Landesfunkhaus Dresden: Der MDR lädt einen Rechtsextremen zu einer Diskussion ein und reagiert dann bedauernd auf Absagen anderer Teilnehmer. (c) MDR
Landesfunkhaus Dresden: Der MDR lädt einen Rechtsextremen zu einer Diskussion ein und reagiert dann bedauernd auf Absagen anderer Teilnehmer. (c) MDR
Keine Selbskritik, nur Bedauern

Nicht ohne Neonazi: MDR sagt Diskussionsrunde ab

Keine Selbstkritik: Der MDR bedauert Absagen einer Diskussion, zu der er einen Rechtsextremisten eingeladen hatte.
Aus der Redaktion

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat in Reaktion auf mehrere Absagen eine Diskussionsveranstaltung gestrichen, zu dem er den Rechtsextremen Arthur Österle eingeladen hatte.

Österle fungierte vor einem Jahr bei den rechten Aufmärschen in Chemnitz als „Chefordner“ der Gruppierung „Pro Chemnitz“, nahm zuvor an Veranstaltungen der rechtsextremen Kleinpartei „III. Weg“ teil und ist mittlerweile in der AfD aktiv.

Der MDR hatte ihn zu einer Gesprächsrunde eingeladen, für die auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD), Margarete Rödel von der Grünen Jugend, Olfa Kanoun, Professorin an der TU Chemnitz, und MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi vorgesehen waren.

Die Diskussion sollte am 22. August im Anschluss an die Vorpremiere des Dokumentarfilms „Chemnitz – ein Jahr danach“ in einem Kino stattfinden. In der Dokumentation zu den rechten Aufmärschen im Sommer 2018 kommt Österle ebenfalls zu Wort.

Die Einladung des rechtsextremen Akteurs durch die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt war auf scharfe Kritik gestoßen – unter anderem vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), vom CDU-Europaabgeordneten Dennis Radtke und Georg Restle, Moderator und Leiter des ARD-Magazins Monitor.

Chemnitz‘ Oberbürgermeisterin Ludwig sagte daraufhin ihre Teilnahme an der Diskussion ab. Gegenüber der taz erklärte ein Sprecher, sie sei „nicht davon ausgegangen, vom MDR auf ein Podium mit einem offenbar bekennenden Neonazi platziert zu werden". Auch Grünen-Vertreterin Rödel zog ihre Zusage zurück; der MDR solle Nazis keine Bühne geben.

MDR bedauert Absagen sehr

Der Mitteldeutsche Rundfunk selbst zeigt sich wenig einsichtig. „Wir bedauern die Absagen sehr, da wir gern den breiten Dialog geführt hätten“, sagte Programmdirektor Jacobi. Die "gewollte Konstellation" für die Diskussionsrunde sei nun nicht mehr sinnvoll umzusetzen.

Man habe auf ein Podium mit verschiedenen „Gesprächspartnern und Protagonisten“ der Chemnitzer Aufmärsche gesetzt und die Proteste gegen Österles Einladung „auch als wichtige Diskussion“ wahrgenommen.

Die Sendeanstalt wolle nach den Absagen den Publikumsdialog "neu aufstellen". Im Anschluss an die Vorpremiere der Dokumentation werden die Zuschauer nun mit „Machern und Verantwortlichen des MDR über den Film diskutieren“. Ob Österle an dieser Diskussion teilnehmen wird, ist bislang nicht bekannt.

 

 
 


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