Wer nach einem Fehler nicht nur aufräumt, sondern auch für die Zukunft lernt, kommt weiter. (c) Getty Images/z_wei
Wer nach einem Fehler nicht nur aufräumt, sondern auch für die Zukunft lernt, kommt weiter. (c) Getty Images/z_wei
Learnings zur internen Kommunikation

Nach dem Fehler ist vor dem Erfolg

Die „Echolot“-Kolumne beleuchtet die interne Kommunikation in Zeiten digitaler Transformation. Dieses Mal beschreibt Kerstin Feddersen, welche Fehler in der Kommunikation lauern.
Kerstin Feddersen

Der größte Fehler der internen Kommunikation besteht darin, das eigene Gewicht zu unterschätzen. Werden ein paar Stellschrauben gedreht, ist der Kurs klar und das Ergebnis erfreulich.

Bei einer Recherche stießen wir auf das Instituut voor Briljante Mislukkingen, ein Forum, in dem man mit seinen Flops punkten kann. Hooray! „A brilliant failure is a well-prepared opportunity with a different outcome than planned and a learning effect“, heißt es auf der Seite: Ein brillanter Misserfolg ist eine gut vorbereitete Chance mit einem anderen Ergebnis als geplant und einem Lerneffekt. So wahr. Jeder Entscheider kennt diese etwas anderen Ergebnisse. Positiv ist, wenn wir daraus lernen und nachbessern.

Unsere Erfahrung zeigt, dass die Irrwege in der IK oftmals entstehen, weil nicht klar ist, welche Rolle sie einnimmt. Sie ist eben nicht die kleine Schreibstube für Jubiläen und den Kantinenplan, sondern eine strategische Schnittstelle mit Einflussmöglichkeiten. Viele Geschäftsführungen haben das längst erkannt und nutzen sie entsprechend. Andere IK-Teams stehen noch ganz am Anfang dieser Rolle vorwärts und brauchen Mut. Die kleinen Fehler, die passieren sowieso.

Wir haben unsere Big Five der Lerneffekte und Nachbesserungen in der internen Kommunikation zusammengetragen.

Fünf Fehler, fünf Learnings

Learning #1: Die Strategie am Unternehmen ausrichten
Die interne Kommunikation ist strategischer Partner der Unternehmensleitung und sollte deshalb nicht nur eine Strategie haben, sondern diese auch an der des Unternehmens ausrichten. So entstehen klare Prioritäten, effiziente Prozesse und erreichbare Ziele. Entwickeln Sie aus den übergeordneten Zielen Leitbotschaften für die IK und generieren Sie daraus auch Ihre Content-Strategie. Auf dieser Basis können Sie vorhandene Kanäle ordnen, die Medienprofile schärfen und damit jede Zielgruppe optimal bedienen. Ein Newsroom, auch in Kooperation mit den Kollegen der externen Kommunikation, ist sinnvoll, damit die Inhalte in die richtigen Kanäle gespeist werden.

Learning #2: Der Führungsriege ein Gesicht geben
Wenn Vorstand oder Geschäftsführung zu wenig oder gar nicht intern kommunizieren, hat die interne Kommunikation es wahnsinnig schwer, eine starke Position einzunehmen und strategisch zu wirken. Entwickeln Sie Formate, in denen die Führungsriege sich zeigen kann und die den Kollegen Mehrwert bieten. Ein regelmäßiger Lunch mit zufällig ausgewählten Mitarbeitern, kurze und knackige Video-Statements, „Drei Fragen an…“ in der Mitarbeiterzeitschrift oder Führungskräfte-Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit HR helfen, die Chefs und damit auch die IK zu positionieren.

Learning #3: Führungskräfte fit für die Kommunikation machen
Wenn Führungskräfte zu wenig oder kaum kommunizieren, kann das gute Gründe haben. Vielleicht fehlt das nötige Rüstzeug. Kooperieren Sie mit Ihren HR-Kollegen und klären Sie, ob es Führungsleitlinien gibt, ob Kommunikation zum Jobprofil der Führungskräfte gehört und ob entsprechende Schulungen angeboten werden. Das A und O ist, dass Vorgesetzte rechtzeitig und ausreichend informiert sind, um gut mit ihren Mitarbeitern kommunizieren zu können. Als IK können Sie diese Schnittstelle einnehmen und ihnen helfende Tools an die Hand geben: eine Präsentation, die Hintergründe erklärt, ein umfangreiches FAQ oder einen Leitfaden zum Change-Prozess.

Learning #4: Feedback der Kollegen einholen
Es ist richtig und wichtig, die Mitarbeiter nach ihren Wünschen in Bezug auf die IK zu fragen. Interviews in Fokusgruppen eignen sich perfekt, um ein möglichst breites Meinungsbild zu bekommen. Aber Achtung – das Ganze wird dann zur offensichtlichen Alibi-Aktion, wenn nach der Umsetzung der daraus entstandenen Maßnahme(n) keiner mehr nachhakt, fragt, wie es klappt, oder wie zufrieden man ist. Gleichen Sie den tatsächlich erfolgten Nutzen mit den Bedürfnissen der Nutzer ab, auch und gerade nachdem Sie den großen Relaunch, das neue Tool oder das hippe Format ein- und umgesetzt haben. So können Sie Dinge anpassen, neu ausrichten oder verfeinern. Das Fundament jeder IK-Strategie sind die Bedürfnisse der Kollegen: Nutzungsverhalten und Interessen sind Faktoren, die regelmäßig hinterfragt werden sollten.

Learning #5: Werteorientiert handeln
In der IK müssen wir vor allem eines sein: glaubwürdig. Dabei sollten die Rollen als strategischer Partner der Geschäftsführung und Informationspartner der Mitarbeiter nicht zur Grätsche werden. Ist die Glaubwürdigkeit einmal verspielt, braucht es fast schon ein Arbeitsleben, um sie zu restaurieren. Neutralität kann es in der internen Kommunikation nicht geben, denn ihr Auftraggeber sitzt auf dem Chefsessel. Aber auch Sie können Ihre Werte formulieren und danach handeln.

Wenn die interne Kommunikation ihre Rolle sauber und mit durchdachter Strategie ausführt, wird viel bewegt. Wir erleben in der Praxis immer wieder, wie eindrücklich dieses Aha-Erlebnis ist. Die Unternehmensleitung profitiert von ihrer IK, vertraut ihren Erfahrungen und dem Gespür für die Stimmungen und Erwartungen im Haus. Trauen Sie sich ruhig, Fehler zu machen und Dinge auszuprobieren. Stellen Sie aber unbedingt sicher, dass diese brillant vor- und nachbereitet sind – nach dem Fehler ist vor dem Erfolg!

 

 
 


randbemerkung

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