Interpretation von Fakten statt Lobhudelei - so sehen gute O-Töne aus. (c) Edition Meistertricks
Interpretation von Fakten statt Lobhudelei - so sehen gute O-Töne aus. (c) Edition Meistertricks
Rezension

Wie gute O-Töne Pressemitteilungen bereichern

O-Töne werden in Pressemitteilungen oder Mitarbeitermagazinen oft stiefmütterlich behandelt. Dabei freuen sich Leser über Abwechslung. Dieser Ratgeber gibt wertvolle Tipps.
Jeanne Wellnitz

Die meisten wissen gar nicht, was ein gutes Zitat ausmacht. Nicht einmal Journalisten sind sich ihrer Sache immer sicher. Man gewinnt mitunter den Eindruck, als würden einfach nur zwei Zeilen aus dem Text in Anführungszeichen gesetzt, und fertig ist der O-Ton. Dabei könnte dem Interviewpartner durch intelligente Gesprächsführung der eine oder andere spannende Satz entlockt werden. Kommunikatoren sind hingegen oft nicht so frei wie Journalisten. Sie sind Zwängen unterlegen, welche O-Töne des CEOs in die Pressemitteilung kommen sollen. Oft lassen sie Mitarbeiter für das interne Magazin mit nichtssagenden oder lobhudelnden Zitaten zu Wort kommen. Original-Töne sollten Inhalte allerdings so wiedergeben, wie sie der Schreiber nicht besser hätte formulieren können. Sie sollten persönlich sein, überraschend und unterhaltsame Abwechslung bieten.

Der Berliner Coach Ralf Lengen hat seine persönlichen 15 Tipps zur Interviewführung zusammengetragen. Er gibt Seminare zum Thema, war selbst Journalist und ist Inhaber einer PR-Agentur. Inspirieren lässt er sich von den Meistern: König Salomo, Arthur Conan Doyle, Carmen Sylva, Egon Erwin Kisch. Lengen ist Doktor der Philosophie – er hat eine seiner Firmen und seinen Verlag „Meistertricks“ genannt. Lengens Marketing fußt auf seiner Hingabe für die großen Denker. Er bereitet dieses kollektive und komplexe Wissen für seine Leser, Kunden und Seminarteilnehmer als leicht konsumierbare Anregungen auf.

Lengens Ratgeber ist in vier Kapitel unterteilt, die die 15 Tipps thematisch ordnen. Jede Empfehlung beginnt mit einem markanten Satz eines Meisters, der eine herausstechende Eigenschaft hatte, die für die Interviewführung wichtig war. Lengen interpretiert das Zitat prägnant, leitet daraus Interviewfragen ab und schließt mit einer Angabe zum Wirken der Persönlichkeit.

Terenz, einer der berühmtesten Dichter der römischen Antike, sagte beispielsweise: „Es gibt so viele Menschen wie Meinungen.“ Ralf Lengen rät dann: Zahlen, Daten und Fakten seien für Pressemitteilungen natürlich wichtig. Nicht jedoch für O-Töne! Wenn Kommunikatoren also den Vorstand in einem O-Ton zu Wort kommen lassen, sollte dieser die Zahlen interpretieren – in einer Art und Weise, auf die der Verfasser der Pressemitteilung nicht gekommen wäre.

Fazit:

(Sollte man gelesen haben)

Wer alle Finessen der herausragenden Interviewführung kennen möchte, fühlt sich mit diesem Ratgeber eventuell unterfordert. Für alle anderen ist es eine wirklich gelungen ausformulierte Tipp-Liste.

 

Cover: Edition Meistertricks

So erhalten Sie gute O-Töne
Ralf Lengen, 140 Seiten, Edition Meistertricks, 14,95 Euro

 

 
 

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