New Work verspricht mehr Freiräume für Kreativität – aber mit bunten Sitzecken allein ist es nicht getan. (c) Getty Images/XiXinXing
New Work verspricht mehr Freiräume für Kreativität – aber mit bunten Sitzecken allein ist es nicht getan. (c) Getty Images/XiXinXing
New Work

Erst der Sinn, dann das Vergnügen

Flache Hierarchien, gute Work-Life-Balance, mehr Freiraum für Eigenverantwortung und Kreativität – all das verspricht das Konzept des New Work. Doch mit einem Kaffeevollautomaten und einer bunten Sitzecke im Büro ist es nicht getan, wie Expertin Andrea Montua in der neuen „Echolot“-Folge erklärt.
Andrea Montua

Als Frithjof Bergmann in den 1970ern die bis dahin gängigen Arbeitsstrukturen als überholt darstellte und so den Begriff „New Work“ prägte, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, noch im Jahr 2018 so viel Bürostaub damit aufzuwirbeln. Gleichermaßen gewundert hätte ihn sicher auch, dass industrielle Strukturen mit starren Hierarchien, festen Zeit- und Aufgabenstrukturen so lange unverändert blieben.

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Als sinnvolles Modell für mehr Wertschöpfung präsentiert sich New Work aktuell jedoch nicht. Es ist vielmehr das neue Buzzword, nachdem wir der Digitalisierung müde geworden sind. New Work – das macht wach. Agil, selbstbestimmt, eigenverantwortlich und frei. Das alles in flachen Hierarchien mit einer guten Work-Life-Balance. Von Achtsamkeit bis Zumba, am Arbeitsplatz ist alles drin. Arbeiten im Wunderland.

Ist das so? Sicher nicht, denn was so leichtfüßig daherkommt, ist in Wahrheit ein Schwergewicht. Oft kommen wir in Unternehmen, in denen innerhalb kürzester Zeit etablierte Strukturen auf den Kopf gestellt wurden und sich niemand mehr mitgenommen fühlt. Dann wurde meist versäumt, vorab zwei wichtige Fragen zu beantworten:

  • Warum wollen wir als Unternehmen diese Entwicklung vollziehen?
  • Wie schaffen wir es, unsere Mitarbeiter auf diesem wenig planbaren Weg mitzunehmen?

Warum?

Die Antwort auf das „Warum“ ist deshalb so essenziell, weil sinnhaftes Handeln ein Grundbedürfnis jedes Menschen ist. Ergibt unsere Arbeit Sinn, gehen wir bereitwilliger holprige oder gar unbekannte Wege.

Jede Menge Sinn hat zum Beispiel, dass Wertschöpfung heute in vielen Unternehmen nur noch zu steigern ist, indem die standardisierten, bekannten Prozesse wenig Ressourcen binden. So bleibt mehr Arbeitskraft, mehr Kreativität und mehr Ideen für neue Herausforderungen.

Wenig Sinn hat es, einen Gemeinschaftsraum mit bunten Sitzsäcken, Kaffeevollautomat, Bio-Brause und Kicker einzurichten und zu hoffen, dass sei jetzt New Work und alles würde besser.

Jedes bestehende Unternehmen hat eine Struktur und die Unternehmenskultur spiegelt das Verhalten aller innerhalb dieses Musters. Verändern sich die Wünsche der Kunden oder die Bedürfnisse ganzer Branchen, müssen Unternehmen ihre Struktur verändern, um weiter mitspielen zu können.

Und hier ist das Konzept des New Work ein probates Mittel, weil es Freiräume schafft, sowohl zeitlich als auch mental, um Ideen zu entwickeln, die das Unternehmen weiterbringt. Weiter als bisher, weiter als die Konkurrenz.

1. Erkennen

Diese Erkenntnis muss bei den Führungskräften ankommen. Hier kann die interne Kommunikation bereits die Hand heben und Impulsgeber sein.

Begeistern Sie die Führungskräfte für das Potenzial der Mitarbeiter. Versorgen Sie die Chefs mit Material, das zum Umdenken anregt. Warum muss ich als Führungskraft loslassen, Verantwortung abgeben, Vertrauen schenken, um erfolgreicher zu sein? Warum ist das kein Kontrollverlust, sondern ein Gewinn für die Mitarbeiter, die Führungskräfte, das Unternehmen, vielleicht sogar die Gesellschaft?

Traut euch, liebe Chefs! Im Grunde ist es, wie einen Vogelkäfig zu öffnen und dann damit klarzukommen, dass der Vogel sich neue Räume erobert. Denn das wird er garantiert tun. Aber Achtung: Der Grat zwischen impulsgebend und anmaßender Besserwisserei ist ein schmaler. Eine interne Kommunikation als anerkannter strategischer Partner der Leitung hat es bedeutend leichter als eine rein operativ reagierende Untereinheit der Unternehmenskommunikation.

2. Motivieren

Bei der Ansprache der Mitarbeiter muss die interne Kommunikation vielleicht auch eigene Denkmuster aufgeben: Es liegt nicht an den Menschen, die verhindern oder blockieren, es liegt an den Strukturen, die sich nicht von heute auf morgen verändern.

Als interne Kommunikation müssen wir davon ausgehen, dass alle Mitarbeiter motivierbar sind und bereit, neue Wege zu gehen. Warum ist es wichtig, dass mein Unternehmen Erfolg hat, und warum ist es wichtig, dass ich Verantwortung dafür übernehme? Und was habe ich davon? Genau das! Ein im Markt erfolgreiches Unternehmen mit glücklichen Kunden. New Work macht’s möglich.

3. Dran bleiben I

Begleiten Sie als interne Kommunikation den Prozess, bleiben Sie so lange an der Seite Ihrer Kollegen wie nötig. Denn nicht alle kommen gleichzeitig im Ziel an. Wenn Sie den Zweck der Veränderung immer wieder auf die Agenda bringen und das Ziel damit hochhalten, sind Sie ein treuer, guter Begleiter.

Erzählen Sie Geschichten aus dem Haus, die Mut und Lust machen, den Weg gemeinsam weiterzugehen und die Geschichte des Unternehmens ganz nebenbei neu zu schreiben.

4. Dran bleiben II

Werden Sie zum Advokat des Prozesses, wenn der Ruf nach Leistungskennzahlen laut wird. Die Diskussion zwischen alter Kennzahlen-Struktur und neuer Sinn-Kultur muss moderiert werden. Schaffen Sie Verständnis dafür, dass die relevanteste Größe des New Work der Mensch ist. Denn das, was zählt, ist nicht immer messbar.

Wenn der große Turnaround geschafft ist, dann sind die bunten Sitzsäcke, der Kaffeevollautomat, Bio-Brause und Kicker eine nette Sache. Die Motivation jedes Einzelnen wird aber nicht aus der netten Sitzecke kommen.

 

 
 


randbemerkung

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