Passionierte Journalisten werden in der PR nur glücklich, wenn sie nicht zu Kommunikationssoldaten werden. (c) Getty Images / Tiago_Fernandez
Passionierte Journalisten werden in der PR nur glücklich, wenn sie nicht zu Kommunikationssoldaten werden. (c) Getty Images / Tiago_Fernandez
Vom Journalismus in die PR

Nicht zum Kommunikationssoldaten werden!

Ein Leben lang Journalismus? Laura Fölmer hat die Seiten gewechselt – und empfindet das als Bereicherung.
Laura Fölmer

Spannende Geschichten erkennen. Recherchieren. Die richtigen Protagonisten finden, die diese Geschichten erzählen können. Die Zielgruppe kennen, um Inhalte entsprechend aufzubereiten – egal ob es sich um ein Print-Feature, ein Video, einen Podcast oder einen Post handelt. Und vor allem: netzwerken, Menschen kennenlernen, präsent bleiben. Schlichtweg eine gute Kommunikatorin sein.

Wonach hört sich das an? Nach dem Alltag einer Redakteurin in einem Verlagshaus? Oder dem einer Communications Managerin in einem Unternehmen, zu dessen Produkten fast jeder seine ganz persönliche Geschichte hat? Das Schöne daran ist: In beiden Jobs, als Redakteurin bei Axel Springer oder bei der Funke Mediengruppe und jetzt als Kommunikatorin bei Coca-Cola, konnte und kann ich genau das tun, was mich erfüllt: relevanten Content entwickeln und Menschen dafür begeistern. Nur eins hat sich dabei verändert: die Perspektive.

Die Gespräche mit meinem neuen Arbeitgeber haben sich über ein Jahr lang hingezogen. Und das war gut so. Denn beide Seiten waren sich danach sicher, dass es passt. Angetreten bin ich bei Coca-Cola dann vor knapp einem Jahr mit dem Auftrag, Geschichten im Unternehmen zu identifizieren, die berichtenswert sind, um sie dann professionell zu kommunizieren. Meine Erfahrung als Redakteurin hilft mir, meinen Auftrag zu erfüllen: Was hätte ich meinem Chefredakteur als Geschichte angeboten? Wie kann ich komplexe Sachverhalte so formulieren, dass sie „die Welt da draußen“ versteht? Manchmal bedeutet das auch, Stellung zu beziehen, eine unbequeme Meinung zu vertreten. Denn: Nur weil etwas intern als relevant angesehen wird, muss es die Außenwelt nicht genauso sehen.

Spätestens im Zeitalter von Social Media ist Kommunikation keine Einbahnstraße mehr. Mich und die gesamte Kommunikationsabteilung von Coca-Cola sehe ich als Vermittlerin zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Das gelingt jedoch nur, wenn die Arbeit von Kommunikationsabteilungen auch intern als bedeutend für den Erfolg angesehen wird – und nicht nur als eine Kostenstelle. Zwei meiner schönsten Erfahrungen im ersten Jahr: ein Thema, das wir auf meine Empfehlung hin nicht groß zu machen versucht haben. Und eine Geschichte, die groß geworden ist, weil ich dafür geworben habe. Coca-Cola würdigt unsere Arbeit. Jedoch weiß ich, dass das nicht in allen Unternehmen selbstverständlich ist. 

Unternehmen muss zu einem passen

Ich kann keine grundsätzliche Empfehlung für einen Seitenwechsel aussprechen. Neben persönlichen Überzeugungen kommt es darauf an, in welches Unternehmen man wechselt. Ob man frei und selbstständig denken darf oder als Kommunikationssoldatin der Linie des Unternehmens folgen sollte. Eine passionierte Journalistin wird im zweiten Fall niemals glücklich werden können.

Ich bin fest davon überzeugt, dass eine gut ausgebildete Redakteurin eine gute Unternehmenskommunikatorin sein kann. Und dass eine gute Pressesprecherin verstehen muss, wie Journalisten denken und arbeiten. Nur so funktionieren erfolgreiche Corporate Communications. Für mich ist dabei die grundsätzliche Identifikation mit dem Arbeitgeber genauso wichtig wie anhaltende Verbundenheit zu den Medien, für die ich gearbeitet habe.

Auch mein kurzer Abstecher in die Agenturwelt lässt mich heute meinen Job noch ein Stückchen besser machen. Nun ist es meine Aufgabe, die Geschichten von Coca-Cola Deutschland zu erzählen –  und Rede und Antwort zu stehen, warum wir machen, was wir machen. Das erfüllt mich – und lässt mich keine Sekunde daran zweifeln, dass der Seitenwechsel für mich genau richtig war.

 

 

 

 
 


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