Die Freude ist groß, wenn der Pitch eines Themas oder eines Experten bei einem namhaften Medium Erfolg hat. Doch sind die Redakteure sich dieser Wertschätzung auch bewusst? (c) Getty Images/Jrcasas
Die Freude ist groß, wenn der Pitch eines Themas oder eines Experten bei einem namhaften Medium Erfolg hat. Doch sind die Redakteure sich dieser Wertschätzung auch bewusst? (c) Getty Images/Jrcasas
Erfolgreiche Pressearbeit

Nicht nur Haribo macht Kunden froh

Mit Themen und Interviewpartnern bei namhaften Medien Interesse zu wecken, ist für PRler oft harte Arbeit. Unsere Gastautorin kennt die Extreme. 
Janina Beckmann

Ob FAZ, Süddeutsche, Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Zeit oder Welt: Manche Namen von Medien haben auf meine Kunden einen ähnlichen Effekt wie Haribo oder Überraschungseier auf Kleinkinder. Selbst durch den Telefonhörer kann ich die strahlenden Augen erahnen, wenn ich eine Gesprächsoption mit diesen überregionalen Blättern anbieten darf.

Trotz der sehr unterschiedlichen Unternehmen, die wir im Industrieteam unserer Agentur betreuen, gibt es diese Handvoll klassischer Medien, die sie ausnahmslos alle lieben. Entsprechend genau beobachte ich die Berichterstattung von deren Ressorts, und entsprechend häufig pitche ich auch Storylines oder Experten rund um allwissende Autos, selbstdenkende Computer oder die Frage, warum in Deutschland belgische Himbeeren als „regional“ verkauft werden.

Inzwischen habe ich ein ganz gutes Gespür dafür entwickelt, wen ich mit solchen Themenvorschlägen anrufen darf, wer sich über Vorschläge per Mail freut und wo ich nur gelegentlich einen pflichtschuldigen Anlauf bei der Blackbox Redaktionsverteiler starte, weil sich meine Kunden so gerne im jeweiligen Magazin sähen.

Wissen Journalisten den Aufwand zu schätzen?

Wenn einer dieser „A-Redakteure“ auf eine Storyline anspringt, läuft prompt der Agentur-Mechanismus an: Ein kurzer Freudentanz um den Schreibtisch, die Teammitglieder stiften einen Erfolgs-Schokopudding (den jüngsten hat mir die Zeit beschert), dann geht eine Erfolgsmeldung an den Kunden und die Terminabstimmung fürs Interview beginnt. Bei Anfragen vom Format eingangs genannter Medien ist das Gespräch für meine Kunden meist Chefsache. Da werden schon mal Termine und Meetings verschoben. Vorab laufen umfangreiche Briefings und Recherchen, um den Journalisten auch wirklich das Beste vom Besten liefern zu können.

Manchmal frage ich mich, ob sich die Kollegen in den Redaktionen dieser Wertschätzung überhaupt bewusst sind. Ob sie ahnen, dass sie nicht nur versehentlich auf irgendeinem Monster-Verteiler gelandet sind, sondern dass irgendwo irgendein Firmenchef ihre Arbeit klasse findet und eben deshalb gerne in ihrem Medium zitiert werden möchte. Entsprechend verwundert mich die sehr unterschiedliche Gesprächskultur in den Redaktionen jeden Tag aufs Neue.

Während der eine höflich und offen Feedback gibt, wird man beim Zweiten wie ein drittklassiger Anzeigenverkäufer abgewimmelt. Während der eine mit monumentaler Agenda und Stunden an Recherchearbeit ins Interview kommt, lehnt sich der nächste vermeintliche Topjournalist zurück und möchte sich gerne berieseln lassen. Beides ist möglich ‒ ich muss es nur vorher wissen und meinen Kunden entsprechend vorbereiten.

Höfliches, zeitnahes Feedback erwünscht

Besonders geärgert habe ich mich einmal über einen Journalisten, der ein von mir ausführlich vorbereitetes Interview wenige Minuten vor Beginn ohne Gründe und ersatzlos via Whatsapp absagte. Zum Glück ein Einzelfall. Ebenso wie der Journalist, der sich eine Stunde angeregt mit meinem Kunden unterhielt und sämtlichen gelieferten Input verwertete – ohne ein einzelnes Mal die Quelle zu nennen. Qualitätsjournalismus lässt grüßen!

„Am anderen Ende der Skala“, um Friedhard Teuffel zu zitieren, gibt es aber natürlich auch jede Menge positiver Beispiele. Journalisten, deren Postfach vermutlich längst überquillt, und die trotzdem höflich und zeitnah Feedback auf meine Pitches geben.

Natürlich sind mir die Kandidaten am liebsten, die gleich einen Gesprächstermin wollen und die meine Storylines am Stück verwursten. Doch auch ein „Interessant, aber ich habe derzeit überhaupt keine Zeit“ oder ein „Passt gerade nicht in den Redaktionsplan“ hilft mir bei der täglichen Arbeit immens.

Ich finde: Miteinander reden ist eine Tugend, die wir auch unter Kommunikatoren nicht verlernen sollten.


Dieser Gastbeitrag ist eine Antwort auf den Aufruf des pressesprecher in der Kolumne „Zuckerbrot und Peitsche“, Anekdoten darüber einzusenden, in welcher Weise Journalisten Pressemitteilungen aufgegriffen haben.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Wie sollen Kommunikatoren mit Investigativjournalisten umgehen? (c) Getty Images / golubovy
Foto: Getty Images / golubovy
Gastbeitrag

11 Tipps für den Umgang mit Investigativjournalisten

Berichten Medien kritisch über Unternehmen, gibt es oft Konflikte. Gerichtliche Auseinandersetzungen sowie ein negatives Image des Unternehmens können die Folge sein. Das muss nicht sein. Über den Umgang mit investigativen Reportern und Boulevardjournalisten. »weiterlesen
 
Gendergerechte Sprache ist ein schwieriges Thema in der Pressearbeit. / Gendern: (c) Getty Images/Fokusiert
Gendern: (c) Getty Images/Fokusiert
Kolumne

Gendern: Herausforderung in der Kommunikation

Die Frage nach dem richtigen Gender-Maß und überhaupt nach einer diskriminierungsfreien Formulierung stellt sich Kommunikationsschaffenden oft. »weiterlesen
 
Ab sofort nutzen wir auf pressesprecher.com den Gender-Doppelpunkt. (c) Getty Images / Aleksandr_Gromov
Foto: Getty Images / Aleksandr_Gromov
Meldung

Zwei Punkte für ein Halleluja

Ab sofort gendert pressesprecher online. Warum tun wir das? Und wie genau? »weiterlesen
 
Chinas Versuch, das Image hierzulande aufzupolieren, scheiterte – bislang. / China: (c) Getty Images/Rawf8
China: (c) Getty Images/Rawf8
Meldung

Chinesische PR auf Kosten deutscher Firmen

China will sein Image hierzulande mit einem eigenen Newsportal aufpolieren. Dafür bezahlen sollen deutsche Konzerne. »weiterlesen
 
Change erschüttert unsere Grundbedürfnisse. So kann die interne Kommunikation Unterstützung bieten. (c) Getty Images / andy0man
Foto: Getty Images / andy0man
Kolumne

Wenn Change die Grundbedürfnisse erschüttert

Im Change sind die meisten unserer Grundbedürfnisse erschüttert. Wie kann die interne Kommunikation Mitarbeiter in solchen Situationen unterstützen? »weiterlesen
 
Christof Schmid ist neuer Head of Communications bei Twitter Deutschland. (c) Twitter
Foto: Twitter
Meldung

Christof Schmid übernimmt Twitter-Kommunikation

Twitter hat einen neuen Kommunikationschef für Deutschland ernannt.