Das Agenturnetzwerk Ogilvy arbeitet auch weiter für die US-Behörde CBP: (c) Getty Images / CREATISTA
Das Agenturnetzwerk Ogilvy arbeitet auch weiter für die US-Behörde CBP: (c) Getty Images / CREATISTA
Trotz Protest eigener Mitarbeiter

Ogilvy arbeitet weiter für Trumps Grenzbehörde

Mit Internierungslagern an der US-Grenze habe die Agentur nichts zu tun. Proteste von Beschäftigten seien verständlich, die Zusammenarbeit werde aber fortgesetzt.
Aus der Redaktion

Trotz heftiger Proteste zahlreicher eigener Beschäftigter wird die weltweit aktive Kommunikationsagentur Ogilvy auch weiterhin für die US-Behörde Customs and Border Protection (CBP) tätig sein. Das erklärte der CEO des Unternehmens, John Seifert, in einem offiziellen Memo an die Mitarbeiter. Die Grenzbehörde sei „für sich genommen keine schlechte Organisation“, außerdem handele es sich um eine „prestigeträchtige Geschäftsbeziehung“.

Erst Anfang Juli war diese Geschäftsbeziehung zwischen dem global agierenden Netzwerk Ogilvy mit seinen knapp 500 Agenturen in rund 125 Ländern und der höchst umstrittenen CBP bekanntgeworden.

CBP für Zustände an US-Grenze verantwortlich gemacht

Die US-Grenzbehörde wird für die menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen an der Grenze zwischen Mexiko und der Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht. Vor allem ihre Rolle bei der systematischen, schlecht dokumentierten Trennung einreisender Eltern von ihren Kindern und Säuglingen stößt auf scharfe Kritik. Mehrere Kinder, die sich in der Obhut des CBP befanden, sind in den letzten Monaten verstorben.

Laut Berichten von Medien und Politikern sollen die hygienischen Zustände in vielen Internierungseinrichtungen der Grenzbehörde indiskutabel sein. Die medizinische Betreuung sei ebenso unzureichend wie die Versorgung mit Lebensmitteln. Größere Kinder müssten sich um kleinere kümmern. Gegen die Auflage, den minderjährigen Flüchtlinge Utensilien wie etwa Zahnbürsten, Seife oder Bettdecken zur Verfügung zu stellen, klagt die US-Regierung derzeit vor Gerichten. Präsident Donald Trump hatte erklärt, wem die Bedingungen in den Lagern nicht passe, können jederzeit zurückkehren.

Zahlreichen Angestellten des CBP wird zudem vorgeworfen, offenbar über Jahre hinweg in geheimen Facebook-Gruppen rassistische Tiraden und Kommentare ausgetauscht zu haben. Die Behördenleitung habe diese Gruppen stillschweigend geduldet.

Vor allem jüngere Ogilvy-Mitarbeiter protestieren

Am 9. Juli hatten Beschäftigte von Ogilvy auf einem offenbar turbulent verlaufenen Treffen in New York Aufklärung von der Geschäftsführung der Agentur über die Tätigkeit für das CBP verlangt. Das US-Portal Buzzfeed publizierte ein Transkript der Versammlung. Etliche Mitarbeiter forderten demnach, Ogilvy solle seine Tätigkeit für die Behörde umgehend einstellen. Beobachtern zufolge habe sich ein „ein scharfer Konflikt“ abgezeichnet. Vor allem jüngere Ogilvy-Beschäftigte hätten die PR-Tätigkeit für die Grenzbehörde in deutlichen Worten kritisiert.

CEO Seifert erklärte, die Tätigkeit der Agentur im Umfang von knapp 13 Millionen US-Dollar bezöge sich einzig und allein auf Unterstützung bei der Rekrutierung neuer, qualifizierter Bewerber für das CBP. Mit den Internierungslagern habe Ogilvy nichts zu tun.

 

 
 


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