Oder noch schlimmer: „Ich habe ein berufliches und ein privates Facebook-Profil.“ Für jemanden wie mich ist das unverständlich. Gerade als Kommunikationsprofi gibt man sich mit solch einer Aussage die Blöße. Warum?

Als Digital Native habe ich verstanden, dass Online genauso Öffentlichkeit ist wie Offline. Und auch wenn ich in Jeans statt Kostüm in den Supermarkt gehe, bin ich ein und dieselbe Person, wenn mir ein Kunde über den Weg läuft. Richtig privat ist Online schon lange nicht mehr.

Und weil Online öffentlich ist, muss ich doch gerade als Kommunikationsprofi damit umgehen können. Wer heute noch immer nicht verstanden hat, wie Facebook-Listen funktionieren, wer sinnfreie Essens-Updates im Minutentakt auf Twitter postet oder wer XING fürs Anbaggern nutzt, der zeigt, dass er die Spielregeln der Plattformen noch nicht verstanden hat und ihm die nötige Medienkompetenz fehlt. Wenig vertrauenserweckend für die Kunden.

Zu guter Letzt: Einen beruflichen und einen privaten Account zu haben, ist unhöflich und vor allem Grund für Misstrauen bei denjenigen, die zum privaten keinen Zugriff bekommen. Social Media ist social. Wer sich abschirmt und mir nur die glattgestriegelte Business-Seite zeigt, mit dem will ich eigentlich auch gar nicht verbunden sein.
 

 
Annabelle Atchison spricht sich gegen die Trennung von privaten und beruflichen Online-Profilen aus (c) AlexSchelbert.de
Annabelle Atchison
Kommunikationsberaterin

Annabelle Atchison ist freie Kommunikationsberaterin. Zuvor war sie Director bei 33 Digital.

 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Kommentare

Sie argumentieren damit, dass ein berufliches und privates Profil unbedingt zusammengeführt werden *soll*, da man innerhalb des Profils sein privates und berufliches Publikum z.B. mit Listen trennen kann. Dabei vergessen Sie aber anscheinend, wie transparent Facebook die Nutzeraktivitäten macht. Öffentliche Likes und Kommentare können eben nicht gruppenspezifisch zugänglich gemacht werden, so dass der Kollege dann doch sehr private Inhalte sehen kann. Und da beziehe ich mich nicht auf dumme Essens-Fotos und Anbagger-Sprüche, sondern auf private Meinungen, Vorlieben und Interessen. Denn wie sie schon sagten - Facebook ist social. Wer mit Freunden, Bekannten UND Arbeitskollegen auf FB befreundet ist, braucht schon ein verdammt gutes Verständnis für die Darstellung seines Persönlichkeitsprofils ... Ich glaube nicht, dass das mit ihrem Plädoyer erreicht werden kann (weil man eben doch nicht alles managen kann auf FB). Denn ja, man möchte eben doch nicht, dass Arbeitskollegen dasselbe auf FB sehen wie die besten Freunde. Und in der Regel ist man aus letzterem Grund dort angemeldet. Daher wird sich auch das Nutzerverhalten letzerem eher anpassen als der Darstellung gegenüber den Kollekegen. Viele Grüße

Ich nehme mir die Freiheit, ein Privatleben zu führen, online wie offline.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Bitte nicht nerven! Annette Schwindt warnt davor, die eigenen Follower mit Dopplungen im Newsfeed zu nerven. (c) Thinkstock/Ken Drysdale
Foto: Thinkstock/Ken Drysdale
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Dopplungen können auf Dauer ganz schön nerven

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. Kommunikationsberaterin Annette Schwindt warnt davor, die eigenen Follower mit Dopplungen im Newsfeed zu nerven. Teil zwei unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven". »weiterlesen
 
Bitte nicht nerven! Annette Schwindt warnt davor, die eigenen Follower mit Dopplungen im Newsfeed zu nerven. (c) Thinkstock/Ken Drysdale
Foto: Thinkstock/Ken Drysdale
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Dopplungen können auf Dauer ganz schön nerven

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. Kommunikationsberaterin Annette Schwindt warnt davor, die eigenen Follower mit Dopplungen im Newsfeed zu nerven. Teil zwei unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven". »weiterlesen
 
Thomas Mickeleit über private und öffentliche Nutzerprofile (c) Thinkstock/joruba
Foto: Thinkstock/joruba
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

Raus aus dem Versteck!

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. Thomas Mickeleit, Director of Communications und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland, sagt, ein privater Account sei bloßes Versteckspiel. Teil drei unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven".     »weiterlesen
 
Netzprofile sollte die Organisation anlegen, nicht eine Person (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

Social-Media -Accounts sollten von Organisationen angelegt werden, nicht von Personen

Sollte man berufliche und private Netzprofile trennen? Hier sprechen PR-Profis Klartext. BITKOM-Sprecher Maurice Shahd plädiert für Profile ausschließlich für den Job. Teil vier unserer Serie "Ein Thema, vier Perspektiven". »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Viktor Hertz entwirft ehrliche Firmenlogos./ ehrliches Logo: (c) Instagram/ David Hertz
So sehen ehrliche Logos aus. Foto: Instagram/ David Hertz
Meldung

Wenn Logos von Firmen ehrlich wären

Wie würden Firmenlogos aussehen, wenn sie zum jeweiligen Auftreten der Unternehmen passten? Viktor Hertz beantwortet die Frage, indem er ehrliche Logos kreiert. »weiterlesen
 
Mit Multi Angle Streaming können Nutzer ein live gestreamtes Event aus verschiedenen Perspektiven betrachten. (c) Getty Images / Kuzmik_A
Foto: Getty Images / Kuzmik_A
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Mit Multi-Angle-Streaming immer live dabei

Die Art und Weise, wie Menschen Inhalte konsumieren, verändert sich immer schneller. Das birgt auch Chancen für die Unternehmenskommunikation. Beispielsweise, wenn es um die Übertragung von Bewegtbild in Echtzeit geht. »weiterlesen
 
Das einzige Risiko bei einem Corporate-Influencer-Programm ist, dass es einschläft. / Klaus Eck: (c) raimund-verspohl-portraits.com
Klaus Eck betreut das Corporate-Influencer-Programm der LV1871. Foto: raimund-verspohl-portrais.com
Interview

„Corporate Influencer sind eine Riesenchance“

Wer Corporate Influencer sinnvoll einsetzt, kann sich die eigene Facebookseite sparen. Doch ihr Einsatz ist kein Selbstläufer, wie Klaus Eck erklärt. »weiterlesen
 
Juul-CEO Kevin Burns tut es leid, das Jugendliche sein Produkt nutzen. / E-Zigarette: (c) Getty Images / Sergey Nazarov
Juul verfolgt dieselben Strategien wie die Tabakindustrie. Foto: Getty Images / Sergey Nazarov
Meldung

Juul-CEO über abhängige Teenager: „I’m sorry“

Juul-CEO Kevin Burns entschuldigt sich bei Eltern, deren Kinder die E-Zigaretten des Unternehmens nutzen. Diese seien nicht für Teenager gedacht. »weiterlesen
 
Wie glaubwürdig sind Journalisten, die PR-Events moderieren?/ Moderatoren: (c) Getty Images/ kasto80
Freie Journalisten sind auf jeden Auftrag angewiesen. Foto: Getty Images/ kasto80
Bericht

Sind Journalisten käuflich?

Wenn Journalisten sich von Unternehmen oder Verbänden als Moderatoren engagieren lassen, kann das Aufmerksamkeit entfachen. Doch gilt es, genau abzuwägen – auf beiden Seiten. »weiterlesen
 
Donald Trump veranstaltet einen Social-Media-Gipfel ohne soziale Medien./ Social-Media-Summit: (c) Twitter/@realDonaldTrump
Trump empfängt rechte Hetzer zum Social-Media-Gipfel. Foto: Twitter/@realDonaldTrump
Meldung

Trump lädt rechte Trolle zum Social-Media-Gipfel

Donald Trump empfängt rechte Trolle und Verschwörungstheoretiker zum Social-Media-Gipfel. Facebook, Twitter und Co. wurden nicht eingeladen.