Wächst ein Unternehmen rasant, muss die interne Kommunikation Mut beweisen, meint Annika Hunkemöller von Uniq. (c) Uniq
Wächst ein Unternehmen rasant, muss die interne Kommunikation Mut beweisen, meint Annika Hunkemöller von Uniq. (c) Uniq
Uniq-Pressesprecherin Annika Hunkemöller

„Mut haben, neue Wege auszuprobieren“

Uniq, unter anderem Dachmarke des Reiseportals Urlaubsguru, entwickelte sich in kurzer Zeit vom Start-up zum mittelgroßen Konzern. Welche Herausforderungen boten sich im Rahmen dieser rasanten Entwicklung für die interne Kommunikation?
Katrina Geske

Frau Hunkemöller, Uniq hat sich in kurzer Zeit vom Start-up zum mittelgroßen Unternehmen entwickelt. Wie darf man sich diesen Prozess vorstellen?

Annika Hunkemöller: Uniq startete ohne Businessplan und Startkapital. Der Start-up-Alltag ist geprägt von schnellen Erfolgen, innovativen Ideen und großem Gestaltungswillen. Für die interne Kommunikation gab es keine Strategie – kommuniziert hat jeder, der sich irgendwie in der Verantwortung gesehen hat. Außerdem gab es keine zentrale Anlaufstelle, an der alle Informationen im Unternehmen gebündelt wurden.

Innerhalb weniger Jahre ist unsere Firma rasant gewachsen, zählt mittlerweile rund 200 Mitarbeiter an sechs Standorten. Die Kommunikationsabteilung, der ich angehöre, wurde im vergangenen Jahr aufgebaut. Strukturen gab es zuvor kaum – jetzt ist es an uns, sie aufzubauen.

Wie sah die interne Kommunikation in der Anfangszeit von Uniq aus?

Zuvor fand die interne Kommunikation hauptsächlich auf persönlicher Ebene statt, ein enger Kontakt zu den CEOs war immer gegeben. Als Mitarbeiter war man einfach sehr nah am Geschehen. Es gab kurze Dienstwege – wie man es sich bei einem Start-up vorstellt. Um miteinander in Kontakt zu treten, wurden hauptsächlich Skype und Facebook verwendet – nicht gerade die optimalen Kommunikationsplattformen. Wirklich zuständig für die Kommunikation war niemand.

Was waren die Herausforderungen für die neu geschaffene interne Kommunikation?

Wächst das Unternehmen, werden natürlich auch immer mehr Mitarbeiter eingestellt. Der persönliche Kontakt zu den Chefs ist also nicht mehr im selben Maß vorhanden – daran mussten sich viele Mitarbeiter erst gewöhnen. Vor allem ging es auch darum, den Flurfunk etwas einzudämmen – denn die Kommunikation fand damals häufig darüber statt.

Einerseits wollten wir unsere Start-up-Mentalität nicht verlieren – aber Strukturen müssen dennoch geschaffen, Verantwortlichkeiten definiert und klare Ansprechpartner zur Verfügung gestellt werden. Diese Veränderungen einzuleiten und den Mitarbeitern näherzubringen, war nicht immer einfach.

Zwischen Start-up-Mentalität und Struktur: Wie ist Ihnen dieser Spagat gelungen?

Wir haben beispielsweise Tools entwickelt, mit denen der persönliche Kontakt zu den CEOs aufrechterhalten werden kann. Heute gibt es eine wöchentliche CEO-Sprechstunde, in der Mitarbeiter sich direkt mit den Chefs austauschen können – zu beruflichen, aber auch privaten Themen. Außerdem gibt es mehrmals jährlich CEO-Videobotschaften, in denen die Chefs sich direkt an die Mitarbeiter wenden, ihnen Projekte, Erfolge und neue Herausforderungen mitteilen. Außerdem haben wir einen internen Podcast, der Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, ihre Fragen an die Geschäftsleitung anonym zu stellen. Mit diesen und anderen Hilfsmitteln können wir die enge, persönliche Bindung der Mitarbeiter an die Chefs immerhin teilweise erhalten.

Wie sind Sie während dieser Zeit mit Fehlschlägen umgegangen?

Generell muss man zunächst sagen, dass jedes Tool seine Zeit braucht. Bei unserem Podcast hat es beispielsweise einige Zeit gedauert, bis Mitarbeiter sich tatsächlich engagiert und Fragen eingesandt haben. Mittlerweile hat sich die Teilnahmebereitschaft verstärkt. Dem Ganzen etwas Zeit zu geben, war also die richtige Entscheidung.

Gegenüber Feedback und Kritik von Mitarbeitern sind wir außerdem immer offen. Wenn wir von ihnen die Rückmeldung erhalten, dass sie sich zu bestimmten Themen mehr Informationen wünschen, ihnen ein Format gar nicht gefällt, oder sie generelle Verbesserungsvorschläge haben, versuchen wir, diese umzusetzen und die interne Kommunikation dahingehend anzupassen. Zeit und Mut sind zwei Grundsätze, die man in der internen Kommunikation immer braucht.

Inwiefern Mut?

Mut zu haben, neue Wege auszuprobieren – auch auf die Gefahr hin, dass diese als Fehler abgestempelt werden. Dann muss man sich diese Fehler eben eingestehen oder versuchen, etwas zu ändern. Aber nur, wenn man mutige Entscheidungen trifft, ergeben sich neue Wege, mit den Mitarbeitern in Interaktion zu treten.

Die interne Kommunikation ist sowieso ständig im Wandel. Das ist auch gut so, denn Mitarbeiter verändern sich, genau wie Rahmenbedingungen. Da macht es nur Sinn, wenn sich die interne Kommunikation mit ihnen ändert.

Fehler muss man eingestehen können, sagten Sie gerade. Welche Rolle spielt eine positive Fehlerkultur im Unternehmen in einer solchen Situation?

Nur wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, lässt sich eine positive Fehlerkultur im Unternehmen etablieren. Trifft man mutige Entscheidungen, sind fast sicher auch Fehlentscheidungen dabei – diese kann man aber nutzen, um vorwärts zu kommen. In dieser Beziehung mutig zu sein, öffnet beispielsweise auch den Blick für Alternativen, andere Optionen, die man ansonsten nicht gesehen hätte.

Zum Schluss: Wohin wird sich die interne Kommunikation Ihrer Meinung nach künftig entwickeln?

Auf jeden Fall wird sie noch digitaler werden. Dennoch wird auch die persönliche Kommunikation an Bedeutung gewinnen – gerade weil heute vieles digital abläuft, ist der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern nicht zu unterschätzen. Alleine schon, um Missverständnisse zu vermeiden – digitale Kommunikation bringt doch auch immer viel Diskussionspotential mit sich. Viele Diskussionen lassen sich per Telefonat oder im persönlichen Gespräch viel schneller lösen – oder entstehen gar nicht erst.


Über ihre Erfahrungen spricht Annika Hunkemöller auf der Tagung Interne Kommunikation am 18. und 19. November. Das Programm gibt es hier

 

 

 
Annika Hunkemöller (c) Uniq
Annika Hunkemöller
Uniq
Pressesprecherin

Annika Hunkemöller ist seit 2018 Pressesprecherin bei der UNIQ GmbH und verantwortet die interne sowie externe Kommunikation des Unternehmens. Sie war zuvor als PR-Managerin tätig und studierte Kommunikationsmanagement und Wirtschaftspsychologie. In diesem Jahr war sie Referentin auf dem Kommunikationskongress und spricht auch bei der Tagung Interne Kommunikation über ihre Erfahrungen.

 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Siemens dachte die interne Kommunikation neu. Heraus kam Coffee Mug. / Kaffeetasse: (c) Getty Images/seb_ra
Kaffeetasse: (c) Getty Images/seb_ra
Gastbeitrag

Wie Coffee Mug die IK bei Siemens verändert

Mit Coffee Mug krempelt Siemens die interne Kommunikation um. Vorbild für die Software sind soziale Medien. »weiterlesen
 
Mit vier Fragen zur erfolgreichen Kommunikationsmaßnahme / Psychologie: (c) Getty Images/Feodora Chiosea
Psychologie: (c) Getty Images/Feodora Chiosea
Ratgeber

Wie IK aus psychologischer Sicht gelingt

Psychologische Erkenntnisse helfen bei der Planung der internen Kommunikation. Folgende Fragen sollte man sich dabei stellen: »weiterlesen
 
Change erschüttert unsere Grundbedürfnisse. So kann die interne Kommunikation Unterstützung bieten. (c) Getty Images / andy0man
Foto: Getty Images / andy0man
Kolumne

Wenn Change die Grundbedürfnisse erschüttert

Im Change sind die meisten unserer Grundbedürfnisse erschüttert. Wie kann die interne Kommunikation Mitarbeiter in solchen Situationen unterstützen? »weiterlesen
 
Thomas Heindl baute die Unternehmenskommunikation der LV1871 um. / Thomas Heindl: (c) LV1871
Thomas Heindl: (c) LV1871
Interview

"Wir wollten Kommunikation anders denken"

Corporate Influencer beeinflussen neben der externen auch die interne Kommunikation. Die LV1871 zeigt, wie die Adaption gelingen kann. »weiterlesen
 
In Change-Prozessen kommen die von Menschen geschätzten Arbeitsbeziehungen oft zu kurz. (c) Getty Images / MissTuni
Foto: Getty Images / MissTuni
Gastbeitrag

Warum Beziehungen im Change-Prozess wichtig sind

Personale Kommunikation ist aufwendig und wird bei Change-Prozessen oft vernachlässigt. Warum sie sich trotzdem lohnt, zeigt ein Ansatz aus der Soziologie. »weiterlesen
 
Telekom-Chef Timotheus Höttges versucht sich in diesem Jahr an der Weihnachtsbastelei. (c) Screenshot Youtube
Foto: Screenshot Youtube
Meldung

Telekom-Jahresbilanz: Gebastelt, nicht gebacken

Auch 2019 veröffentlicht die Telekom wieder eine weihnachtliche Jahresbilanz in Videoform. Diesmal darf sich CEO Höttges darin künstlerisch betätigen. »weiterlesen