Unternehmen sollten wissen, wofür sie stehen. (c) Getty Images / 3D_generator
Unternehmen sollten wissen, wofür sie stehen. (c) Getty Images / 3D_generator
Unternehmenswerte

Ohne Sinn bleibt nur Unsinn

Der Begriff „Purpose" wird vielerorts bereits als Buzzword verschrien. Künftig wird das Thema jedoch eher noch an Bedeutung gewinnen. Unternehmen sollten sich also klar darüber werden, welche Werte sie vertreten.
Kerstin Feddersen

Am Wochenende war ich auf einer Hochzeit, einer kirchlichen Trauung, bei der ich über Sinn, über Werte und Zusammenhalt nachdenken musste. Dazu kam es, weil die Braut gleichzeitig auch die Pastorin des kleinen Ortes im Süden unseres Landes ist. Und obwohl der Kreis der geladenen Gäste nur aus engen Freunden bestand, war das ganze Dorf auf den Beinen: Die Kirche wurde heimlich geschmückt und gewienert, der Musikverein spielte in Tracht auf, die schönsten Kleider wurden angezogen und das Brautpaar beim Auszug aus der Kirche feierlich und mit kleinen Geschenken empfangen. Bis die Gäste endlich gratulieren konnten, war eine Stunde vergangen.

Warum erzähle ich das? Weil dieser Zusammenhalt, für den die „Gemeinde-Chefin“ mit ihrer täglichen Arbeit sorgt, die weit über eine 40 Stundenwoche hinausgeht und keine geregelten Arbeitszeiten kennt, so viel Sinn macht. Sie hält mit ihrer Persönlichkeit und mit ihrer Haltung ein ganzes Dorf zusammen, sie schlichtet, tröstet, gibt Orientierung und auch so etwas wie „Purpose“, indem sie jeden Sonntag versucht, ihrem Team die Frage nach dem „Warum?“ zu beantworten. Und das alles durch Kommunikation. Interne Kommunikation. Führungskräftekommunikation.

Dies ist keine Ode an die Kirche, und dieser Artikel hat auch nichts mit Religion zu tun. Das Beispiel ist für mich aber auf die Unternehmen übertragbar, in denen die meisten von uns arbeiten. Ist unser Chef oder unsere Chefin ein Mensch ohne Rückgrat, ohne Empathie und ohne Haltung, dann identifizieren wir uns weniger mit dem, was wir tun. Ist er oder sie nicht in der Lage, uns wertschätzend im Alltag zu begegnen und die Frage nach dem „Warum?“ zu beantworten, suchen wir woanders nach Antworten – und wechseln vielleicht den Job. 

Überlegen, wofür das Unternehmen steht

Auch wenn in vielen Foren das Thema „Purpose“ bereits als Kommunikations-Buzzword begraben wird, sind wir sicher, dass es eher noch an Bedeutung gewinnen wird. Die jungen Menschen, die seit einigen Monaten auf die Straße gehen, um andere wachzurütteln, sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von morgen. Sie sind kritisch, gut ausgebildet, engagiert. Sie werden Fragen stellen: Wie nachhaltig ist das, was wir hier tun – und zwar in Bezug auf alle drei Bereiche: Ökologie, Wirtschaft und Soziales. Was ist der Beitrag des Unternehmens und was bedeutet das für mich?

Erfolgreiche Unternehmen, die die Zukunft mitgestalten wollen, müssen über diese Themen nachdenken und ihre Unternehmenskultur so gestalten und ausfüllen, dass sie eine Gemeinschaft aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern formt, die die gleichen Werte teilen. Der positive Impact auf das Klima – im Unternehmen – wird groß sein und die Wertschöpfung signifikant steigern.

Was aber tun, wenn sich der „Purpose“ im Unternehmen nicht sofort aufdrängt? Vielleicht beginnen Sie damit, sich und einer heterogenen Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Fragen zu stellen – zum Beispiel diese hier:

  • Was treibt uns an?
  • Was ist unser Beitrag in dieser Welt?
  • Welche Werte schätzen und vertreten wir?
  • Was soll bleiben, auch wenn wir nicht mehr hier sind?
  • Wovon sind wir überzeugt?
  • Was ist die Maxime unseres gemeinsamen Handelns?

Und dann beginnen Sie, daraus ein „großes Ganzes“ zu formen. Geben Sie den Antworten ein Gesicht, erschaffen Sie ein Bild von Ihrem Unternehmen – wie es ist oder künftig sein soll. Vision, Leitbild und daraus abgeleitete Ziele sind dann die nächsten Schritte.

Oft ist im Unternehmen schon ganz viel vorhanden, muss nur noch aufgelesen und formuliert werden. Genauso oft muss natürlich auch bei Null angefangen, muss tief gebohrt werden, um den Kern des Auftrags und des Miteinanders zu finden. Aber die Mühe lohnt, denn ohne Sinn bleibt nur Unsinn.

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Franziska von Lewinski von Fischer Appelt über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. (c) Fischer Appelt
Foto: Fischer Appelt
Interview

Wie Kind und Karriere vereinbaren?

Franziska von Lewinski ist Vorstandsmitglied bei der Agentur Fischer Appelt. Dort verantwortet die zweifache Mutter den Bereich Digitales und Innovation. Ein Gespräch über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie in der PR-Branche. »weiterlesen
 
In einigen Branchen sorgt die vermeintliche "Corona-Krise" für Aufwind. (c) Getty Images / Mauricio Graiki
Foto: Getty Images / Mauricio Graiki
Kolumne

Corona-Krise? Kommunikation im Aufwind

Derzeit wird überall von der „Corona-Krise“ gesprochen. Dabei gibt es Branchen, in denen das Virus sogar für ein Plus sorgt. »weiterlesen
 
Moderne digitale Kanäle können die Kommunikation dabei unterstützen, Mitarbeitende im Mobile Office zu erreichen. (c) Getty Images / Poike
Foto: Getty Images / Poike
Gastbeitrag

So geht mobile Zusammenarbeit in Krisenzeiten

In Krisenzeiten müssen Unternehmen die Art, wie sie an ihre Angestellten kommunizieren, überdenken. Moderne digitale Kanäle sind dabei unerlässlich.   »weiterlesen
 
Facebook soll Problemen bei der Reichweite gewusst, jedoch nichts unternommen haben. / Statistik: (c) Getty Images/champc
Statistik: (c) Getty Images/champc
Meldung

Facebook fakte seit Jahren bewusst die Reichweite

Neue Gerichtsdokumente belasten Facebook schwer. Der Konzern soll „seit Jahren“ davon gewusst haben, dass die Reichweitenzahlen übertrieben waren. »weiterlesen
 
Seit genau sechs Monaten sind Silke und Holger Friedrich Eigentümer des Berliner Verlags. (c) Getty Images / artisteer
Foto: Getty Images / artisteer
Analyse

Sechs Monate, neun Peinlichkeiten, ein Verlag

Vor genau sechs Monaten kaufte das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich den Berliner Verlag. Pleiten, Pech und Pannen folgten. »weiterlesen
 
Florian Martens (c) Siemens
Foto: Siemens
Meldung

Florian Martens wird Pressechef bei Siemens

Florian Martens wird Head of Global Media Relations and Executive Communications bei Siemens. »weiterlesen