In Gedenken an den verstorbenen Fußballfan Jonathan Heimes verzichtete Sponsor Merck auf sein Namensrecht am Böllenfalltor-Stadion. (c) Joaquim Ferreira/foto-kiko.de
In Gedenken an den verstorbenen Fußballfan Jonathan Heimes verzichtete Sponsor Merck auf sein Namensrecht am Böllenfalltor-Stadion. (c) Joaquim Ferreira/foto-kiko.de
Politikaward 2017

Warum das Merck-Stadion einen neuen Namen bekam

Der Politikaward in der Kategorie „Unternehmen“ ging unter anderem an Merck. Das Chemie- und Pharmaunternehmen hatte für die Bundesligasaison 2016/17 auf sein Namensrecht beim Böllenfalltor-Stadion verzichtet. Die Hintergründe skizziert Kommunikator Robert Both.
Robert Both

1. Titel der Kampagne

Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor

2. Hintergrund

Merck hat 2014 das Namensrecht am Stadion des Fußball-Erstligisten SV Darmstadt 98 erworben. Im März 2016 starb der Fan Jonathan Heimes nach langer Krebserkrankung. Heimes gilt aufgrund seines beeindruckenden Kampfgeists als Pate des Aufstiegs in die Bundesliga. Seine Geschichte hatte das Team schon in den Aufstiegsspielen zur 2. Liga motiviert. Heimes’ Vater Martin arbeitet seit mehr als 25 Jahren für Merck.

3. Ziel

Wir lassen das Engagement einer herausragenden Persönlichkeit für krebskranke Menschen fortleben und unterstützen die von ihm gegründete Initiative „Du musst kämpfen!“. Zudem stärken wir die emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen bei der lokalen Bevölkerung im Allgemeinen und den Mitarbeitern am Standort Darmstadt im Besonderen.

4. Strategie und Maßnahmen

Nutzung des emotionalen Themas Fußball und der besonderen Bedeutung von Jonathan Heimes für den Verein. Konsequentes Storytelling: Merck als in Darmstadt beheimatetes und sozial engagiertes Unternehmen unterstützt den individuellen Einsatz einer vorbildhaften Persönlichkeit gegen Krebs, die zudem familiär mit dem Unternehmen verbunden ist. Crossmediales Kampagnensetting. Maßnahmen extern unter anderem: Rebranding im Stadion, Neugestaltung Stadion-Haltestelle, Bundesligaspiel in „Du musst kämpfen“-Trikots inklusive Bandenwerbung. Maßnahme intern unter anderem: Produktion von Unterstützer-Armbändern im Merck-Design und exklusiver Verkauf an Mitarbeiter zugunsten der Initiative.

5. Beteiligte Personen

  • Dirk Sulzmann, Leiter Umfeldbeziehungen
  • Ralf Göthling, Manager Umfeldbeziehungen
  • Julian Wenzel, Referent Umfeldbeziehungen
  • Robert Both, Manager Standortkommunikation/Pressesprecher
  • Petra Lochmann-Wilhelm, Managerin Standortkommunikation/Pressesprecherin.

6. Größte Hürden

Geringer zeitlicher Vorlauf: Vier Wochen lagen zwischen der Entscheidung, die Namensrechte zur Verfügung zu stellen, und dem Auftakt der Kampagne. Außerdem begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen (keine Agenturunterstützung).

7. Aha-Momente

Der Erfolg der Kampagne ist vor allem ein Ergebnis der herausragenden Kooperationsbereitschaft aller Partner (Stadt Darmstadt, Verein SV 98, Sponsoringpartner des Vereins, Dumusstkämpfen!).

8. Learnings

Ohne ein Netzwerk Gleichgesinnter, von denen jeder hinter der guten Sache zurücktrat, wäre es nicht möglich gewesen.

9. Das bleibt uns besonders in Erinnerung

Diese Mail (Auszug): „Ich bin zwar Schalker, aber als ich diese Mitteilung gelesen habe, musste ich weinen. Vielen Dank für dieses Zeichen: dass Menschlichkeit und Mitgefühl immer noch einen Platz im Fußball haben – und dass es nicht nur um Geld geht!“

 

Über den Politikaward

Seit 2003 zeichnet das Fachmagazin politik&kommunikation mit dem Politik­award neben den besten ­politischen und gesellschaftlichen Kampagnen eines Jahres auch ­Politiker und Unternehmen aus, die besonderes gesellschaftliches Engagement bewiesen haben. Zu den Siegern wurden Anfang Februar die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu ­Dreyer („Politikerin des Jahres“), der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak („Aufsteiger des Jahres“) sowie Hans-Christian ­Ströbele („Lebenswerk“) gekürt.

 

 
 


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