Auf Sommarøy wird die Zeit doch nicht abgeschafft./ Sommarøy: (c) Getty Images/ esentunar
Auf Sommarøy wird die Zeit doch nicht abgeschafft./ Sommarøy: (c) Getty Images/ esentunar
Umstrittener PR-Stunt

Norwegens Tourismusbehörde verbreitet Fake-News

Die Meldung, auf der norwegischen Insel Sommarøy werde die Zeit abgeschafft, ist fake. Das hat die Tourismusbehörde des Landes nun eingeräumt.
Aus der Redaktion

Eine kleine Insel in Norwegen, Sommarøy, will die Zeit abschaffen. Denn für die 350 Bewohner scheint die Sonne vom 18. Mai bis zum 26. Juli sowieso ohne Unterbrechung. Das Phänomen nennt sich Mitternachtssonne. Das führe dazu, dass Bewohner auch mal nachts ihre Häuser strichen oder Kinder draußen spielten, während der Rest des Landes schläft. Folglich brauche man in Sommarøy auch keine Uhren. Das meldeten zahlreiche nationale und internationale Medien am 19. Juni, viele beriefen sich auf eine Nachricht der dpa. Mittlerweile ist klar: Die News ist fake.

Das Vertrauen in die Medien ist geschwächt

Ausgedacht haben sich die fragwürdige PR-Aktion die staatliche Innovationsbehörde Innovation Norway und die nationale Tourismusbehörde Visit Norway. Sie wollten mehr Touristen in den Norden des Landes locken. Die norwegische Zeitung Aftenposten hat den PR-Stunt aufgedeckt. Kritik kommt unter anderem vom norwegischen Presseverband. Kristine Foss, Rechtsberaterin des Verbands, sagte dem staatlichen Fernsehsender NRK: „Sie hätten von Anfang an offen damit umgehen müssen, dass es sich hierbei um einen PR-Stunt handelt.“ Die Aktion schwäche das Vertrauen in die Medien und in Innovation Norway als Informationsquelle.

Kjetil Svorkmo Bergmann, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung von Innovation Norway, erklärte gegenüber Spiegel Online, man habe „mit einer unkonventionellen Kampagne Aufmerksamkeit für Norwegen als Reiseland“ erregen wollen. „Es ist nie unsere Absicht gewesen, einen falschen Eindruck entstehen zu lassen“, entschuldigt sich Bergmann nun für die Aktion.

„Wir hätten die Geschichte nicht initiieren dürfen“

In einer Mail schreibt er, die staatliche Innovationsbehörde, bedauere „die Geschichte initiiert zu haben“. Dass es sich um eine PR-Kampagne gehandelt hat, sei wohl nicht klar gewesen. Håkon Haugli, Chef von Innovation Norway, verspricht: „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst und unterziehen unsere Routinen für Kampagnen nun einer Überprüfung.“ Die Organisation müsse ein „transparenter und verlässlicher Partner sein.“

Tourismusdirektorin Bente Bratland Holm zieht dagegen ein positives Fazit. "Alles in allem war dies ein sehr erfolgreicher Stunt", sagt sie gegenüber der Zeitung Aftenposten. Die umstrittene Kampagne hat laut Bergmann rund 50.000 Euro gekostet.

 

 
 


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