Zum Ärger von Pressesprechern passieren Autorisierungspannen mitunter auch Journalisten. (c) Thinkstock/sanchesnet1
Zum Ärger von Pressesprechern passieren Autorisierungspannen mitunter auch Journalisten. (c) Thinkstock/sanchesnet1
Zuckerbrot und Peitsche

Münchner Schimpfkanonaden

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Dieses Mal teilt Peter Wenig, Autor beim Hamburger Abendblatt, seine Erfahrungen im Umgang mit Kommunikatoren. Einer ist ihm besonders in Erinnerung geblieben.
Peter Wenig

Der Ton schepperte so sehr, dass das Interview kaum zu verstehen war. Dies hatte indes nichts mit meinem betagten Philips-Diktiergerät zu tun. Verantwortlich war Werner Lorant, in den neunziger Jahren Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München, genannt die „Löwen“. Der Trainer hatte so sehr ins Mikro gebrüllt − sorry, dieses Wortspiel musste jetzt sein −, dass die Aufnahme permanent übersteuerte. Es war Reporterglück, dass ich Werner genau an diesem Nachmittag zum Interview für die Welt am Sonntag getroffen hatte. Die „Löwen“ schwächelten, der Trainer war entsprechend geladen und beschimpfte seine Spieler wechselweise als „faul“ oder „wehleidig“.

Beim Transkribieren war ich mir sicher, dass diese wunderbare Schimpfkanonade die Autorisierung niemals überleben würde. Denn dieses Interview war eine Kriegserklärung an die eigene Mannschaft. Mit entsprechender Spannung wartete ich auf den Rückruf der Pressestelle.

Als das Telefon zum avisierten Zeitpunkt klingelte, hatte ich das Dokument auf meinem Computer geöffnet, um die Änderungen einzuarbeiten. Doch stattdessen sagte mir die Pressesprecherin nur: „Schönen Gruß von Herrn Lorant. Sie können das so drucken.“

Mit München verbinde ich allerdings auch meine peinlichste Interview-Panne. Mit dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, hatte ich ein Gespräch über den Fußball im Allgemeinen und den Klub im Besonderen geführt. Die Autorisierung eilte. Markus Hörwick, Mediendirektor des FC Bayern, gab mir alle Änderungen telefonisch durch. Am nächsten Morgen klingelte sehr früh mein Handy. Es meldete sich ein sehr erboster Hörwick. Wir hatten die falsche Version gedruckt − das unbearbeitete Original.

Warum ich das hier schreibe? Weil Markus Hörwick am Ende dafür sorgte, dass auch Rummenigge meine Entschuldigung akzeptierte und auf jede Korrektur in der nächsten Ausgabe verzichtete.

Inzwischen haben wir beruflich nichts mehr miteinander zu tun. Ich arbeite nicht mehr im Sportressort, Markus Hörwick nicht mehr für die Bayern. Meine Hochachtung für seine jahrzehntelange Arbeit für den deutschen Fußball-Rekordmeister ist geblieben. Oft genug war er der beste Profi in Diensten des „FC Hollywood“.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Hintergrundgespräche sind meist „off the records“, also „unter drei“.  (c) Getty Images/solarseven
Foto: Getty Images/solarseven
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Was bedeutet „unter drei“ und „unter zwei“?

Nicht jede Information ist für die Veröffentlichung bestimmt. Mit Journalisten gelten deshalb besondere Vereinbarungen.   »weiterlesen
 
Ein anständiges Verhalten, ein professioneller Umgang mit Journalisten und die Bereitschaft, Auskunft zu geben, sind die Zutaten erfolgreicher Krisenkommunikation. (c) Getty Images/seb_ra
Foto: Getty Images/seb_ra
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Das Grundrezept gegen jede Krise

Medienvertreter gut und vertrauensvoll zu behandeln, kann sich auszahlen – vor allem im Krisenfall. Unser Kolumnist Claudius Kroker über Zutaten, die eine erfolgreiche Krisenkommunikation ausmachen. »weiterlesen
 
Martin Wehrle während eines Vortrags auf dem Kommunikationskongress 2018. (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 3 Min.
Interview

Kommunikatoren, seid keine Duckmäuser!

Wie können Sprecher sich dagegen wehren, von oben als „Sprachrohr“ gesehen zu werden? Karriereberater Martin Wehrle über die Spielregeln mutiger Kommunikation. »weiterlesen
 
Familienministerin Franziska Giffey wünscht sich weniger Jammern und mehr Tatkraft. (c) Quadriga Media/Jana Legler
Foto: Quadriga Media/Jana Legler
Lesezeit 2 Min.
Bericht

„Tu, was du kannst, wo immer du bist“

Franziska Giffey, seit März Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, setzte auf dem Kommunikationskongress in Berlin mit ihrer Keynote Akzente. Mit ihrem Plädoyer für mehr Zuversicht und Mut zu klaren Botschaften erntete sie viel Zustimmung. »weiterlesen
 
Was unterscheidet eine durchschnittliche von einer exzellenten Unternehmenskommunikation? Eine Studie gibt Aufschluss. (c) Getty Images/Hiro_photo_H
Foto: Getty Images/Hiro_photo_H
Lesezeit 2 Min.
Studie

Was erfolgreiche PR-Abteilungen anders machen

Was macht exzellente Unternehmenskommunikation aus? Dieser Frage ging eine gemeinsame Studie der Hochschule Mainz, der Kommunikationsagentur Faktenkontor sowie der dpa-Tochter News Aktuell nach. Die Ergebnisse wurden auf dem Kommunikationskongress in Berlin vorgestellt. »weiterlesen
 
In der immer komplexer und unbeständiger werdenden Welt steigen die Anforderungen an eine professionelle Kommunikation rasant. (c) Getty Images/Pola Damonte
Foto: Getty Images/Pola Damonte
Lesezeit 3 Min.
Studie

Wo steht die PR 2018?

Die Anforderungen an das moderne Kommunikationsmanagement steigen. Dennoch fühlen sich viele PR-Abteilungen in Unternehmen noch als Verlautbarungsstelle. Und: Die Entwicklung der Gehälter bereitet wenig Freude. Dies und mehr zeigt die größte deutsche Berufsfeldstudie, die am heutigen Donnerstag auf dem Kommunikationskongress vorgestellt wurde.   »weiterlesen